Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 27 (5.7.1839)
- Date
- 1839-07-05
- Page
- Seite 215 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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215 Im Indifferentismus einiger Reichen. Man darf dadei indeß nicht übersehen, daß die Gemeinde, die einzige in der Umgegend, nicht leicht von einer andern — am wenigsten von der nächsten in der Schweiz — zur Nacheiferung gereizt werden kann, daß die Hausväter vorzüglich aber die jungen Leute meistens in der Fremde sich aushalten, und zwar am häufigsten in Italien, wo das religiöse Bewußtsein im Volke noch nicht erwacht, und neben der äußersten Bigotterie der äußerste Indifferentismus herrscht, daß endlich in der jüngsten Zeit die dortigen Geldmittel im Ganzen zwar nicht abgegenommen, sich aber mehr in den Händen Weniger concenirirt haben, welche zu den direkt auf bas Vermögen repartirten Ausgaben, bedeutend beisteuern müssen, und daher gerade die Reichsten sich nicht gern zu freiwilligen Leistungen verstehen. Alle diese Momente können jedoch die Anklage nur mildern, nicht aufheben, da es Einigen bei ernstlichem Willen ohne zu große Anstrengung möglich wäre, alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Es ist indeß zu Manchem schon der Anfang gemacht worden (so ist z. B. der junge Vorsänger, der zu seiner weitern Ausbildung ein halb Jahr in Prag hat zubringen müssen, eben beflissen einen Chor zu bilden und ich hoffe Ihnen bald Erfreulicheres und Ehrenvolleres berichten zu können. Zu den bedeutendsten Ausgaben der Gemeinde gehört die Unterhaltung der Armen, jährlich circa 1400 fl. Eine Armencommission, an deren Spitze der Rabbiner, hat für deren zweckmäßige Verwendung zu sorgen und ist angewiesen, nur absolut Arme und Arbeitsunfähige zu unterstützen. Die Privalwohlthätigkeit kann dadurch nicht entbehrt" werden. Hauptursachen der starken Verarmung sind die Conjuncturen und früher vernachlässigte Kinderzucht. — DieGemeinde hat ferner eine eigene Elementarschule, in der der Rabbiner selbst den eigentlichen Religionsunterricht ertheilt. Daß eine solche, so vortheilhaft sie sich unter den Landschulen auszeichnet, doch dem Bedürfnisse der Gemeinde nicht genügt, leuchtet jedem ein. Die Wohlhabendem müssen daher ihre Söhne in die Fremde schicken. Dennoch sind die Vorschläge zur Errichtung einer höhern Classe bisher wenig beachtet worden, so wie die 1834 vom Rabb. in's Leben gerufene Kleinkinderschule aus Mangel an Unterstützung sich nicht länger als ein Jahr halten konnte. ES bestehet aber eine eigene Schule für den Unterricht im Hebräischen, die ganz der Leitung des Rabb. überlassen ist, der auch die Inspektion über die Elementarschule hat, und in dieser Eigenschaft nur unter dem Distriktschulinspektor stehet. Als Herr Kohn 1833 seine Stelle antrat, war nicht nur der katholische Ortspfarrer Inspektor der israel. Elementarschule, sondern bas fürstbischöfliche Genera l-Vicariat zu Feldkirch wollte sogar die Lehrgcgenstände der hebräischen Schule bestimmen, konnte jedoch damit nicht zurecht kommen. — Außer dem erwähnten Vereine zur Bildung jüdischer Handwerker giebt es dort noch mehrere wohlthätige Vereine, darunter der thätigste die Cbebra Kediscka, besonders wohlthuend für verschiedene Arme. Sie ist in jüngster Zeit von verschiedenen Seiten bedacht worden, brauchte und verdiente aber noch reichlicher Unterstützung, und mit dem frommen Wunsche, daß ihr diese werbe, will ich meinen ohnehin schon ziemlich langen Bericht schließen. _ Erinnerungen. (Fortsetzung.) Auch Herr Leopold Schott, Rabbiner zu Randegg, würdigt meine Bibelübersetzung einer kritischen Revue, hat aber nicht, wie sein Vorgänger, den lieblichen, sondern den verderblichen Stab (Secharia 11, 7) immer bei der Hand, und spricht beständig in ungewählten Ausdrücken. „Ihn treibt der Eifer Gottes lediglich, und was er zu viel thut, thuterihm." Indessen verrathcn schon im Eingänge die Fragezeichen und Klammern den geharnischten Recensenten. Wenn der Ton nur ein anderer wäre! Hr. Sch.*) rechnet zu den „seltsamen und ungletchen Uebertragungen" zunächst die Uebersetzung der göttlichen Namen. „Zuweilen ist Gott gesperrt gedruckt, was bedeutet diese Mystik?" Keine Mystik! Ich habe nur ein nomen proprium durch ein anderes übersetzt, bas hebräische Iehovah durch das deutsche Gott.— Luther hat Jehova jedesmal durch Herr übersetzt und zur Unterscheidung von dem nomen appellnüvum die zwei ersten Buchstaben sperren oder groß drucken lassen, wie HErr. Ich habe es für angemessener gefunden, den Namen Iehovah durch Gott (und zwar durch gesperrte Buchstaben auszeichnend) zu übersetzen, da das Wort Gott im Deutschen „in engerer und vorzüglicher Bedeutung dasjenige höchste Wesen bezeichnet, welches den Grund aller Dinge in sich enthält." So hätte denn Adelung das Räthsel von der Mystik lösen können. Daß ich in Verbindung mit mrP durch Herr; durch Macht übersetzt habe, wird der Recensent hoffentlich auch bei nur geringer Kenntniß der hebräischen Sprache nicht unrecht finden. Die Bibelstellen, die für die Richtigkeit dieserUebertragung Belege liefern, sind unzählig. Ohne Grund hat die Uebersetzung weder den Namen Gottes, noch andere Namen variirt. Daß ich pssy vom Weide gebraucht Gen.3, 16 durch Leiden; vom Manne aber (Das. 17) durch Mühseligkeit; von einem Jäger gebraucht Gen. 10, 9. durch gewaltig, und nicht wie Gen. 6, 4 durch stark übersetzt habe; warum ich ein und dasselbe Wort bald durch trennen und bald durch scheiden, ein anderes bald durch neigen, bald durch bücken verbollmetscht habe, rügt der Herr Kritikus, und vergißt, daß die Sprache auch ihren Tact hat und der Uebersetzer auch das Sprachgefühl zu Rathe ziehen müsse. Er fragt: „Wo ist also die versprochene Gleichförmigkeit?" Wo aber habe ich je eine Gleichförmigket und noch dazu eine solche Gleichförmigkeit versprochen? Ein Versprechen der Art würde gewiß jeden wahren Kenner gegen die Uebersetzung von vorn herein mißtrauisch gemacht haben. Man wird weder der lutherischen noch der de Wetteschen Bibelübersetzung den gleichgehaltenen Ton absprechen können, dessenungeachtet wird für ein und daffelbe hebr. Wort nicht immer ein gleiches deutsches genommen. übersetzt Luther Gen. 3, 16 durch Schmerzen; V. 17 durch Kummer; -yo3 übersetzt de Wette Gen. 6, 4 durch Helden und das. 10, 9 durch gewaltig und mehr dergl. **) *) Wir theilen diese Antikritik nur so weit mit, als sie die Sache beleuchtet; alle Nebendinge lassen wir — dem Prinzipe der Annalen gemäß, weg. Die weiter unten folgenden starken Ausdrücke der Antikritik — welche übrigens nicht auf alle Rügen eingeht — treffen den Herrn Recensenten nicht; da sie aber sonst wohl beherzigenswerlh sind, haben wir sie gern beibehalten. Die Red. hat auch von der Recension nur einen Auszug gegeben, und muß einiges aus der Antikritik mir übernehmen. D. H. **) Es ist gewiß wahr, daß eine ängstliche Gleichförmigkeit gar leicht den Sinn entstellen könnte; andrerseits ist