Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 26 (28.6.1839)
- Date
- 1839-06-28
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete -er Wissenschaft. (Fortsetzung.) Mit Vergnügen lesen wir im achten Schreiben des Kerem Chemed, daß Hillel de la Tvrre, Mitglied des Collegio Rabbinieo in Padua, mit einer ßibliotheca Rabbinica beschäftigt ist, deren Resultate ohne Zweifel viele noch immer verbreitete Irrungen berichtigen werden. Gleichzeitig widerspricht er der Behauptung des vr. Zunz, welcher bei den Jtaliänern gar keine Homiletik finden will, und verweist auf die Vorrede zu den von ihm herausgegebenen Oinque Discorsi detti in Padova, worin er als einen durch gediegene Eloquenz rühmenswerthen Redner insbesondere seinen Oheim Schabthai Elchanan Trevis, vormals Rabbinen in Turin und Piemont, setzt in Triest, nahmhaft macht, dessen Vorträge in der ganzen Umgegend bei Israeliten und Christen anerkannt seien; auch er selbst bemühe sich in dessen Fubstapfen zu treten und erfreue sich gleicher Anerkennung. (Er ist correspondirendes Mitglied der Akademie zu Padua; eine Auszeichnung, die vor ihm nur einem, jetzt schon verstorbenen, Arzte Nathan Benbenisti zu Theil geworben.) Derselbe de la Torre forderte in einem hier sub 9 mitgetheilten Schreiben (v. Z. 1831) Herrn S. I. Latas in Asti zu einem gelehrten Briefwechsel auf. Dies ist bei den italiänischen Gelehrten häufig der Fall. Welche lobenswerthe Wißbegier! Welcher Eifer für Erkenntniß und Erleuchtung des Geistes! — Ein anderes Schreiben Nro. 19 von demselben Verf. ist von geringem Belang. Das zehnte Schreiben giebt Auskunft über ein neues bei M. I. Landau erschienenes Werk gegen die Chasidim P’HS betitelt, von dem geistreichen Verfasser des vor zwanzig Jahren erschienenen p-pOE rbyO' Das Werk hat zum Zweck, die ungemein zahlreiche Classe der polnischen Mystiker auf eine unterhaltende Weise zu belehren, und sie von ihrem Irrwege abzubringen. DaS Ganze hat die Form einer Reisedeschreidung, welche sich über das innere Leben der Mystiker verbreitet und dessen Nachtheile unumwunden aufdeckt, dagegen das wahre Glück eines edlern bürgerlichen Lebens, besonders der Gewerbthäligkeit darstellt, und die Colonisten in Rußland, welche Landbau treiben, rühmend schildert, — überhaupt aber auf die Nothwendigkeit, Elementarschulen zu gründen und gute Gewerbe zu befördern, verweiset. Wir werden auf das Werk selbst noch einmal zurückkommen. In Nro. 11 erhalten wir durch den Arzt l)r. S. H. de Lavolta in Mantua ein altes berühmtes Gebet, bestehend aus 1000 Wörtern, die alle mit n beginnen, unter dem Titel von Abraham Biterassi (aus Bcziers, Saec. xiii) mit kurzen Erklärungen von M. Mortara. Als Alterthumsstück schätzbar; sonst freilich nur eine sinnige Spielerei, welche mehr von Sprachgewandtheit als Geschmack zeugt. Aus dem fünfzehnten und sechzehnten Schreiben erfahren wir, was bisher völlig unbekannt war, aber durch Handschriften, welche der gelehrte Sammler Uri Hai Saraval aus der Berberei erhalten hat, ganz außer Zweifel gesetzt ist, baß Aden Esra einen zwiefachen Commentar zum Pentateuch geschrieben hat, welche seinem Supercommentator Mo tot wirklich zur Hand waren und die er durch (d. h. Recension) unterscheidet, indem er öfters eine „zweite Recension" citirt, auch bisweilen, ohne es zu sagen, anführt. Diese Abhandlung des Herrn R. ist für die Geschichte der biblischen Eregese von dem höchsten Interesse. Einige hinzugefügte Bemerkungen über Stellen aus A. E. können dies nur steigern. *) An diese schließt sich in Nro. 1? wür-; dig an, eine von Jakob Eichendaum (in Odessa?)! gegebene Erläuterung einer mathematischen Steve aus j Aden Esra's HD’' Absch. xr, welche bisher ganz mißi verstanden worden. (Forts, folgt.) p Nachrichten und Correspondenzen. li St. Gallen, H. Juni. Man hat oft den Juden vor-!! geworfen, daß sie nur consumiren, nicht aber probuciren, (was freilich häufig nicht anders sein kann, da., man ihnen!! noch heutzutage hin und wieder den Weg zu den gemein- 1 nützigen Gewerben versperrt, weil ihre christlichen . Mitbürger dadurch beeinträchtigt würden!), daß es für die Leser Ihrer Annalen nicht ohne Interesse sein dürfte, von einer israel. Gemeinde zu erfahren, bei der gewissermaßen durchweg das umgekehrte Verhältniß stattfindet, die nämlich offenbar Geld und Nahrung in's Land bringt, und j von der viele Mitbürger ihren Lebensunterhalt ziehen. Es ist die Gemeinde zu Hohenems. Sie bestehet großen Theils aus Kausieuten, die ihr Geschäft im Auslande haben,! und in ihrem Wohnorte, den sie scherzweise ihr Wirthshaus > nennen, nur den Ertrag verzehren. Die ausgebreiteten , Geschäftsunternehmungen dieser Landgemeinde sind in j der Thal bewunderungswürdig und vielleicht einzig in ihrer } Art. Den Haupthandelsarnkel machen die sogenannten Schwei- 1 zer-Waaren. Diese werben hier, wo sich die Chefs, in der J Regel jede Woche von Dienstag bis Freitag aufhalten, eini gekauft, und nach den italienischen Seeplätzen Triest, Venedig, Ancona und Livorno, auch nach Rom und Sinigaglia (zur Meßzeit), wo die Söhne oder fremde Commis sich befinden, versendet. Manche hatten oder haben auch Maaren« lager in Corfu, Constantinopel, Smyrna und Alexandrien. Erst kürzlich hat der Sohn eines dortigen Hauses, der lange! in Alexandrien gewesen, eine Handelsreise nach Algier unternommen, und ein Familienvater, der seinen altern Sohn! von Smyrna abgehvlt, sich von dort nach Constantinopel begeben, wo er einen jüngern Sohn lassen will. — Viele bc-! ziehen die Messen zu Leipzig rc. Andere versenden Voral- > *) Es wäre zu wünschen, daß andere theologische Zeitschriften sich einen Bericht über diese Materialien zu verschaffen suchten, wozu wir gern unsere Mitwirkung anbieten.