Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-05-10 · Heft 19 (10.5.1839) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 19 (10.5.1839)
Date
1839-05-10
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133786--0175-3134287
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 Micke Ausbildung der Jugend zu befördern, anderntheils die Schüler zu fähigen Kaufleuten, Handwerkern und Elementarlehrern zu bilden; zugleich ist sie aber auch für solche, die studiren wollen, eine sehr gute Vorschule für das Gymnasium. Einen Hauptgegenstand des Unterrichts bildet daS Hebräische, das von zwei sehr guten Lehrern, (den Herren Arnheim und Cohn) geleitet wird; es begreift den Elementarunterricht des Hebräischen, die Grammatik, das Uebersetzen der biblischen Schriften, die einfachen Commentare. und die jüdische Geschichte in sich. An diese schließt sich der Religionsunterricht an, welchen der Direktor der Schule, Herr vr. Frankel, selbst leitet. Es wäre überflüssig, von den Verdiensten dieses Mannes hier etwas zu erwähnen, da er ja im Auslande schon als Rath des israelitischen westphäl. Consistorium und noch mehr durch die Herausgabe der weit verbreiteten Sulamith, der ersten. deutschen Zeitschrift für Judenthum, hinlänglich bekannt ist. In der Zeit, wo wir keinen zeitgemäßen Rabbiner hatten, übernahm er es auf die uneigennützigste Weise, die Knaben und Mädchen vor ihrem Abgang aus der Schule und vor ihrem Eintritt in's bürgerliche Leben in der Synagoge öffentlich zu konfirmiren, und ihnen die Lehre ihrer Religion nochmals recht warm an's Herz zu legen. — Außer dem Hebräischen beziehen sich die hauptsächlichsten Unterrichtsgegenstände aüf die Elementarkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen, Sprachen, Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie, Geschichte, Mathematik u. s. w., und auch diese Wissenschaften werben von wackern Lehrern geleitet, von denen mehrere, namentlich Herr I. Louis, welcher in der französischen und englischen Sprache, und Herr Arnheim, welcher im Arithmethischen unterrichtet, jener durch Ausgaben französischer Classiker, so wie durch Lehrbücher, letzterer durch praktische Rechenbücher, in der literarischen Welt bekannt sind. Herr I. Louis *) verbindet mit seiner Stelle auch eine allgemein anerkannte Pensionsanstalt, welche von den entferntesten Gegenden her Schüler herbeizieht. Noch mehr läßt sich indeß die Wirksamkeit unsrer Schule theils durch die Menge der fremden Schüler, welche sie besuchen, theils in der Folge durch das bürgerliche Leben erkennen. Was die sonstige Einrichtung der Franzschule betrifft, so habe ich schon oben gesagt, daß sie unter unmittelbarer Aufsicht unserer Regierung steht, von ihr muß die der Schule vorstehende Direktion, welche aus dem Direktor, drei Vorstehern und einem Rendanten, welche letztere aus den gebildetsten Mitgliedern unserer Gemeinde gewählt werden, bestätigt sein. Diese Schuldirektion ist verpflichtet , auf jede mögliche Weise für Erhaltung und *) Die nützlichen Schriften des Herrn Louis, dessen Wirksamkeit als Pädagog wir ebenfalls nur rühmend gedenken können, haben nvir in pädagogischen und literarischen Zeitschriften mit gebührendem Lobe angezeigt. Das so eben erschienene Schulbuch Le nouveau Robinson (Leipsic 1839 bei Friese) reiht sich an die frühern an, und beweist eben so sehr den Fleiß, wie den richtigen Takt des Vf. Wir benutzen mit Vergnügen diese Gelegenheit, das Buch zum Gebrauche für Schulen als sehr zweckmäßig zu empfehlen. D. Red. Vervollkommnung der Schule zu sorgen. Die Einnahmen der Schule bestehen: 1) in einem von Seiner regierenden hochfürstlichen Durchlaucht gnädigst bewilligten jährlichen Beitrage von 399 Thlrn., und einem Debutat von Brennholz; 2) im eingehenden Schulgelde und 3) in freiwilligen Beiträgen wohlwollender Menschenfreunde hier und auswärts. Das Schulgeld ist fest bestimmt, arme inländische Kinder genießen den Schulunterricht unentgeltlich. An die Wirksamkeit der Schule schließen sich zwei Anstalten unmitelbar an, nämlich ein Seminar, in welchem diejenigen Schüler, welche sich zu Elementarlehrern in kleinern Landgemeinden bilden wollen, einen besondern Unterricht, vorzüglich im Talmud und den schwierigen hebräischen Commentaren erhalten; und der 1819 gestiftete Humanitätsverein, der den Hauptzweck hat, arme Knaben zur Erlernung von Handwerken und Künsten zu unterstützen. Ueber diesen, so wie über noch einige andre Institute in unsrer israelitischen Gemeinde behalte ich mir einen späteren Bericht vor. Triest. — Ich setze meine Bemerkungen über die hiesigen Zustände fort. Zunächst vom Gottesdienst. Die Aussprache des Hebräischen lautet durchaus verschieden von der bei den deutschen Israeliten gebräuchlichen. (Es ist die portugiesische, welche der in den christlichen Grammatiken angegebenen sich nähert; y wie ng.) Dabei ist die italienische Sprache nicht ohne Einfluß. Da diese alle Wörter gern mit einem Vokal schließt, so hängen die Israeliten am Ende des Wortes dem stummen Consonanten noch ein schwaches e an, z. B. st. et, lesen sie ette. — In der Zeit des Gottesdienstes ist der Unterschied, daß das nrttD schon um 1 Uhr Statt findet, theils weil es so bequemer ist, theils um erst zu Abend abzuhalten. Uebrigens betet der Ehasan allein laut, halb recitativ, halb fingend alle Gebete vortragend, während die Gemeinde, welche nur bei ytyü und yty laut wird, alles mit einem leisen Summen begleitet, welches allerdings ein wenig störend einwirkt. Durch diese Einrichtung dauert der Gottesdienst bei weitem länger, als in Deutschland, an gewöhnlichen Sabbathen drei Stunden, an Festtagen fast das Doppelte. — Das Dorlesen der Thora geschieht fast mit demselben Grundton, wie in der deutschen Synagoge, doch mit einigen Nüancen. Den zur Thora Gerufenen begrüßen alle, an denen er vorüberkommt, mit dem Wort....?; und den Zurückkehrenden mit pjn. Seinen Segenspruch spricht er leise, so daß nur die Antwort des Ehasan irr» gehört wird. Wenn die Thora in die Höhe gehoben wird, nimmt jeder die Zipfel des Gebettuches (Talith) in die Hand, richtet sie zur Thora bin und küßt sie dann. Die Haphtara wird nur von Kindern recitirt, welche dazu in der Schule vorbereitet werden. Die Kinder werden überhaupt vielfach in die gottesdienstlichen Angelegenheiten hineingezogen, und mannigfach geübt. Der Abendgottesdienst an Festtagen wird gemeiniglich einem Knaben übertragen, und ein solcher zeigt dann wohl oft seine Gesangbravour durch Einlegung von allerlei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.