Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 25 (21.6.1839)
- Date
- 1839-06-21
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Versuch einer Nachbildung der hebräischen Dichtungen, mit Erläuterungen von Dr. Carl Krafft. Kohelet. Kap. Xll. 1—7. 1) An veinen Schöpfer denk' in deinen Jünglingstagen, Bevor die Tage nah'n des Leidens und der Klagen, Die Jahre, da du sprichst: daß sie dir nicht behagen! 2) Bevor sich Sonn' und Licht und Mond und Sterne bleichen. Und nach dem Regenguß sich neue Wolken zeigen; 3) Vor jenen Tagen, wenn des Hauses Wächter ') beben Und nur schlotternd sich die beiden Starken2) heben; | Wenn mühevoll ihr Werk die Müllerinnen2) üben,! Und wenn die Schauenden 4)’ sich in den Luken 5) trüben; 4) Wenn bann geschlossen sind die beiden Thüren außen 6) Und man die Mühle 7 *) hört allmählig dumpfer sausen;! Wenn selbst der zarte Laut des Dögeleins uns stört, | Und man nur leise noch des Liedes Töchter9) hört; - 5) Wenn man die Höhe scheut und bebt auf jedem Wege, Wenn grollt der Mandelbaum 9) und wird die Grille! träge; ,0) | Die Lust stirbt"); — denn bald wird des ew'genHauj ses Beute! Der Mensch und oben ziehn herum die Klageleute; — > 6) Es reißt die Silberschnur, ") die goldne Schaale fällt. Der Eimer bricht am Quell, das Rad 13) am Born zerschellt; 7) Und, wie er war, der Staub zurück zur Erde kehrt Und wiederkehrt der Geist zu Gott, der ihn beschert. Jüdische Dichtungen. Don vr. C. Krafft. 3. Fuchs und Wolf. Komm, spricht zum Wolf der Fuchs, ich will den Ort dir weisen. Wo du dich satt kannst speisen! Sie gehn zu einem Brunn, an dessen Rand Ein Holz, mit einem Seil umwunden, stand. ') Die Hände. ') Die Füße. 3) Die Zähne, im Hebr. weiblichen Geschlechts. «) Die Augen. 5) Augenhöhlen. ") Die Lippen. 7) Die Kauwerkzeuge. 6) Die Singvögel. 9) Treibt nicht mehr Blulhen. And. wann blüht der Mandelbaum, d. i. das Haar bleicht. And. wann Mandeln man verschmäht. 10 * *) Wann der einst so Rüstige u. Rührige von des Alters Last gedrückt ist And. > der Athem trage. **) And. nicht mehr die Kapper! wirkt (b. i. als Reizmittel); dann wird des Grabes B. ,2) An welcher der Oelkrug oder die goldene Schaale befestigt ist, welche sodann hcrabfällt und zerschmettert wird. Das Verlöschen der Lampe ist, wie die Zerstörung der Cisterne in d. folg. Zeile, Btld des Todes. u) Durch das der Eimer in die Cisterne hinabgelaffen und gefüllt wieder heraufgewunden wurde. An dem zwei Eimer hingen. Die wechselnd auf- und niedergingen. Der Fuchs steigt ein und hat den Grund erreicht, Jndeß herauf der untre Eimer steigt. Da spricht der Wolf: Warum bist du hinabgestiegen? „Weil Käse hier und Fleisch in Menge liegen!" Und zeigt im Wasser ihm des Mondes Scheibe Gleich einem Käselaibe. Wie komm ich, spricht der Wolf, hinab zu dir? „Im andern Eimer steig herab zu mir!" Er steigt hinein, er kömmt zur Tiefe nieder. Und aufwärts steigt der Fuchs dagegen wieder. Da sieht der Wolf sich hintergangen Und ruft: Wie will nun ich nach oben kommen? Drauf lacht der Fuchs: „Laß dich's nicht bangen; Denn der Gerechte wird der Noth entnommen!*) Talm. Sanhedr. f. 39 a 3. 1 ff. Rashi. Nachrichten und Correspondenzen. Luxemburg. Ans. Juni 1839. — In einer Zeit, wo dieß Großherzogthum in politischer Hinsicht vielfach besprochen wird, dürste ein Bericht über die israelitischen Angelegenheiten dieses Landes ebenfalls nicht ohne Interesse sein. Religionsfreiheit herrscht hier erst seit der französischen Occupation; bis dahin wurden keine Israeliten zugelaffen. Im Jahre 1809 etablirte sich in dieser Stadt Herr Isaak L a sa^r mit seiner Familie, und ihm folgte bald H. P. Godchaur, welcher nachmals sich um die Gemeinde-Angelegenheiten sehr verdient machte. Es zogen nämlich nach und nach mehrere Familien aus dem Elsaß, Lothringen und Rheinpreußen nach der Hauptstadt, so daß jetzt 44 Familien dahier wohnen. Während der französischen Herrschaft standen wir unter dem Consistorium zu Trier, und der erwähnte Herr P. G. leitete die Gemeindegeschäfte mit der größten Treue und Beharrlichkeit. Nach dem Frieden von 181S ward bei uns das König!. Holländische Reglement für israelitische Angelegenheiten eingeführt; dem Herrn P. G. wurden noch zwei angesehene und einsichtsvolle Gemeindeglieder, Herrn I. Lippmann und Herrn Abr. Cohen, beigegeben. Diese drei Männer richteten ihr Augenmerk auf Einführung einer zweckmäßigen Gemeindeordnung und Einrichtung eines ansprechenden Gottesdienstes. Dieser ward lange Zeit nur in einem Betzimmer 'abgehalten. Man fand endlich, durch die Bereitwilligkeit der zunehmenden Gemeinde, hinlängliche Mittel, um ein recht schönes Gotteshaus zu erbauen. Alles Uebrige ward zeitgemäß geordnet, und fand endlich sogar bei den benachbarten Gemeinden, welche jeder Neuerung entgegen waren, gebührenden Beifall. Doch hat man das früher abgeschaffte Versteigern der Funktionen, in Ermangelung anderweitiger Mittel, so manche Ausgabe zu decken, wieder einführen müssen. — Das Unterrichtsfach läßt noch viel *) Spruch. 11, 8.