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Israelitische Annalen · 1839-07-05 · Heft 27 (5.7.1839) · p. Seite 211

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 27 (5.7.1839)
Date
1839-07-05
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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211 Die neuesten Leistungen auf -ew Gebiete -er Wissenschaft. (Fortsetzung.) Stärkere Aufschlüsse giebt Luzzato, Nro. 20, über Aden Esra's Art und Verfahren bei Abfassung seiner Bücher. Er behauptet, A. E. habe alle seine Bücher auf Reisen geschrieben, und zwar indem er sich an einem Orte immer so viel länger aufhielt, als ein neues Werk, das er zu verfassen versprach, ihm Unterhalt bei reichen Leuten sicherte; daher seine vielen Reminiscenzen und Wiederholungen, öfters einander widersprechend, und die vielen Uebereilungen und Unrichtigkeiten. (Rap. behauptet, diese Fehler gehören seinen Schülern, welche nach dem Gehör geschrieben.) Auf jeden Fall stellt er hiernach den Jischaki (Raschi) viel höher als den A. E., und überhaupt die ganze französische Schule, wozu Samuel b. Mair, Nachmanides, David Kimchi mitzurechnen, welche mit Offenheit einen Unterschied zwischen wörtlicher Erklärung der h. Schrift und dem Midrasch machten, über die spanische, welche durch A. E. und Maimonides repräsentirt wird, und den Sinn der h. Schrift durch Einmischung der arabischen Philosophie entstellt. (Ueber dies Urtheil äußert sich Rap. in einer Anmerkung S. 134 — 135 sehr tadelnd.) Er zeigt die Klarheit des Einen und die Unordnung des Andern. War Raschi befangen, weil ihm Philosophie abging, so war A. E. noch mehr befangen durch Astrologie, durch Islamitisch-Griechische Philosophie; jener verdankte das meiste sich, dieser seinen Vorgängern, jener ist überall ehr« lich, dieser sehr oft unwahr, indem er an einem Ort der Massora das Wort redet, an einem andern selbst von ihr abweicht, auch sonst über andere den Stab bricht, wenn sie von der Massora abgehen, und dann selbst wieder Kritik anwendet. (Auch hiergegen eifert Rap.) In demselben Schreiben folgt hier ein bisher unbekanntes Gedicht aus Aden Esra's höherm Alter mit Anspielungen auf Ort und Personen, besonders auf seine Verfolger und die talmudistischen Eiferer. Eine nähere Erklärung dieses Stücks wäre für die Geschichte von hohem Interesse. Außerdem noch ein hübsches Gedichtchen desselben, und ein anderes von Juda Levi. Den Schluß macht eine Bemerkung zu der Mischna V. in Edijoth l., worüber schon im dritten B. des K. CH. Br. 3 gesprochen. — Nro. 21 enthält Rcggio's Antwort und vielseitiges Bedenken gegen Luzzato's Urtheil über A. E. Besonders aber setzt er die großen Nachtheile auseinander, welche Raschi's Erklärungsart in der Bibel für die Bildung der Jugend gebracht hat, und wie wenig seine Offenheit nütze, nachdem einmal durch seine Methode die Jugend durch und durch an irrige Begriffe gewöhnt ist; wogegen A. E. auf jeden Fall den Wortsinn aufsucht, und auf klare Exegese hin führt. (Wir können ihm nur beipflichten.) Da- ' gegen läugnet er nicht, daß A. C. auch die Fehler habe, welche L. an ihm rügt. — Nro. 23 bringt uns abermals ein bisher wenig bekanntes Werk von A. E. über die Zeittheile (Monate, Tage, Stunden) cmendirt und abgeschrieben nach zwei codd. von unserm Luzzato, welcher einige Bemerkungen eingeschaltet hat. — Endlich erhalten wir in Nro. 24 außer andern interes. santen Gaben von demselben unermüdeten Forscher und Hersteller alter Denkmäler eine ganz neue Ausgabe vom □\S‘"nöX’l D\S‘jn TID mit Varianten und mit hinzugefügten Bemerkungen. (Ueber den Verfasser dieses Werkes, s. Carmoly, Annalen Nro. 10.) Es ist dies die Quelle des Juchasin und vieler andern Geschichtschreiber, aber so sehr ohne Kritik benutzt, daß diese verbesserte Gestalt des Werkes offenbar die zeithcrige Geschichte der talmudischen Jahrhunderte bedeutend verändert. Was aus dieser Abhandlung noch nicht hervvrleuchlet, das fördert Rapaport in Nro. 25 erst recht an's Licht, indem er die Chronologie sowohl als die auswärtigen Zeugnisse mit seiner scharfen Kritik beleuchtet. In dieser höchst interessanten Abhandlung zieht er insbesondere (jedoch in einem glimpflichen Tone *) gegen den Verfasser der Geschichte der Israeliten zu Felde, indem er gegen ihn die altern talmudischen Sagen, welche den Patriarchen R. Jehuda den Heiligen mit Antonin us (M. Aurelius) in ein Freundschaftbündniß bringen, in Schutz nimmt. Wir erkalten hier als Resultate der Untersuchung, 1) einige sehr wichtige Aenderungen der Chronologie in dem berühmten Briefe des Scharira Gaon; 2) die Gleichzeitigkeit des Patriarchen mit M. Aurelius und Commodus, so wie daß jener im 1.103 verstarb, 3) die Wahrheit des Freundschaftsbündnisses zwischen dem Patriarchen und dem Kaiser; 4) die Behauptung, daß Ämmianus Marcellinus einen Brief dem M. Aurel beilegt, der dem Commodus zugehört; und verschiedene andere daran sich knüpfende historische Details. Die Abhandlung hat hohen Werth, wiewohl wir nicht vollkommen von den Resultaten überzeugt sind, indem Hauptsächlich die chronologische Grundlage, daß Bethar im 1.125 zerstört worden, st. 135, eine große Unrichtigkeit enthält. Wir behalten uns vor, die Sache noch einmal zu untersuchen. Die übrigen interessanten Briefe dieses Bandes haben wir schon in Nro. 22 der Annalen erwähnt. — Schade daß der Herausgeber desselben die übermäßigen Belobungen, womit er seinem Freunde Rapaport (der bekanntlich viel Angriffe erlitten hat) huldigen will, in diese schöne Sammlung eingerückt hat. Solche Lobhudeleien gehören nicht in wissenschaftliche Werke und sind auch ohnehin nicht von guter Wirkung bei Verständigen. — Sonst aber wirb jeder aus diesem Bericht erkennen, welche unerschöpfliche Fundgrube des Wis. sens dieser Band des Kern» Cherned dardietet. *) Wir bemerken dies hier, weil wir an dieser Stelle den bescheidenen Gelehrten wieder erkennen, während wir seine Anmerkungen in den übrigen Theilen des Buches gegen seine Freunde, welche so artig waren, ihm die Manuscripte vor dem Abdruck mitlheilen zu lassen, damit er etwaige Jrrthümer berichtige, sehr bitter und theilweise ungerecht finden, indem er ändern durfte, und doch nicht abändekte, sondern selbst Versehen stehen ließ, die er dann in seinen Bemerkungen feindlich angreift und auf eine verletzende Art widerlegt. D. H. 27*

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