Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 24 (14.6.1839)
- Date
- 1839-06-14
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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190 In Straßburg selbst ist eine sehr schöne und große Synagoge, nach dem Style der zu München erbaut. Commissarc mit dreifarbigen Bändern geziert, sind sehr geschäftig. Rübe und Ordnung im Golleshause zu erhalten. Alles laure Sprechen ist streng untersagt. Rabbiner und Vorsänger tragen ihr Ornat; die Form des Ornates selbst ist von Seiten der Regierung vorgeschrieben und daher in allen israel. Gemeinden Frankreichs gleich. Im Uebrigen sind die Gebete und Gebräuche ganz wie in Deutschland. Seit einiger Zeit besteht in der Synagoge ein kleiner, d. h. schwacher Chor; die Gesänge sind dieselben, wie in der Münchner Synagoge. Auch das Versteigern der Funktionen ist hier abgeschaffr, was in Elsaß schon viel sogen will. Selbst im aufgeklärten Paris wird im 'l'emple des israelites noch diese Versteigerung geübt. Ucbrigens könnte gar Vieles geschehen, wenn der Oberrabdiner des Consistoriums zu Paris sich der israel. Verhältnisse kräftiger annehmen wollte. Die Consistoire-Raddiner, die viel Gutes wirken könnten, sind meist junge Männer, von denen man freilich erwarten sollte, daß sie die Angelegenheiten ihrer Gemeinden mit Kraft, Ausdauer und Liebe bearbeiten sollten; doch sie verhalten sich ruhig. Worauf wohl warten diese Männer, wenn sie es redlich mit threm Daterlande meinen? Bis sie älter werden, an Einsicht gewinnen und ihnen die Lust zur Arbeit vergeht? Wohl erheben sich zuweilen Stimmen im Lande selbst, die die Schlummernden erwecken sollen, aber gewöhnlich sind sie zu schroff und fruchten dadurch gar nichts. Die Briefe des Tsarphati sind auch in Deutschland bekannt geworden. Aus Rheinpreußen. — Briefe aus dieser Gegend schildern uns die Zustände der Synagoge und Schule als noch wenig entwickelt. Das Streben ist vorhanden, aber es fehlt noch an gediegenen Talenten und gehöriger Kraft. So manche sociale Verhältnisse scheinen sich auch noch wenig gebessert zu haben, denn jüngst ward bet Bestattung einer Iudenleiche in M. von Seiten der christlichen Schuljugend ein so arger Unfug getrieben, daß man es für nörhig fand, darüber an die Stadtbehörde zu berichten und für die Folge den Schutz der Gesetze anzusprechen. — Was nun die innern Angelegenheiten betrifft, so hat man bereits wiederholentlich versucht, deutsche Reden in den Synagogen zu halten, die selbst bei den Mängeln der Beredsamkeit guten Eindruck machten. Die Schulen sind noch nicht sehr gefördert und bedürfen starker Nachhülfe von oben. In Merzig besteht eine Schule von 40 Kindern, unter der Leitung eines, in der Anstalt des würdigen Dr. Haindorff zu Münster gebildeten Lehrers, welcher 4mal die Woche täglich 6 — 7 Stunden und 2mal nur Vormittags unterrichtet. Klarheit des Zieles und sicherer Gang werden noch vermißt. Eine Prüfung zeigte jüngst nur Fortschritte in der Kenntniß vaterländischer Geschichte; alles übrige befriedigte nicht. Getadelt muß werden, daß nur eine Stunde wöchentlich auf Religionsunterricht verwendet wird. Die Erwachsenen haben einen Verein gebildet, um sich in den Religionsquellen zu unterrichten. Ein Mitglied trägt die Propheten, die Sprüche der Väter u. dergl. vor. Em anderer Verein repetirt den Talmud und die Bibel. — Uebrigens wird in Merzig jetzt zum Bau einer Synagoge gesammelt, nach deren Errichiung die alle in ein Schullokak verwandelt werden soll. Die Behörden fördern daS Werk sehr thätig. Mehrere Individuen in Merzig haben sich dem von Hrn. M. Heß in Trier gestifteten Lescoerein angeschloffen, welcher die bessern Volks- und Zeitschriften auch auf dem Lande verbreitet, was ohne Zweifel viel Gutes bewirken wird. Von andern Orten ist noch Folgendes zu bemerken. In Neuenkirchen wohnen 20 Israeliten; die Schulkinder sind ohne Rcligionslehrer; eben so in Spiesen, eine halbe Stunde davon. In Saarlouis richtet man die ganze Aufmerksamkeit auf ein wenig Französisch. Auch in Saarbrücken geschieht nichts für Religionsunterricht. Die Schwierigkeit liegt meist in Mangel an Geldmitteln, ein Umstand, welcher die Landgemeinden fast überall nöthigt, das Vorsänger- und Schächter-Amt mit dem des Religionslehrers zu verbinden. In unsrer Gegend wird selbst dieses allerdings widrige Auskunftsmittel unmöglich, indem der Groß- Rabbiner seinen Vortheil dabei findet, vielen Schächtern die Befugniß gegen gute Bezahlung zu ertheilen, und somit die Einkünfte, welche einen Lehrer erhalten könnten, zerstreuet werden. Dadurch fehlt es am Wesentlichsten. Der Erfolg für die Sittlichkeit kann kein erfreulicher sein, wenn die Behörden nicht einschreilen und denen Beistand leisten, welche das Gute wollen. Amsterdam. — Am Mittwoch den 29. Mai feierte die Israelitische Niederländisch-Portugiesische Armenichule dahier bas 25. Stiftungsjahr, zugleich mit der öffentlichen Prüfung und Preisvertheilung an die Lehrlinge. Eine große Menge Depulirle anderer Stiftungen war anwesend und erhohete die Feierlichkeit. Diese ward durch einen schönen Choral eröffnet; hierauf gab Herr I. Mendes de Leon, als Mitglied des Vorstandes, eine Uebersicht der Leistungen dieser Anstalt seit ihrer Gründung im Jahr 1814. — Die Zahl aller aufgenommenen Schüler belief sich in diesem Zeiträume auf 1120, und ausgeschrieben sind von diesen wieder 873. wovon 68 Mädchen noch in den Unterrictüsunb Arbeitsschulen angebracht sind. — Aus dem Vortrage ergab sich, wie sehr viel für Geistesentwickelung und religiöse Bildung der Schüler dieser Anstalt geschehen sei. — Angemessene Gesänge, von Herrn I. M. Ca lisch gedichtet und von Herrn O. Praeger in Musik gefetzt, wurden mit der größten Präcision von den Schülern ausgeführt und erfreueten sich des allgemeinen Beifalles. Alsdann nahm der Präses des Vorstandes, Herr R. A. Mendes da Costa, die Preisvertheilung vor; die fleißigen Knaben erhielten hübsche Bücher, und ältere, bereits früher ausgeschiebene Jünglinge, silberne U'oren; einige Mädchen erhielten SMeeren mit silbernen Kettchen und Haken; und darauf hielt derselbe eine eindringliche Rede an die anwesende Versammlung. Nach einem kurzen Gebete, womit er seine Rebe beschloß, wurden von den Schülern der Anstalt noch verschiedene Volkslieder gesungen. — Die ganze Feierlichkeit hat einen schönen Eindruck zurückgelassen. *) *) Die so eben eingegangene Broschüre: »et Amsterdamsclie Opper-ßabbinaat, so wie einen Bericht ausLuemburg, muffen wir für die nächste Nummer Vorbehalten.