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Israelitische Annalen · 1839-05-03 · Heft 18 (3.5.1839) · p. Seite 143

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 18 (3.5.1839)
Date
1839-05-03
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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143 Unsre christlichen Mitbrüder erkennen und würdigen unser Bestreben, und auch zur Synagoge ward vom Stadtrath eine Beisteuer von fl. 1500 auS der Gemeindekasse einstimmig bewilligt. Wir achten und ehren diese toleranten und humanen Gesinnungen, wundern uns jedoch nicht darüber, eben so wenig darüber, baß ein Israelit im Gemeinderath und ein Anderer im Verwaltungsrath ist, denn die Emanzipation ist bei uns zur Wahrheit geworden. Ich kamt diesen Bericht nicht schließen, ohne noch rühmlichst eines Instituts zu erwähnen. welches seit 6—8 Jahren unter hiesigen Israeliten besteht. Es ist nämlich ein Verein zur Bildung und Unterstützung armer Kinder zur Erlernung und zum Betrieb geeigneter Professionen. Vermögende Eltern gingen mit dem guten Beispiel voran und ließen ihre Kinder Handwerke erlernen. Schon zählen wir Gerber, Schuster, Schneider, Bäcker, Küfer. Seifensieder, Sattler. Buchbinder, Lithographen rc. hier, welche theils als Meister, theils als Gesellen und theils noch al- Lehrlinge zur Zufriedenheit ihrer Meister und Kunden arbeiten. Mein Bericht ist jetzt schon, wenn auch nicht zu weit umfassend, doch fast zu ausgedehnt, um noch einzelnes anzuführen. — tz. Dessau. — Die erfolgte Anstellung eines Rabbiners giebt mir Gelegenheit, von hiesiger Gemeinde und ihren Anstalten umständlicher zu berichten. Der in den vergangenen Jahrzehnten herrschende Jndifferentismus hatte leider auch im Judenthum Wurzel gefaßt, und erst in der letzten Zeit erwachte in allen Gemeinden Deutschlands wieder ein reger Sinn für innere Interessen, so daß man nicht mehr danach strebte, über die Zeitbildung das Eigenthümliche des Judenthums zu vergessen, sondern vielmehr die Zeitdildung mit dem Judenthum innig zu verflechten. In diesem Streben durfte Dessau, die Gedurtsstadt Mendelsohn's, die Stadt, in der fast zuerst in Deutschland eine israelitische Schule errichtet wurde, in welcher schon frühe in der Synagoge religiöse Vorträge in deutscher Sprache gehalten wurden, nicht zurückdleiben; und wenn auch seit dem Tode unseres unvergeßlichen Wolff kein zeitgemäßer Geistlicher an der Spitze unserer religiösen Angelegenheiten stand, so ließen doch unsere Gemeindevorsteher es an äußerlichen Verbesserungen in unserem Gottesdienste nie fehlen. Ader wir bedurften mehr, wir sehnten uns wieder nach erbauenden Predigten, es fehlte uns ein Geistlicher, der, innig von Religion durchdrungen, mit dem Bedürfnisse des neunzehnten Jahrhunderts vertraut,. uns belehrte und unfern Gottesdienst so einrichten könnte, daß er ganz im Geiste des Judenthums bleibe und dennoch die Bedürfnisse der Zeit beftiedige. Die gegenwärtigen Vorsteher der Gemeinde haben das große Verdienst, uns einen solchen Mann durch die Anstellung des Herrn Samuel Hirsch aus Thalfang als Anhalt-Dessauischen Landesrabbiner gegeben zu haben. Schon im vorigen Sommer wurde den Aeltesten von mehreren Mitgliedern der Gemeinde der Wunsch ausgedrückt, daß sie für die Anstellung eines zeitgemäßen Rabbinen sorgen möchten; doch durfte man es sich nicht verhehlen, daß es nicht leicht sein möchte, einen Mann zu finden, der durch talmudische Kenntnisse, verbunden mit philosophischer intellektueller Bildung, ave Partheien gleich befriedigte. Der Zufall, oder, um richtiger zu sprechen, die Vorsehung kam uns zu Hülfe, und fügte es, daß unser gegenwärtiger Rabbiner, Sam. Hirsch, auf der Reise nach seiner Heimath Dessau berührte und am vergangenen Neujahrstage eine Predigt in unserer Synagoge hielt, welche alle Gemeindemitglieder so tief ergriffen, daß sie fast einstimmig den Wunsch aussprachen, uns diesen Mann für die Dauer zu erhalten. Den Bemühungen unserer Vorsteher ist es gelungen, daß nun auch unser durchlauchtigster Herzog seine Anstellung als Landesrabbiner genehmigt hat, und so besitzen wir nach langem Intervall wieder einen Mann in unsrer Mitte, der durch seinen wahrhaft biedern und frommen Charakter, seinen Reichthum an talmudischen Kenntnissen, seine gediegenen Kanzelvorträge uns den reichen Schatz, den unsre Religion in sich enthält, aufgräbt, und uns belehrt, wie wir in allen unsem Lebensverhältnissen wahrhaft religiös bleiben müssen und können, und nie das Interesse für Judenthum aufgeben dürfen. Nachdem er uns im verflossenen Winter hinlängliche Beweise feiner Leistungen theils durch exegetisch-homiletische Vorträge über Psalmen, die er anfangs wöchentlich zweimal, später einmal vor einer sehr zahlreichen Versammlung hielt; theils durch mehrere in der Synagoge gehaltene Predigten (am Neujahrsfeste über das, was der Israelit am Neujahrstage zu bitten hat; am Dersöhnungsfeste, bei'm Eingänge desselben über die Forderungen, die unsere Religion an uns stellt, zuMussaph über Zweck und Nutzen des Gebets, zum Schlüsse über den Gottesdienst; am Schlußtage des Laubhüttenfestes über den Frieden, den die Religion uns gewähren will; u. s. w.) gegeben hatte, hielt er am Sabbaty Hagadol seine höchst gehaltvolle Antrittspredigt, in derselben zeigte er uns, was der jüdische Geistliche seiner Gemeinde sein müsse, und was er demnach uns sein wolle. Als Landesrabbiner hat er bei uns für die religiöse Ausbildung sämmtlicher israelitischen Gemeinden Anhalt-Dessau's zu sorgen, wobei ihm übrigens durch die schon erwähnte hiesige israelitische Schule sehr vorgearbeitet ist. (Schluß folgt.) Berlin. — Wenn gleich die Gesellschaft der Freunde, als solche, jetzt lediglich das rein Menschliche im Auge hat, so gehört sie doch, als ein ursprünglich israelitisches Institut, gestiftet im Jahre 1792, zu einer Zeit, als jung? Leute, die es wagten, die menschlichen und bürgerlichen Interessen über so manches bedeutungslose, religiöse Formelwesen zu erheben, den ärgsten Verfolgungen preis gegeben waren, in gewisser Hinsicht, der Entwickekungsgeschichte der Israeliten an, wie denn auch bisher immer nur geborene Israeliten als Mitglieder eingetreten sind. Es dürfte daher auch der Vortrag des Herrn Lehmann, interimistischen Vorstehers, dieser in der That sehr rühmenswerten Gesellschaft, gehalten am Tage der General-Versammlung, 3. März c., in den Annalen einer besondern Erwähnung verdienen, zumal derselbe nicht bloß einen kurzen Nekrolog des im vorigen Jahre verstorbenen Vor-

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