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Israelitische Annalen · 1839-05-17 · Heft 20 (17.5.1839) · p. Seite 157

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 20 (17.5.1839)
Date
1839-05-17
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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157 sie absurd, und Sie werden doch nicht fordern wollen, daß sie dieselben, auf das Ansehen des Newton hin, und ohne durch ihren eigenen Verstand davon überzeugt worden zu sein, als wahr anerkennen sollen. Von der andern Seite ist die große Frage über die Wahrheit der Offenbarung durch so viele Jahrhunderte und von so vielen tüchtigen Schriftstellern behandelt und von allen Seiten geprüft worden, daß weder Ihnen noch mir übrig bleiben kann, ganz neue und bis heutigen Tages unbekannte Beweise vorzubringen. Ja, liebster Freund, die Bekehrung eines Rationalisten ist eine verzweifelte Unternehmung. Sie haben vielleicht nie den Versuch gemacht: ich beschäftige mich damit schon seit vielen Jahren, und es ist mir nicht geglückt, auch nur eine einzige zu Stande zu bringen. Wohl ist es mir gelungen. Einen und den Andern vom Atheismus zum Deismus zurückzuführen; allein vom Deismus zur Annahme einer geoffenbarten Religion noch nie. Ich bringe die Dinge vor, wie sie sind, weil ich weder mich noch andere gern täusche. Es sind zwanzig Jahre her, daß ich mein Jahrhundert wenig oder gar nicht kannte, und weil das Zeitalter nicht so beschaffen war, wie es heute ist, so unternahm ich die Dertheibigung des Judenthums in einem Werke, betitelt: min nm3 und schrieb schon damals viele und wichtige Kapitel desselben nieder. Allein so wie ich diejenigen mehr in der Nähe kennen lernte, für welche die Schrift bestimmt war, überzeugte ich mich von der Fruchtlosigkeit jenes Werkes (wenigstens für solche Zeiten) und von der großen Gefahr, die für Manche aus dieser Schrift entspringen könnte. Es stand nämlich zu befürchten, daß diese Schrift, weit entfernt die Ungläubigen zu überzeugen, vielmehr die Gläubigen wankend machen werde, und dieß wegen verschiedener zwar nicht nothwendigen, aber doch unschädlichen Glaubensmeinungen, die man im Streite mit den Rationalisten aufgeben müßte. (Schluß folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Triest. — (Schluß.) Das py] geschiehtganz anders als in Deutschland. Nur einer und zwar der Aelteste singt, die Uebrigen stehen still dabei. Der Vorsänger spricht vor, und er spricht sogleich nach und singt alsdann dazu, also umgekehrt. Sobald die Ko Han im vor die Lade treten, sammeln sich alle Söhne und Enkel, Erwachsene wie Kinder, unter das Talith des Vaters, welcher dasselbe über alle deckt, dis der Segenspruch vollendet ist; worauf wieder Handkuß. Diese Sitte war anfangs gewiß nur gegen neugierige Kinder eingeführt, die man äbhalten wollte, die Priester anzuschauen; nachmals ward sie, wie so manche religiösen Gebräuche, weiter ausgedehnt. Ost reicht das Tuch nicht aus, die ganze Familie zu decken. — Mädchen sind vom Gottesdienste ausgeschlossen. Damit aber das weibliche Geschlecht nicht aller Erbauung entbehre, hält der Morenu (Rabbiner) alle 14 Tage am Saddath einen religiösen Vortrag, zu welchem auch junge Mädchen zugelassen werden. Auch über gesetzliche Dinge herrschen hier bedeutend abweichende Ansichten. Am Pesachfeste genießt man hier ohne Anstand Hülsenfrüchte und insbesondere Reiß, was bei den deutschen Israeliten verpönt ist. Ja, man bereitet aus dem zu Osterkuchen bestimmten Waizenmehl allerlei Gebäcke, welche den Mangel des gesäuerten Brvdes kaum verspüren lassen. Man verfertigt eine Art Kondom, die durch Eier bis zur Höhe zweier Fäuste getrieben werden, und delicat schmecken, und viele ähnliche schöne Sachen, die der deutsche Israelit stehen lassen müßte. Zum Schluffe noch einige allgemeine Bemerkungen über den religiösen Sinn dxr italienischen Israeliten. Wie das ganze Leben des Italieners viel Poetisches enthält, so findet sich dies italienische Element auch hier. Es fehlt bei den Israeliten, wie in Italien überhaupt, an Philosophie und Philosophen in dem Sinn, wie man anderswo diese Bezeichnungen anwendet, und eben so auch an eigentlicher Geschichtsforschung. Keine abstrakte Verstandesreligion wird jemals in den warmen Herzen der Italiener sich geltend machen. Die freundüche Frische der Anschauung läßt nicht die alten herkömmlichen Satzungen aussterben, sondern giedt der äußern Uebung immer wieder ein neues, munteres Leben. Daher wird auch eine übrigens wünsch enswerthe Regeneration der religiösen Verhältnisse der Israeliten schwierig. Doch ist sie nicht unmöglich, und zwar in dem einen Falle nicht unmöglich, wenn alles Neue sich durch schöne Form und gemüthliche Kraft anempfiehlt. Diese allein gewinnen die Herzen, und schlagen in denselben leicht Wurzel. Der wissenschaftliche Weg dürste also gar nicht geeignet sein, um zu einer Veränderung der religiösen Institute zu gelangen, sondern vielmehr der ästhetische und lebendig factische, mittelst Auffassung alles dessen, was die fortgeschrittenen Ansichten Schönes fordern und ansprechend praktisch einzuführen gestatten. Eine Reihe anderer Mittheilungen sollen bald Nachfolgen. Bamberg, 30. April. — Besondere Vorfälle von öffentlichem Interesse ereignen sich hier selten, und mit rein lokalen Dingen wollen Sie Ihre Leser nicht unterhalten. Dennoch kann ich nicht umhin. Ihnen über eiuig? Angelegenheiten zu berichten, wäre es auch nur, UG.vorherrschende Uebelstände zur Sprache zu bringen, Mvit sie abgestellt werben. Es giedt ohne Zweifel ähnliche.Mißbräuche an andern Orten, und somit gewinnt deren Erörterung eben so wohl an Theilnahme, wie an Wichtigkeit. — Im Allgemeinen ist hier alles beim Alten. Herr Rabbiner Rofenfeld (achtbar bekannt durch verschiedene literarische Produktionen zur Volksbelehrung) predigt im Sommersemester alle 14 Tage einmal und laßt sich dabei auch manchmal von dem Rabbinatskandidaten Klein ablösen, einem Mann übrigens, welcher sowohl in wissenschaftlicher als in religiös-moralischer Hinsicht alle Achtung verdient. (Allerdings befremdlich, daß. der Winter so ganz und gar ohne ein Wort der Belehrung, Tröstung und Erwärmung dahingeht!) Sonst sieht es in der Synagoge etwa wie vor .50 Jahren, vielleicht wie vor 309 Jahren aus. Man spricht

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