Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 20 (17.5.1839)
- Date
- 1839-05-17
- Page
- Seite 153 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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w. Mai. Uro 20. 1839. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. H er a us g e g eb e n von Dr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. -Historische Skizzen zur Gesch. d.JSr. im byzant. Reiche. — Briefwechsel über religiöse Zustände. — Nachrichlen und Correspondenzen: Triest (Schluß); Bamberg. — Literatur: 1) Philosophie; 2) Poesie. — Gesetzsammlung; Hebräische Literatur. Historische Skizzen. Beiträge zur Geschichte der Juden im byzantinischen Reiche, vom ersten Kreuzzuge bis zur Eroberung Constantinopels durch die Türken. (1100—1450).-) Die Schreckensscenen des ersten Kreuzzuges, besonders unmittelbar nach der Einnahme von Jerusalem, sind allgemein bekannt. Sämmtliche zur Zeit in der heiligen Stadt anwesende Juden wurden in ihrer Synagoge dem Flammentode übergeben. Eine geraume Zeit nachher sind die Juden in Palästina oder mindestens in der Umgegend von Jerusalem verschollen.' Es ist dieß allerdings auffallend, daß in den verschiedenen Kämpfen und Zügen der Kreuzfahrer keine Juden erwähnt werden, obwohl deren in Syrien viele gewohnt haben müssen. Die Mehrzahl hatte ohne Zweifel, nach den ersten Beweisen unbarmherziger Barbarei der Kreuzritter, die Flucht ergriffen. So viel wissen wir mit Gewißheit, daß ganze Massen auswanderten und in Europa Schutz suchten. Neben den vielen Rabba- *) Nach vr. Carmoly's, uns wie alle übrigen Analekten in hebräischer Sprache mitgetheilten, sehr lehrreichen Forschungen, ausführlicher bearbeitet vom Herausgeber. niten verließ auch eine große Anzahl Palästinischer K a r a i t e n *) die Heimath, welche sich nach und nach in Constantinopel wieder sammelten, und etwa im Jahr 1140 bereits eine ziemliche Gemeinde daselbst bildeten. Sowohl die bei weitem zahlreicheren Rabbaniten, als auch die Karaiten, und letztere in anerkannt viel höherm Grade ausgebildet, brachten arabische Gelehrsamkeit nach der Hauptstadt des byzantinischen Reiches, und ein gewisses Streben nach literarischen Leistungen hat sich seitdem bis zur *) Diese Gemeinde nannte sich jv>S d. h. Trauernde um Zion, zur Erinnerung an ihr Mutterland, wie die meisten Gemeinden Constantinopels auch späterhin immer von ihrer Herkunft sich benannten. Unter den Auswandrern befand sich Elia Hadassi (vielleicht — aus Ebessa?), dessen berühmter Sohn Juda daselbst im Jahr 1149 das große Karaitische Gesetzbuch 'D auch genannt, ausarbeitete, über dessen merkwürdige Beschaffenheit wir, Geschichte der Israeliten B. 9, S. 191—3 Nachricht gegeben haben. Wir müssen aber hier ergänzend hinzusetzen, daß der Name des Verfassers nicht darf Habel gelesen werden; sondern der Name ist Juda Hadassi,' u»d der „Trauernde" ist nur eine Beifügung, um ihn als ein Mitglied der Emigranten - Gemeinde zu bezeichnen, deren obiger Name oft dem Seinigen noch besonders beigefügt wird. Hiernach sind auch Wolff Nr. 682, De Rossi, welcher besser sagt: ckettv Abel, und Peter Beer Gesch. d. Sekten 1.158, zu berichtigen.