Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 20 (17.5.1839)
- Date
- 1839-05-17
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Ankunft der neuen Emigranten aus rer pyrcnäischen Halbinsel in Conftantinopel fortwährend gezeigt, wenn gleich die größere Masse anderen Gewerben nachging. Bemerkenswert^ ist dabei, daß die Veränderungen der politischen Verhältnisse und besonders die fränkische Herrschaft in Conftantinopel, auf die Lage der Jüdischen Bewohner keinen Einfluß übte, und die Geschichte der Lehrern von jenen gar keine Notiz nimmt. Die erste etwas genauere Nachricht giebt der bekannte Reisebeschreiber Benjamin von Tudela —er habe nun selbst alles, was'er beschreibt, gesehen, oder sich von Wanderern theilweisc erzählen lassen, und dadurch manches erzählt, was mindestens in > seinen Ausdrücken unsinnig erscheint. Er berichtet vom Jahre 1161 (nach einer von einem gewissen Salomon Dalbari im I. 1450 angeftrtigten, sorgfältig revidirten und mit erklärenden Anmerkungen versehenen Handschrift seiner Reisen, welche in den gedruckten Ausgaben durchweg entstellt sind) über Conftantinopel folgendes: „Die Juden wohnen nicht in der Stadt unter ihnen (so. den Griechen), sondern man hat ihnen einen Wohnsitz jenseir des Meerbusens angewiesen, und der Meerbusen St. Sophia (?) bespült ihr Viertel von der andern Seite, so daß sie mit den Stadtbewohnern nur über die See Verkehr treiben können. Dort wohnen etwa 2000 Familien Rabbanitcn, und etwa 500 Karaiten; zwischen diesen und jenen ist eine Scheidewand. An der Spitze der Karaiten steht R. Eliah bcn Juda, der Arzt. Auf der andern Seite sind die Rabbaniten , meist gelehrte Leute; an ihrer Spitze stehen die RR. Abtalion b. Ob ad ja, Ahron Kospi, Joseph Sargino, Eljakim der Parnaß (Vorsteher). Unter ihnen befinden sich Seidenfabrikanren und viele Kaufleute, manche sehr reich. Kein Jude darf auf einem Pferde reiten, außer R. Salomo Mizri (aus Aegypten), welcher Leibarzt des Königs (Kaisers) ist, und durch welchen die Juden in ihrer Bedrängniß große Erleichterung finden. Denn übrigens haben sie viel zu leiden, besonders zeigen ihnen die Ledcrbereiter ihren Haß, indem sie das schmutzige Wasser immer auf 'die Straßen schütten und alles vor den Hausthüren besudeln. Die Griechen hassen auf's Aeußerfte die Juden, ohne Unterschied ob gut ob schlecht, und bedrücken sie schwer und schlagen sie auf den Straßen, und zwingen sie zu arger Dienstbarkeit. Die dortigen Juden sind aber sehr wackere Leute, wohlthä'tig und fromm, und ertragen ihr Schicksal mit Ergebung. Das Viertel, in welchem sie wohnen, heißt Pera." Etwa zwanzig Jahre später reifte Petachja von Regensburg, welcher nach dem heiligen Lande gepilgert war, über Conftantinopel nach seiner Heimarh zurück. In seiner Reisebeschreibung (neueste Ausgabe von vr. Carmoly, Paris 1831, mit französischer Uebersetzung). „Im griechischen Reiche sind die Israeliten fthr unterdrückt und werden hart behandelt. Uebrigens giebt es unter ihnen geschickte Leute, welche sich auf Zauberformeln verstehen, insbesondere ein R. Schabbatai; diese beschwören auch allerlei Geister herauf und lassen sich von ihnen bedienen. — Es befinden sich in diesem Lande so viele Gemeinden, daß sie im Lande Israel nicht alle Platz haben würden; (ist etwas übertrieben, er müßte denn nur die Umgegend von Jerusalem im Auge haben.)" Man vergesse nicht, daß dieß im ISten Jahrhundert geschrieben ist, in welchem viel erleuchtetere Schriftsteller so etwas für wahr halten und der Welt berichten konnten, als ein herumpilgernder Jude; wiewohl man sich nicht erwehren kann, die Schwachheit des Menschen zu bewundern, der den Widerspruch nicht wahrnimmr, welcher sich in seiner vermeintlichen Herrschaft über die Geifterwelr,' gegen die zu erduldende irdische Sklaverei gehalten, offenkundig darthut. Es ist dieß ein gewisser Trost für Leidende, daß ihnen, wenn die sichtbare Welt keine Freuden mehr darbietet und alle Thätigkeit gelähmt ist, in der unsichtbaren noch manche Schöpferkraft verbleibt, sehnliche Bemerkungen findet man oft, namentlich aber in Verfolgungsgeschichten, zu machen Gelegenheit. — Der erwähnte Schabbatai ist ohne Zweifel derselbe, welcher nachmals unter dem Zunamen „der Grieche"*) nach Spanien kam und dort mittelst der Physiognomik, die er von einem Deutschen erlernt zu haben behauptete, allerlei Künste zeigte, wie der berühmte R. Mose ben Nachman in seinem Vortrage, den er zu Saragossa vor dem Könige und den Großen hielt, ausdrücklich erwähnt. (Ausg. *) Derselbe wird auch alS gelehrter Verfasser eines Mischna- Commentars von R. Abraham B. David in seinen Bemerkungen gegen Maimonides Lt»tkmotIi^oi)im Adschn. 5. tz. 11 und häufig, als Autorität angeführt.