Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 21 (24.5.1839)
- Date
- 1839-05-24
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 merkantilische Treiben der Levante bedeutend verstärkten, wie wir davon noch urkundliche Zeugnisse haben, andrerseits durch ihre Gelehrsamkeit und ihr unermüdliches Streben nach Erlangung und Verbreitung tüchtiger Kenntnisse in der jüdischen Theologie viele Schüler anzogen und ausftellten, zumal dort ihren Studien durchaus kein Hinderniß in den Weg gelegt ward. Alkes dieß hatte aber auch noch einen für die Juden weit wichtiger« Erfolg, nämlich dadurch, daß cs ihnen ein neues Vaterland schuf, während ihnen das Schicksal bevorftand, ganze Länder räumen zu müssen. Die Eroberung Conftantinopels durch die Türken und die Ausbreitung der türkischen Macht in Europa erleichterte ihnen den Zutritt noch mehr, wie wir dieß in der Geschichte der Israeliten (VH) genügend nachgewiesen haben. Wir geben hier nur noch eine kurze Uebersicht der Leistungen verschiedener Männer, deren Andenken in der Geschichte aufbewahrt zu werden verdient, so weit uns ihr Wirken bekannt geworden. Eine nähere Untersuchung der Ereignisse jener sehr denkwürdigen Zeit wird gewiß noch viele Nachträge herbeiführen. In der zweiten Hälfte des 14ten Jahrhunderts stand an der Spitze der Rabbaniten zu Conftantinopel Mose, der Grieche zubenannt, ein Mann von Geist und Gelehrsamkeit, auf dessen Erklärungen biblischer Stellen sich der Commcntar des Mordochai Comtimo*) häufig beruft. Er wechselte viele Briefe mit Juda, der Deutsche zubenannt, einem angesehenen Mann, der aus Deutschland eingewandert war'und sich auf Kandia angesiedelt hatte. Von des Letztern drei Söhnen machte sich einer, Namens Abba, (der Aeltcre genannt) um die dortige Gemeinde Durch Erbauung einer Synagoge, welche den Namen Alemanke (Deutsche) erhielt und Ausstattung derselben mir schönen Gesetz- *) Dieser Comm. führt den Titel ©yi , und ward beendet 1460. Vergl. ve Rossi s. Y., wo auch seine übrigen zahlreichen Schriften angeführt sind, die sich in verschiedenen Bibliotheken befinden. Wenn er aber sagt, dessen Schriften über 'D und -[n.vn 'D souo iD~ teramente scoaosciuti, so ist das unrichtig, denn Herr Dr. Carmoly besitzt beide und bemerkt insbesondere, daß der Verf. bas Erstgenannte einem seiner Schüler zu Liebe geschrieben habe, wie aus der Vorrede zu ersehen sei. rollen und reichlichen Geschenken verdient, so wie er überhaupt viele prächtige Häuser erbaut haben soll. Ein anderer Sohn, Schemarjah, nicht mit oben Erwähntem zu verwechseln, erwarb sich einen Namen als Gelehrter, und war Rabbiner in Kandia (wie aus einer Handschrift zu Paris vibl. Orat. 110 erhellt) im Jahr 1402. Aus Katalonien wanderte im Jahr 1410 nach Conftantinopel Hanoch Saporta, ein Mann von sehr angesehener Familie und von großer Gelehrsamkeit. Er eröffnete eine Schule, welche sich eines zahlreichen Besuches erfreuete. Rabbaniten und Karaiten strömten zu ihm, um sich bei ihm auszubilden. Diese Freiheit des Unterrichts beweist am Besten, wie weit die Juden der Hauptstadt in der Humanität vorgerückt waren. Die arge Feindseligkeit zwischen dem Hauptftamm und den Sectirern hatte völlig nachgelassen; die Wissenschaft kümmerte sich nicht um die Verschiedenheit der Lebensgrundsätze. Erst nach einiger Zeit trat wieder eine Reaction ein, weil manche es mit ihrem Gewissen nicht verantworten konnten, daß man Secrirer unterrichten sollte. Das darf nicht befremden. So oft die Humanität eine Zcitlang versöhnlich gewirkt hat, finden sich immer wieder Zeloten ein, welchen der Friede nicht Beschäftigung genug giebt, und suchen den Eifer wieder züent stammen und zu unterhalten. Eben dahin wanderte Eliah Levi aus Wien, wo sein Vater Mose ebenfalls als berühmter Lehrer wirkte. Beide sind besonders bekannt durch ihre Theilnahme an verschiedenen Verhandlungen. Der Vater nämlich wird erwähnt in der Fehde, welche in Frankreich gegen Jochanan B. Mathatia sich erhoben halte (I. B. Scheschcth, Rcchksgutachten 271) und welche vielen Schriftwechsel erzeugte, und hat auch einiges über des Mose von Cvzzo Gesetzsammlung geschrieben, und der Sohn erregte durch verschiedene Neuerungen, die er in Griechenland in gottesdienstlichen Sachen durchsetzen wollte, den kräftigen Widerstand des Mose Koani auf Kandia , im Jahr 1430. *) Der Sohn des Letztern, Schabthai Koani begab sich im I. 1440 von Conftantinopel nach Jerusalem. Neben der rabbinischen Literatur ward die *) Welches Jahr letzterer witzig mit den Worten yp px FTP 'Hin1? bezeichnet.