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Israelitische Annalen · 1839-05-17 · Heft 20 (17.5.1839) · p. Seite 156

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 20 (17.5.1839)
Date
1839-05-17
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 zieht er eine große Menge Namen und Schriften an, welche anderweitig gar nicht bekannt sind. Er bekämpft insbesondere sehr stark die Karaiten, namentlich in der Ittten Einleitung, wo von dem mündlichen Gesetz die Rede ist, und wo er unter andern sagt: „David Kimchi, seligen Andenkens, hat in seinem Werke Maaloth (Stufen) diese S a dducaer, welche sich achte Abkömmlinge Jakobs nennen, um viele Stufen heruntergebrachr. Wahrlich! ich nehme Anstand, seine Worte hierher zu scheu, besorgend, daß der große Haufe solche zu ihrer Geringschätzung mißbrauchen möchte!" (Eine edle Besorgniß, welche aus achter Religiosität stießt und auch in neuerer Zeit von Schriftstellern, die einander bekämpfen, wohl zu beherzigen wäre!) — Daß damals gerade der Streit gegen die Karaiten lebhaft ward, hat seinen Grund in der Höhe der Bildung, welche diese in Conftantinopel erreicht hatten, und in der Menge und Gediegenheit ihrer Schriften: Wir haben schon — in dem Artikel — Lehre der Karaiten — mehrere, besonders Joseph, und den zweiten Ahron, (beide starben 1369) erwähnt, sehr viele Gelehrten-Namen finden sich ausserdem in des letzter» vortrefflichen Werken. (Schluß folgt.) Briefwechsel über religiöse Zustände. 3. S. D. Luzzato an I. Reggio. Padua, den 2t. Februar 1839. Es beftemdet Sie, mein liebster Freund, lvie ich den Zwiespalt, der sich heut zu Tage unter unfern Glaubensgenossen entsponnen hat, so glattweg für einen Streit zwischen dem Rationalismus und Supernaturalismus erkläre; und Sie behaupten, daß man die getreuen Israeliten, da sie keine über die menschliche Vernunft gestellte Autorität anerkeunen, wohl nicht Supernaturalisten nennen dürfe. — Mein Freund! ich gebrauche die zwei Ausdrücke: Supernaturalismus, und Rationalismus, um den Glauben oder Nichtglauben an eine geoffenbarte Religion zu bezeichnen. Im Christenthume, in welchem der Glaube ein Hauptgrundsatz ist, konnte der Unglaube Rationalismus genannt werden, indem ja eben der Grundsatz, bei unsem Urtheilen keiner andern Norm zu folgen, als der, welche uns die menschliche Vernunft vorschreibt, in sich die Entsagung des Glaubens enthält, und somit eine Abtrünnigkeit — einen Unglauben. Das treue Glauben hingegen durfte wohl Supernaturalismus genannt werden, als etwas, so sich ganz auf eine übernatürliche Erleuchtung stützet. ImJudenthume hingegen, welches nicht das Glauben religiöser Wahrheiten, sondern nur die Annahme gewisser Lebensregeln bestehlt, drückt der Name: „Rationalismus" der» Unglauben nicht genau aus, indem Einer (wie es bei mir und Ihnen wirklich der Fall ist) ungeachtet des Bekenntnisses, daß er in feinen Urtheilen nur den Forderungen der Vernunft folge, dennoch ein getreuer Israelit sein kann. Nichtsdestoweniger liebe ich's, statt der gehässigen Ausdrücke: „Unglaube, falscher Glaube, Ketzerey" (Ausdrücke, welche die Unduldsamkeit diktirt HM) mich des gebräuchlichen Namens Rationalismus zu bedienen, unter welcher Benennung ich die Sehre verstehe, nach welcher der Mensch nie ein anderes Licht, einen andern Leiter, ein anderes Gesetz, gehabt haben soll, als seine Vernunft. Ich nenne ferner dem Glauben an das geoffenbarte Judenthum, Supernaturalismus, nicht im Sinne der die Denkfteiheit beschränkenden Lehre, aber wohl im Sinne der Lehre, welche Uebernatürliches, d, i. solches, zuläßt, was gegen die gewöhnliche Ordnung der Natur geschieht, wie es die Wunder und die Offenbarung sind- Nachdem nun einmal die Bedeutung festgesetzt ist, die ich den beiden Namen: Rationalismus und Supernaturalismus gebe, behaupte ich, daß der Streit, der in unsem Tagen die gelehrten Israeliten Europens, und insbesondere Deutschlands, trennt, bezüglich der Verbindlichkeit der Ceremonialgesetze, blos ein sekundärer Streit sei, nehmlich ein Ausfluß des Hauptstreites zwischen dem Rationalismus und Supernaturalismus. Ich sage, daß ein jeder, welcher eine Offenbarung zugibt, Moses als wahren Propheten anerkennt, und den Gesetzen des Pentateuchs eMen göttlichen übernatürlichen Ursprung zuschreibt, die Verbindlichkeit derselben fiir alle Zeiten und für alle Oerter gar nicht in Zweifel ziehen kann; man nehme nur jene aus, die unter der Bezeichnung „Palästinen anhängende" bekannt sind, und etliche andere einzelne Anordnungen, wie es denn vermögeder gegenwärtigen Lage der Dinge unausweichlich nothwendig geworden, einer Lage, die so ganz verschieden ist von der zu Mosis Zeiten; man gestatte auch noch die so bekannte Ausnahme im Falle der Lebensgefahr. Ich behaupte ferner, daß jeWr von der Göttlichkeit der altväterlichen Religion überzeugte Israelit sich von der Entscheidung MendelsohnS um kein Haar breit entfernen kann, der da sagt: „Es ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zu erforschen; allein unsere Vernünftelei kann uns nicht von »dem strengen Gehorsam befreienr-den wir dem Gesetze schuldig sind." Eben deßhalb ist derjenige in meinen Augen ein Rationalist, der die Nichtverbindlichkeit der Ceremonialgesetze in diesen Zeiten vertheidigt und annimmt, so wie des Sabbats, des ungesäuerten Brodes u. dgl.; und die Bekehrung eines solchen Manschen zum supernaturalistischen Iudenthum steht sehr wenig zu hoffen. Sie haben leicht sagen, das Iudenthum enthalte kein der Vernunft zuwiderlaufendes Dogma. Der Ration«, list antwortet Ihnen, daß eine Offenbarung und die Wunder seiner Vernunft zuwider sind. Es ist wahr, daß sie es dem Bacv von Verulam und dem Newton nicht so geschienen haben; allein die Rationalisten unseres Jahrhunderts, finden

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