Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 19 (10.5.1839)
- Date
- 1839-05-10
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Blicke die Zweifelsucht und die Lust, Alles zu versuchen und zu genießen, wie sie sich in diesem Buche darstellen, zu widersprechen; aber gerade die führen ja zum Lebensüberdruß und zur Verachtung der Welt, deren Nichtigkeit der Verfasser darthun will, um zu dem Endresultate zu gelangen: „Fürchte Gott und halte seine Gebote, das ist die ganze Bestimmung des Menschen" (Koh. 12, 13), dem Grundstein der essäischen Anstalt. Allein auch die Congruenz einzelner Aussprüche des Koheleth mit den Grundsätzen der Essä'er springt zu sehr in die Augen, um geläugnet werden zu können. Seine gränzenlose Weiberverachtung (das. 7,26, 28 *), die sonst dem Judenthume ganz fremd, (man halte z. B. dagegen Spr. 31), der Glaube an Rückkehr des Geistes zu Gott (das. 12,7. während die Pharisäer populärer und materieller Auferstehung der Körper lehrten), die Empfehlung weißer Kleider**) (das. 9, 8) (was der Verfasser freilich nicht buchstäblich verstanden wissen wollte) sind schlagend und finden sich sonst nirgends. Andere Aeußcrungen, deren Uebereinftimmung mit essäischen Ansichten nicht blos zufällig erscheint, sind ebenfalls beachrenswerth. So erklärt er sich z. B. 2, 14 , 24 , 26; 3. 13; 9. 2, 11 für unbedingte Vorherbestimmung, für ein Schicksal, dem Alles unterworfen ist, was Josephus Alterth. B. XIH. Kap. 5. tz. 9 als unterscheidende Glaubensmeinung der Essener hervorhebt), er schildert die Hülflosigkeit des Alleinstehenden 4, 7 — 12, preist die Arbeitsamkeit und Mäßigkeit, 5, 11; 10. 17, 18. würdigt herab den Besitz als solchen 5, 9; IO, 12; hält es für ein Nebel, das mühsam Erworbene Unwürdigen zu hinterlassen 2, 18, 19; 6. 1 — 6 (wogegen die Gütergemeinschaft des Ordens das beste Mittel), befiehlt Gehorsam gegen die Obrigkeit 8,2. hält schwören für sündhaft, den Schwur scheuen für fromm 9. 2; — lauter Momente, die Berücksichtigung verdienen. *) Merkwürdig ist es, daß der entgegengesetzte Ausspruch (das. 9, 9) im Mebrasch Kob. im Namen der heiligen Gemeinde (so nannte man einen Verein mehrerer de» rühmter Gelehrten) symbolisch auf Verbindung eines Handwerks mit dem Gesetzstudium gedeutet wird. **) Doch fällt es auf, daß sie bas Oel, das in demselben Verse empfohlen wird, im höchsten Grabe scheuten; sie muffen ihn daher anders gelesen oder anders gedeutet haben. Dazu kommt noch, nicht bloß die talmudische Sage, daß die alten (pharisäischen) Lehrer das Buch beseitigen wollten; und daß dessen Anfang und Ende, d. h. Haupttendenz allein es rettete, sondern auch der untergeordnete Rang, den es laut Mischnah Jadajim 111. 5 bei ihnen einnahm. *) Wir schließen also mit dem Wunsche, daß tüchtigere und. gelehrtere Forscher diese Spur weiter verfolgen mögen. Briefwechsel über religiöse Zustände. 2. Z. Reggio an S. O. Luzzato. (Schluß.) Man hat schon mehrmals und stets mit gutem Grunde gesagt, das Iudenthum sei keine geoffenbarte Religion, wohl aber eine geoffenbarte Gesetzgebung. Ueberlaffen wir es also jenen, die einer geoffenbarten Religion zugethan sind, den Kampf für oder gegen den Supernaturalismus durchzufechten. Ich sagte, die von uns angenommene Offenbarung habe nur solche Vorschriften zum Gegenstände, die sich auf das Praktische beziehen; darüber behalte ich mir vor, mit Ihnen ein anderes Mal weitläufig zu sprechen; es ist mir für jetzt genug, wenn Sie mir zugeben, daß diese Vorschriften ihrem Wesen nach nicht geeignet sind, demjenigen, der sie beobachtet, den Namen eines Supernaturalisten zu erwerben; ich will sagen, daß Gott, indem er unserer Nation einige Vorschriften und Lebensregeln auferlegt hat, dadurch unserer Denkfteiheit und dem natürlichen Gange der menschlichen Vernunft nicht die mindeste Gewalt angethan, so wie er übrigens überhaupt unsere Vernunft keinesweges in die Grenzen eines Glaubens eingeschränkt wissen wollte; eines Glaubens, welcher den Menschen wohl demüthigen und unterdrücken, nie aber unterrichten, bessern und glücklich machen kann. Nachdem wir so die Grenzen dieser Untersuchung genauer festgesetzt haben, für welche ich Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, lassen Sie uns prüfen, ob die Hindernisse, welche, wie Sie sagen, sich entgegensteven, so groß seien, daß Sie durch dieselben zur Ablehnung eines so edlen Amtes bewogen werden könnten, nämlich des Amtes: die beiden entgegengesetzten Partheien, welche die Synagoge in Zwiespalt erhalten, einander näher zu bringen; unsere Mitbrüder über den wahren Geist des Iudenthums aufzuklären, und somit unter uns eine Gleichförmigkeit der Gesinnungen zu erzielen, ohne welche wir nicht mit Würde einen Rang unter den civilisirten Nationen emnehmcn können. *) Bemerkenswerth ist dabei wieder, daß gerade Ben Asai und R. Akiba (der sich auch da durch Erhebung deS hohen Liedes über alle heilige Schriften, als Anhänger der Geheimlehre zu erkennen giebt) es sind, die dessen Ehre zu retten suchen. 10»