Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 27 (5.7.1839)
- Date
- 1839-07-05
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133794--0245-3134365- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
213 und den Weg, auf welchem es der Vorsehung gefiel, den Grund zur Erziehung des Menschengeschlechts zu legen, um es vor der Gefahr, stets aus einem Jrrthum in den andern zu fallen. und sich vom rechten Wege ganz zu verlieren, zu bewahren. . (Schluß folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Großherzogthum Weimar. Juni. — Selbst in diesem Lande, wo im Ganzen nur wenige jüdische Familien wohnen, und in den Nachbarstaaten, wo ebenfalls die Gemeinden nicht zahlreich sind, regt sich bei anderweitigem Kämpfen mit brückenden Lebensverhältnissen und unter Beschränkungen, welche das Interesse für geistige Nahrung zu hemmen pflegen, ein munterer Sinn für bessere Erkenntniß und ein Durst nach Belehrung, wie er nie zuvor bemerkt ward. Einen Beweis giebt das so eben erschienene Probeblatt einer neuen, populär gehaltenen, Zeitschrift für Kenntniß des jüdischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung, herausgegeben von Herrn vr. M. Heß, Landrabbiner zu Stadtlengsfeld. Die bloße Hoffnung auf Erfolg neben.den bereits vorhandenen derartigen Instituten beweist zur Genüge die Größe des Bedürfnisses. Wir zweifeln nicht, daß der Herausgeber, dessen Ansichten hinlänglich bekannt sind, wie er es verspricht, entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr sich aussprechen, und seinen Stoff bearbeiten werde, und wünschen ihm recht viel Glück zu der anzutretenden Laufbahn. Der Organe, welche die allgemeine Bildung befördern, kann es nicht genug geben, und es ist zu wünschen, daß sie stets von Männern gehandhabt werden, welche klar und wahr einem bestimmten Ziele zustreden. — Sobald wir, wie zu erwarten steht, noch einige Probebogen erhalten haben, werben wir darüber berichten. Sachsen-Meiningen. — Wir sehen nun auch endlich einer bestimmten und dem Geiste unsrer Zeit entsprechenden bürgerlichen Stellung entgegen. Die Humanität der erlauchten Regierung strebt offenbar dahin, die Israeliten zu einer völligen Emaneipation vorzubereiten. Ausführliches hierüber späterhin. Rheingegend. — Wir haben in Nr. 19 über den Zustand verschiedener Gemeinden in der Gegend an der Mosel Nachricht gegeben. Ein Schreiben aus M. vom 21. Juni meldet, daß der Landdau vorzüglich im Kreise Ottweiler gedeihet, wo die meisten Juden ländliche Grundstücke besitzen und von der Landwirthschaft leben, theilweise sie auch selbst bestellen. In Ottweiler wird jetzt eine neue Synagoge gebaut. Die dazu nöthigen Fuhren werden sowohl von den Ackerbautreibenden Juden, als auch von den Christen beider Confessionen wohlwollend besorgt. Vor drei Jahren waren alle bei Erbauung einer katholischen Kirche eben so gemeinschaftlich thatig. Ejn Beweis von ächter Duldsamkeit. Der Synagogenbau würbe schon weiter gefördert sein, wenn die Bemitteltern mit freigiebiger Hand beisteuerten, wozu bisher keine Hoffnung gegeben ist! — Königreich Würtemberg. Juni. — In Mitten mehrerer Länder gelegen, in denen, namentlich nach Osten zu, die religiösen Angelegenheiten unsrer Gemeinden noch mancherlei Entwickelungen zu erwarten haben, gehen wir bereits längere Zeit einen ordnungsmäßigen geregelten Gang, und blicken mit forschender Aufmerksamkeit auf die Phänomene der Zeit. Unsre Synagogen-Ordnung *) welche eben so zweckmäßig ist. als sie dringendes Bedürfnis war, wird allgemein anerkannt und hat so ziemlich auf Versöhnung der extremen Partheien hingewirkt. Ein wichtiger Umstand dabei ist, daß sämmtliche Rabbinen des Landes vorher ihre Zustimmung gegeben hatten, wodurch eine Einheit erzielt wurde. Einzelne Gemeinden find freilich darum noch nicht mit allem einverstanden; während die eine um Erlaubniß nachsucht, auf ihre neu erbaute Synagoge eine Glocke zu setzen, .um den Anfang des Gottesdienstes zu verkünden, bittet eine andere um Wiedereinführung des verbotenen Klopfens.—Im Allgemeinen aber sind seit.1828 Riesenschritte zum Guten gethan worden. Die Schulen sind durch das kräftige Wirken der israel. Oberkirchen-Behörde mit den nöthigen Hülfsmitteln versehen, und werden in allem von der freisinnigen Regierung unterstützt. In bürgerlicher Beziehung stehen ebenfalls Verbesserungen in Aussicht. — So sehr aber die Israeliten Würtembergs Ursache haben, mit ihrer bermaligen Lage zufrieden zu sein, und so sehr wir uns, sowohl gegen unsere humane Staatsregierung, als auch gegen unsere Stände und Landesbehörben für so manches Gute und Nützliche zu Dank verpflichtet fühlen, so bietet doch das seit dem Jahre 1828 in Wirkung getretene Gesetz im einzelnen noch Beschränkungen dar, die für die Zukunft mancher Gemeinde fühlbare Verluste befürchten läßt, wenn man nicht die Hoffnung hegen dürfte, daß in der nächsten Zeit auch noch jene Hemmungen beseitigt werden. Bisher lasen wir nur aus unserm Nachbarlande Baiern zum öftern Berichte über Auswanderungen von Israeliten nach den Nordamerikanischen Freistaaten. Jetzt habe ich Ihnen, obgleich die Ursachen und Verhältnisse ganz andere sind, Aehnliches aus einer Gemeinde des Königreichs Würtemberg zu melden. Am jüngsten Sonntage, den 16. Juni, sind nemlich von der Kirchengemeinde Zebenhausen, 8 Stunden von Stuttgart, einige junge Leute, die schon vor einigen Wochen *) Jedem das Seine. Sowohl diese als andere ähnliche Einrichtungen sind fast durchweg zunächst aus den durch Man he im er in Wien seit 1826 getroffenen Bestimmungen, welche derselbe dem Drucke nickt übergab, aber jeder verlangenden Gemeinde gern in Abschrift zustellte, geflossen. Dieß hätte nicht mit Stillschweigen übergangen werben sollen, um so mehr, als die Nachahmung des Guten und das offene Anerkennen fremder Leistungen, wie überhaupt friedliche Gleichartigkeit des Kultus. der Synagoge nur zur Ehre gereichen kann. Die Ordnungen, Agenden u. s. w. enthalten ja ohnehin nur Aeußerlichkeiten, die erst durch den lebendigen Geist ihre Bestimmung erfüllen. Genug, wenn es allen gegelingt, auch hierin dem Stifter zu gleichen! Die Wiener Synagoge darf als Muster gelten! D. H.