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Israelitische Annalen · 1839-05-17 · Heft 20 (17.5.1839) · p. Seite 155

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 20 (17.5.1839)
Date
1839-05-17
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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155 Prag Bl. 8 6.) Dieser Gelehrte erklärt sogar die practische Physiognomik, womit er auch die Kunst, aus den Falten und Runzeln der Haut das Innere des Menschen, vielleicht auch seine Neigungen und muthmaßlichen Schicksale zu erkennen, bezeichnet, für eine alte und wahre Wissenschaft! — Man darf nicht annehmen, daß dergleichen Gaukeleien, wie es deren auch in spälern Zeiten und in andern Ländern immer gegeben hat, und die selbst manchen erleuchteten Kopf an;den menschlichen Kräften irre machten, etwa den großen Haufen bethört hätten; vielmehr werden solche Auswüchse mehr als Seltenheiten namentlich aufgeführt, die Mehrheit bekümmerte sich nicht darum, und begnügte sich allenfalls mit Bewunderung eines so ausgezeichneten Menschen. Wir haben im Gcgentheil Beweise von fleißigem Studium der Juden im byzantinischen Reiche. Der bekannte - Dichter Alcharisi (um 1200), dessen Gedichte wir schon öfter für historische Data zu benutzen Gelegenheit fanden (Schade, daß auch sie in den gedruckten Ausgaben oft fv sehr entstellt sind, und man nur aus guten. Handschriften den ächten Inhalt ersehen kann! Vergl. obige Reisebeschreihyng des Petachja, und Journal Asiatique Octobre 1833) rühmt die Griechischen Gemeinden alle wegen ihrer ausgezeichneten Gelehrsamkeit, wenn gleich er ihre Gesänge für erbärmlich und geschmacklos hält,- und mir schwerfälligen Steinen, oder mit dem Holz des Weinftocks oder mit unfruchtbaren, nimmer blühenden Bäumen vergleicht. Selbst einzelne geistvolle Dichter findet er hin und wieder doch der Erwähnung würdig; als Michael den Caleb aus pn, freilich hinzufügcnd, dieser habe sein^pnft durch längeren Aufenthalt in Spanien geüMund vervollkommnet, ferner Mose ben Haja, und Mose ben Abtaljon. Letzterer, ist vielleicht ein Sohn des oben in der Reise des Benjamin von Tudela gedachten Gelehrten. Ein anderer bedeutender Gelehrter jener Zeit ist R. Baruch, der Grieche, den der Rekanati und viele andere häufig als Bearbeiter der Gesetzbeschlüffe des A l p h a s i ciriren. — Im Jahre 1235 kam David b. David aus Rom nach Conftantinopel, ein Mann von großem Rufe. Sein Sohn Eiiah ging nach Creta, und ward dort Oberhaupt der Gemeinde, als welcher er ebenfalls einen geachteten Namen hat. Dieser ist der Vater des Schmarjah von Negroponte, welcher nachmals am Hofe des Königs Robert zu Neapel lebte *). — Gegen Ende desselben Jahrhunderts blühete R. Se rach ja, Vf. des T^vi 'D (Anleitung zum frommen Lebenswandel), welches Werk man irrrhümlicher Weise dem R. Tam zuschrcibt. Er war ein vertrauter Freund des sehr berühmten karaitischen Gelehrten und Chacham, Jakob b. Rüben, Verfassers eines überaus hochgeschätzten, und wie unsere neuern karaitischen Corrcspondenten uns versichern, höchst lehrreichen Commentars zur Bibel. **) Gleichzeitig blühen der als Gelehrter noch höher gestellte Chacham Ahron b. Joseph, Arzt und Exeger, auch Dichter, Verfasser vieler Werke, und besonders des auch gedruckten Mibchar, eines Commentars zum Pentateuch, geschrieben im Jahre 1294, wie aus der Vorrede hervorgeht; worin er seine Secte artweift, auch die Schriften der Rabbaniten fleißig zu studiren, weil sich darin viel Wahres finde. Unter den Rabbaniten zeichnete sich ums Jahr 1325 aus, R. Salomo, genannt Alkoftantini, welcher einen Supercommentar zu Aben-Esra schrieb, häufig citirt bei Samuel Sarsa, genannt Aben Sana, im Buche D^n -npD ed. Mantua, 25. 2. 34. 35. 1 Auch sein Sohn Hanoch Alkoftantini erwarb sich Achtung durch ein Werk unter dem Titel: Q->rkx mioa, welches handschriftlich, und zwar von dem berühmtenKaraiten Caleb Afandopulo im 'J. 1488 geschrieben, in der konigl. Bibliothek zu Paris zu finden. Außer diesen werden sehr hervorgehoben, Mose Kilkes und sein Freund JfÄjah b. Immanuel, welcher letztere Oberhaupt der Gemeinde Jsilki (zu Cpl) war, und 1345 von seiner Stelle abging und die Hauptstadt verließ, nachdem er, wie es heißt, sich um die Feststellung vieler Gemeindeangelegenheiren große Verdienste erworben hatte. Der Sohn des Erstern, Elnathan Kzlkes, welcher nach diesem dasRabbinat einnahm, verfaßte ein großartiges Werk, unter dem Titel ted pN*, dessen bloße 22 Einleitungen zwei starke Foliobände bilden. 8) In diesen *) Vergl. Nr. 8 der Annalen; Anal. 4. Dieser ist wahrscheinlich der Verfasser des philosophischen Werkes rni2 Bibi. Roy. Orat. 110, welches im I. 1346 verfaßt ist. **) -itjwn'D Buch des Reichthums genannt, weil es wahren Reichthum giedt, sagt der Verfasser in der Vorrede. §) In der Bibi. Roy. Orat. dir. 9. Ueder desselben Inhalt sind alle Bibliographen, Bartolocci, Wolff u. a. ganz und gar im Irrthum. Auch ist es nicht 1323, sondern 1368 verfaßt. 20«

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