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Israelitische Annalen · 1839-05-10 · Heft 19 (10.5.1839) · p. Seite 149

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 19 (10.5.1839)
Date
1839-05-10
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 in einer Uebersetzung der heiligen Schrift sich nicht vereini-- gen können; so dürfte doch jede Parthei die Ueberzeugung gewinnen, 1) daß wir noch weit davon entfernt seien, die Ueberflüssigkeit der hebräischen Bibel aussprechen zu können, da alle disber versuchten Uebersetzungen noch so unvollkommen sind; 2) daß es gefährlich wäre, solche Uederzeugung sich selber oder Andern zu verhehlen, da sich durch Stillschweigen jede Uebersetzung mehr oder weniger sanklioniren würde; 3) daß es unumgänglich nöthig sei, auszusprechen, Uebersetzungen der heiligen Schrift seien für den Israeliten noch nicht die heilige Schrift selber, sondern nur Hülfsmittel zu deren Erforschung, und daß darum gerade diejenige Bibelübersetzung, welche am wenigsten auf Unfehlbarkeit Anspruch macht, und dieß durch zahlreiche Anmerkungen, so wie bei wichtigen Stellen durch Angabe verschiedener Uebersetzungen darthut — der besten Aufnahme und meisten Verbreitung würdig sei. — Analeeten von vr. Carinoly in Brüssel. 10. J osipp o n (Pscudo-Josephus) dessen Verfasser und Schicksale. Schon der wackere R. Asariah dei Rossi (blühete 1572) macht auf die Verfälschungen aufmerksam, welche der hebräische Iosephus (gemeinhin von den Uebersetzern Josippon genannt) erlitten hat. Seine Worte jjq ed. Mantua 1574, c. XIX. pag. 86 b.) lauten also: „Mehrere Kritiker haben bereits aus dem Inhalte des hebräischen Iosephus, bei Vergleichung der verschiedenen Ausgaben, gefunden. Laß er verfälscht worden, indem Mehrere nach und nach erläuternde Geschichten eingeschaltet und manches aus Andern zugesctzt haben; was sehr unrecht ist; namentlich sind die im 1. Kap. - vorkommenden Völkernamcn Franken, Gothen, Longobarden, Bulgaren offenbare Fälschungen, da zu Iosephus Zeit solche noch nicht bekannt waren. Auch steht dies nicht in der deutschen Ausgabe, so wenig wie die Geschichte von Nectanebus (nicht bur, wie der hebr. Text hat) und seinen Zaubereien, worüber eine Geschichte Alexanders d. Gr. von aegyptischen Priestern, so ich gesehen und auch in einer hebräischen Uebersetzung besitze, nackzulescn: und welchen Gegenstand auch Justin B. XI. berührt. Jene Geschichte von Nectanebus ist wörtlich aus genanntem Buche in unfern Iosephus übergegangen. Die Nachricht aus Curtius B. IV5 daß der Priester des Ammon den Alexander als den Sohn dieses Gottes begrüßt habe, ist ebenfalls nicht von Iosephus, sondern ein Einschiebsel, das einer zur Unterhaltung hinzugefügt hat; im ächten Iosephus steht davon nichts. Auch die Geschichte der Uebersetzung der h. Schr. durch die I-XX. B. ffl. c. 17. ist ganz verfälscht, vergl. in. 14. Die Geschichte der Art, wie Vespasian zum Kaiser ernannt wurde, ist nur in der Constantinopeler Ausgabe, und aus dieser in der Venezianischen zu lesen; weder in der deutschen, noch in den ersten zwei Ausgaben des Abraham Cont steht etwas davon; und gute Geschichtskenner sagen mir, es sei nichts wadres daran. Auch andere Zusätze sind da,''als bei der Erzablung vom Hohenpriester, vor welchem Alexander sich niedergeworfen haben soll. Daher möchten wir wohl, wenn auch bas Buch kein Original ist, genauere Kunde davon haben." Wir sehen hieraus, daß fremde Hände den Josippon entstellt haben, und daß die türkische und ven. Ausgabe Zusätze hat, welche sich in der Mantua'schen und Basel'schen nicht finden. Doch spricht R. As. kein Urtheil aus, und scheint immer noch den Josippon ftir ein Werk des ächten Iosephus zu halten. Seltsam, da doch keiner der Gelehrten viele Jahrhunderte hindurch ihn kannte, auch der öfters vorkommende Name Joseph b. Gorion darauf führen konnte, daß dies nicht den alten Jos. b. Mathatia bezeichne. Zudem, wer hat die Zusätze gemacht? Wann, und wo lebte dieser Verfälscher? In der Mscr. Sammlung der König!. Bibl. zu Paris, hebr. Mscr. Nr. 308 finde ich in der Hschr. eines Josippon bemerkt: „geschrieben in Italien 236," und so am Ende „vollendet am Freitag, 17. Elul, 5236, von Judah b. Salomo aus Camerino, wohnhaft zu Lucerna de las Racinas, für R. Raphael Eohen aus Lunel, wohnhaft in Manfrebonia." In der Vorrede dazu erzählt Juda, genannt Leon, S. des R. Mose, Mascono (welcher 1276 in Spanien blühete) die Art, wie das Buch aus 5 verschiedenen größern und kleinern Manuscripten zusammengesetzt worden, also: „Ich fand verschiedene Gestaltungen dieses Werkes, bald eine längere Ausgabe, jedoch mit allerlei Auslassungen ganzer Geschichten, bald wieder eine kürzere Recension, bearbeitet von R. Abraham b. David Lewita Alzadik von den Angesehenen aus Granada, bald wieder eine andere ähnlich gekürzte von R. Samuel hannagid zu Cordova. Ich war aber so glücklich, ein ganzes und vollständiges Manuscript herzustellen, wie es aus der Hand seines Verfassers Joseph b. Gorion hervorgegangen war, so daß nichts darin fehlt. Vor uns hatten wir nämlich 4 Codices und einen vorzüglichen Codex, den wir zum Grunde legten, indem wir aus den Uebrigen alles Fehlende ergänzten." — Aus diesem Berichte sind uns nun alle die in dem Buche vorkommenden Seltsamkeiten sehr begreiflich, wenn z. B. Josephus an einer Stelle, als Julius Cäsar geboren wurde, 51 Jahr, und bei der Zerstörung des Tempels 67 alt ist, oder des Menachem b. Serug erwähnt, welcher in Spanien ein berühmter Grammatiker war. Alle solche Verfälschungen kommen wahrscheinlich von obigem Sammler her, der das Werk bis zur Unkenntlichkeit entstellt hat, und dessen Codex ohne weiteres abgeschrieben und vom R. Tam ben Jachia 1516 in Druck gegeben wurde. Letzterer hat noch die Sünde dadurch vergrößert, daß er den Namen des obigen Vorredners ganz verleugnet und die Angabe über die Abfassung des Buches völlig ausläßt, und den übrigen Theil jener Vorrede für seine eigene Arbeit ausgiebt und thut, als ob er selbst die Vorrede geschrieben habe! — Ich vermuthete längst.

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