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Israelitische Annalen · 1839-06-07 · Heft 23 (7.6.1839) · p. Seite 182

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 23 (7.6.1839)
Date
1839-06-07
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 sich die Krankenverpfiegungsanstalt in einem abgesonderten Lokal des allgemeinen Bürgerhospitals, ganz nach jüdischer Weise. — Vor einiger Zeit hat hier der wohlthätige Herr S. Zurkan ein Haus im Werthe von 6000 fl. zur Auf. nähme alter Männer geschenkt, und die verewigte Frau Wittwe Lehmans durch testamentarische Verfügung eine ansehnliche Summe zur Einrichtung dieses Hauses vermacht. Man darf also hoffen, daß auch hier bald eine schöne Stiftung zur Verpflegung alter Leute dastehn werde. Ein anderer Beweis der Fürsorge der Regierung für das Armenwesen der Israeliten ist Folgendes: Zur Abstellung der Bettelei in Holland im Allgemeinen hat man seit Jahren durch milde Beiträge Cvlonien gestiftet, als zu Willemsoord, Frederiksoord.' Veenhuisen und Ommerschotts (Provinz Drenthe); diese Cvlonien stehen unter der Aufsicht einer Gesellschaft, deren Vorsteher Sr. königl. Hoheit der Prinz Friedrich ist. Man kann theils freiwillig sich in die Cvlonien begeben, theils wird man dazu gezwungen. In die fteiwilligen Cvlonien gehen alle die, deren Stand nicht so viel Mittel darbietet, um davon zu bestehen; sie bekommen dann in den Cvlonien Wohnung, Land, Kühe rc. als Darlehen, um solches vom Ertrage ihrer Arbeit abzuzahlen. In die andere kommen Waisen und Bettler. Diese werden von den städtischen Beamten hingesendet, welche dafür der Gesellschaft eine jährliche Summe für den Kopf bezahlen, und die dort Landleute, Kanten-Spinner und andere Arbeiter werden. Elternlose Kinder werden nach einer gewissen Zahl von Jahren wieder entlassen. Wie heilsam diese Einrichtungen sind, und wie viel sie zur Abstellung der Bettelei deigetragen haben, so haben sie doch bei den Israeliten keinen großen Erfolg gehabt. Dieß hatte seinen Grund darin, daß sie in den Cvlonien nicht nach den Vorschriften der Religion leben, keinen Gottesdienst besuchen und keinen Religionsunterricht erhalten konnten. Die Vorsteher selbst wirkten daher mehr dagegen als dafiir, und bestärkten somit eher die Bettelei, anstatt ihr zu steuern. In der freien Colonie Willemsoord, bei dem Städtchen Steenwyk, wo eine jüdische Gemeinde ist, haben sich einige jüdische Haushaltungen angesiedelt. Vor zwei Jahren hat die Regierung auf ihre Kosten zu Willemsoord ein Kirchen- und Schulgebäude mit Wohnung für den Lehrer bauen lassen, und einen Israeliten dort angestellt, der als Vorsänger, Schächter und Jugendlehrer zu fungiren hat. Dasselbe soll dieß Jahr in der Zwangs-Colonie Veenhuisen geschehen. Späterhin haben wir vielleicht Gelegenheit ein mehreres überden Fortgang dieser Cvlonien zu berichten. Für's Erste genügt es zu wissen, wie sehr die Regierung geneigt ist, allen Uebelständen abzuhelfen, und wie sie mit vielen Opfern einen bessern Zustand herbeizuführen sucht, und es steht zu hoffen, daß die Vorstände der Gemeinden ihr die Hand bieten, und zu so edeln Zwecken kräftig milzuwirken sich bereit finden werden. Paris, 18. Mai. — Wie emancipirte Israeliten fühlen, Handeln und sich aussprechen, bewährt sich wiederum an einem Beispiele, dessen Veranlassung wir fteilich bedauern müssen. Sie finden die Nachricht von der Bestattung eines israelitischen Militärs, welcher am 12. in der Ausübung seiner Pflicht seine ehrenvolle Laufbahn beschloß, im Journal des Debats von heute. — (Wir setzen den denkwürdigen Bericht in getreuer Uebertragung hierher): Gestern warb die Leiche des Theodor Jonas, Wachtmeister bei der Municipalgarde zu Paris, welcher in den Unruhen am 12 d. an der Spitze seiner Abtheilung in der Arcisstraße getöbtet ward, derselbe, dessen Pferd General Duchand bestieg, um sein Cvmmando zu übernehmen, bestattet. Nach einer trefflichen Rede, in welcher ein Waffengefährte des Jonas im Namen aller andern Kameraden ihm gebührendes Lob spendete und seinen Tod betrauerte, sprach (ein Israelit) Herr C., Seeretär der Wohlthätigkeits- und Hülfleistungsgesellschaft, deren Mitglied Jonas war, folgende Worte aus dem Stegereif: „Brüder! Sie haben so eben vernommen, welche Tugenden und militärischen Verdienste der Freund besaß, dessen Hintritt wir beweinen. Dreißig Dienstjahre, neunzehn Feldzüge nach allen Kampfplätzen Europa's, viele Wunden, ein von Massen« empfangenes Ehren-Gewehr, und das im Jahr 1804 bei Bologna aus der Hand des Kaisers empfangene Tapferkeits-Kreuz, das sind die Auszeichnungen des Kriegers; aber Jonas war nicht bloß ein guter und getreuer Kriegsmann, sondern auch ein wackerer Bürger und ein milbthätiger Israelit, und Alle, die ihn gekannt haben, rühmen seine Güte und Gemüthlichkeit. Als Mitglied der wohlthätigen Gesellschaft: „die Freunde der Humanität" opferte er von seinem mäßigen Solde einen monatlichen Beitrag, und selbst arm, half er die Armen und Unglücklichen unterstützen. Heil und Ehre dir, Jonas! Als Krieger kämpftest du tapfer für das Vaterland auf dem Schlachtfelde; als Bürger starbst du in der Vertheidigung der Gesetze; du gehörst in die Zahl derer, die wir mit Stolz unsern Freunden und Feinden zeigen! Unsern Freunden, als Beweis, daß wir der Rechte, welche die glorreichen Revolutionen von 1789 und 1830 uns eingeräumt haben, würdig sind, und sie zu verdienen wissen; unsern Feinden, den Unwissenden und Fanatischen, welche anderswo unsern Religionsbrübcrn noch jene Rechte absprechen, die heiligen unveräußerlichen Naturrechte, die wir von Gott haben, die der Gleichheit vor dem Gesetze, welche nur die Ungerechtigkeit denen versagen kann, die weiter nichts verlangen, als gute und nützliche Bürger zu sein! Jonas, dein Herz war edel und großmüthig, deine Seele wird groß und erhaben sein. Vor dem Throne des Ewigen wirst du Vergebung erflehen für die, welche dir Böses gethan haben, um Gnade wirst du beten für die, welche in ihrer Verirrung den Frieden der Stadt gestört, und Ströme unschuldigen Blutes vergossen oder dazu Anlaß gegeben haben; du wirst Gott anflehen, den Sinn der Bösen umzulenken. Wir aber, wir werben deinen Tod rächen! aber

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