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Israelitische Annalen · 1839-06-21 · Heft 25 (21.6.1839) · p. Seite 196

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 25 (21.6.1839)
Date
1839-06-21
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 über die Psalmen, Nr. 6 und IS der Sammlung. Wir haben bereits einen Auszug daraus, wie wir ihn durch briefliche Mittheilung vom Verfasser selbst erhielten, in Nr. 9 der Annalen mirgctheilt, und können nur nochmals auf die schön geschriebene und — ungeachtet der übereilten Urtheile einiger jünger» Gelehrten, welche das alles schon in Abn-Esra gelesen haben wollen —viel neues und treffendes enthaltende Arbeit verweisen. Es ist insbesondere erfreulich, daß der Vf. nicht, wie frühere Commentatoren, die christlichen Exegeten ignorirt, sondern vielmehr ihre Ansichten prüft und würdigt, und andern Forschern das Beispiel giebt, aller Einseitigkeit zu entsagen. — Weit wichtiger noch für die nähere Kenntniß der Literatur des Mittelalters sind Luzzato's Mitrheilungeu (Nr. 7.12. 14) aus einer Sammlung Gesänge und Lieder, die er selbst aus uralten Manuscripten abgeschrieben und wo es nöthig war, berichtigt und erklärt hat; sie gehören meist den berühmtesten Schriftstellern und Dichtern, zu deren Namen noch insbesondere ein Anonymus (Rapap o rr) historisch-kritische Bemerkungen beifügt. Sehr interessant ist die Beschreibung verschiedener Hymnen-Werke der Orientalen und der Berberei, welche auch historische Aufschlüsse über manche minder bekannte Personen enthält. Wir fügen für die Sachkenner, die diesem an sich sehr schwierigen Studium einige Aufmerksamkeit widmen, noch folgende Notiz bei. Im Jahre 1838 hat ein Deutscher (aus Frankfurt a. M.) in Constantine nach der Eroberung dieser Stadt durch die Franzosen, unter andern eine Handschrift Ritualgesänge daselbst gefunden, welche er als eine Merkwürdigkeit hierher sandte, und welche Herr Freiherr Carl von Rothschild für seine Privatbibliothek ankaufte. Wir verdanken der gefälligen Mittheilung desselben eine genauere Einsicht in diese Handschrift, welche wir hier kurz beschreiben wollen. Sie ist geschrieben im I. 1681 von Imanuel ben Gad aus ^’D? und enthält — es fehlt manches zu Anfänge und zu Ende — ziemlich vollständig die liturgischen Gesänge für Neujahr, Versöhnungstag und Wochenfest. Sie hat Lericonformat (hoch 4to.), und ist durchweg sauber und gut erhalten; die Schriftzüge nähern sich dem Rabdinischen mehr als der Quadratform. Die Punktation — selbst der aus der heiligen Schrift eingerückten Psalmen und Vorlesestücke ist nach dem Gehör — und zwar streng nach der por tugiesisch-berberischen Aussprache, also fast durchweg nur für Leute, die lediglich lesen können, nicht aber grammatische Kenntniß haben, eingerichtet; statt des Kamen fast immer ein Patach, statt Segol ein Zere u. s. f., und nur dann stehen jene, wenn sie einen eigenthümlichen Laut hgben; daS Chatuph ist gar nicht vorhanden, dafür steht nur der Vokal. In denjenigen Stücken, die mit dem diesseitigen Rituale gleich lauten, finden sich überaus viele Varianten, mitunter schönere Lesarten. An sehr vielen Stellen sind Hymnen zwischen-geschoben. Viele sind bezeichnet mit derUeberschrift7,2^2(Gebet); nilfin(Einleitung) -pno (?) pötD (Psalm), in dem Gebet fast immer lpt2» 7V>7t£i sehr oft;n-o bü (derSchluß, Ausgang?); ferner rmn I TltSim» 2\S*:inDD fast bei jeder Seliclm. — Die Namen der Verf. sind fast alle dieselben, welche Luzzato anführt. — Als Besonderheiten bemerken wir, daß der Gesang am 1. Neujahrstage alphabetisch ganz vollständig abwechselnd mit pnj* durchgeführt ist; eben so am zweiten Neujahrstage bj "Jbüi gegen -^71 Don ppn rorül natürlich gar nichts. — Am Dersötmungstage sind besonders viele diesseit unbekannte Gesänge, meist von Mose b. Jakob und Abraham b. Esra. Zum Wochenfeste findet sich bei demTerte der 10 Gebote die chaldäischeUebersezzung beigesetzt, und dann hinterher vor der Haphtara ein sehr interessantes chaldäisches strophisches allegorisches Gedicht zum Theil in Reimen verfaßt, welches so beginnt: „Die Himmel sangen als der Herr die Tochter Jakobs sich verlobte und erlösete rc." und es werden dann alle die Geschenke, welche ihr der Bräutigam gab, symbolisch beschrieben — recht hübsch. Wer mag diese Erzählung verfaßt haben? — Eingerückt sind ferner Gesetz-Verse (rvnTITN) von einem Petit zu Bayonne wohnhaft, anderwo Mal (r?) Petit aus Nimes genannt. — (Forts, folgt.) Uebersicht der Neu-Hebräischen Literatur weltlichen Inhalts in Prosa und Versen. Von Leopold D u k es. II. Fabel. (Fortsetzung von Nr. 17.) „Das Werk, woraus dieses Büchlein entnommen ist, sagt der Vf. in der Vorrede, besteht aus 51 kleinen Schriften, woraus man ein Ganzes gemacht hat. Alle Wissenschaften werden darin berührt. Die Darstellung ist leicht, überall mit Beispielen versehen, doch sind diese nicht zahlreich. Alles, was den frühern und syätern Philosophen bis zu jener Zeit klar geworden, und was irgend eine Sekte der arabischen Gelehrten anerkannt hat, und viele Lehrsätze, deren Urheber man theilweise nicht kennt, findet man hier, und zwar anonym verzeichnet. Ich glaube die Ursache davon ist, weil sie oft mit ihrer geoffenbarten Religion im Streite liegen, und bei vielen Dingen einen eigenen philosophischen Weg einschlagen, so # daß nicht eine einzige Abhandlung ist, wo nicht Verschiedenheit der Meinung herrscht, außer in mathematischen Materien. Dieses Werk veranlaßte viele Streitigkeiten unter den

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