Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-05-03 · Heft 18 (3.5.1839) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 18 (3.5.1839)
Date
1839-05-03
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133785--0165-3134276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 Er ißt von jener Frucht, er trinket von der Quelle, Und seine Schwäche heilt die schattenreiche Stelle. Als er nun weiter geht, spricht er mit dankbar'm Blick: Welch einen Segen lass' ich dir, o Baum, zurück? Sag' ich: „Es seien dir die besten Früchte eigen!" „Sieh, deine Früchte sind an Süße sonder Gleichen; „Hold fei dein Schatten!" sieh, dich schmückt ein Schattendach; „Ein Bach erfrische dich!" sieh, dich erfrischt ein Bach; So wünsch' ich nichts, als daß ein jeder deiner Zweige Zn jeder Eigenschaft dem Vaterbaume gleiche! — Und so auch du! Soll Gon dir Wissenschaft verleih'»? Geld? Ehre? Kinder? dieß nennst alles du schon dein? So Hab' ich-denn für dich nur diesen. Einen Segen: Daß deine Sprößlinge dir alle gleichen mögen! Talm. taanith f. 56. Z. 7 v. U. L. Hahn und Fledermaus. Fledermaus und Hahn Harren: ob denn nicht Bald der Tag andricht? Da fängt dieser an: Zch harr auf das Licht, Denn es eignet mir; Doch was soll es dir? Talm. Sanhedr. f. 98 b Z. 2 v. u. Nachrichten und Correspondenzen. Bingen. — (Schluß.) Die Schüler bestanden bei Prüfungen sehr gut, und der Lehrer erhielt immer das Zeugniß der höchsten Zufriedenheit der Vorgesetzten. Aber in dieser Schule wurde kein specieller Religionsunterricht ertheilt, der Unterricht der hebräischen Sprache war sogar ausgeschlossen. Der Lehrer übernahm zwar den Religionsunterricht in Privatstunden gegen besondere Vergütigung, aber nicht alle Kinder nahmen Antheil daran. Die Winkelschulen bestanden fort. Die Eltern schickten ihre Kinder zu Lehrern, welche sie für tauglich hielten, und so erhielten die Knaben keinen gleichförmigen und keinen zeitgemäßen, und die Mädchen gar keinen Religionsunterricht. Erst im Jahre 1834 gelang es dem Vorstande, eine besondere Religionsschule unter der Leitung des seligen Bachrach's zu errichten. Es wurden alle Maßregeln getroffen und das Schulgeld so gering angesetzt, daß keine Winkelschule mehr bestehen konnte. Was von der Besoldung des Lehrers nicht durch das Schulgeld aufgebracht werden konnte, wurde von der Gemeindekasse zugeschossen, wofür im Budget ein Credit eröffnet war. *) *) Das Nähere über diese Schule siehe „einige Worte der Aufmunterung an die israelitische Jugend, gesprochen von einem Mitgliede des israelitischen Vorstandes, bei Gelegenheit der Prüfung der städtischen Schulen. Gunst u. Gedöker, Mainz 1835 und Dr. Geiger's Zeitschrift I. Heft 2, aus Bingen.. Mit dieser Schule war die Einrichtung verbunden, daß jeden Samstag und Feiertag Gottesdienst mit deutschem Cho. ralgesang und Predigt gehalten wurde. Dieses Institut war nicht von langer Dauer, denn der Lehrer erkrankte und starb. Die Kinder hatten nun weder. Elementarnoch Rcligionsschule. Während der Krankheit des Lehrers wurden die israel. Kinder in die städtischen Schulen vertheilt, und nach erfolgtem Ableben des Lehrers wünschte der Gemeinderath, daß diese Schule unter der Leitung eines andern noch zu ernennenden Lehrers fortbestehen solle. Der Vorstand der israel. Gemeinde aber fand es zweckmäßiger, daß die Kinder seiner Gemeinde die städtische Schule besuchten. Dies fand Beifall und selbst das bisherige Schulgeld von 7 fl. ward von unserem höchst würdigen Hrn. Kreisrath auf fl. 1.26 kr. herabgesetzt. Seitdem besteht jetzt in ganz Rheinhessen keine besondere israelitische Elementarschule mehr. Für den Unterricht in der Religion sorgen die Vorsteher durch Anstellung besonderer Lehrer. Hier ist diese Stelle ganz vortrefflich und unverbesserlich ausgefüllt. Der würdige Candidat. Herr vr. Sobernheim kehrte nach Beendigung seiner Studien zu Bonn und Gießen hierher in seine Vaterstadt zursick. Er wurde von der hiesigen Gemeinde (deren Rabbiner obgleich der Vorzeit angehörig von gleich edlem Geiste beseelt, dem jungen Manne, seinem vormaligen Schüler, defteundet zur Seite steht) als Prediger angestellt, und ertheilt auch den Religionsunterricht. Seine Anstellung hat nicht im Mindesten Unzufriedenheit in der Gemeinde hervorgebrachr. So oft er predigt, ist die Männer- und Frauensynagoge mit Zuhörern angefüllt. Das Abhalten von deutschen Predigten allein schien'indeß nicht hinreichend den Gottesdienst zu veredeln, vielmehr fühlten wir dadurch die Nothwendigkeit der Abänderung des ganzen Ritus, ja sogar die innere Bauart einer alten Synagoge ist nicht geeignet, einen zeitgemäßen Gottesdienst zu halten. Auch hierin war uns der Zufall und die Unterstützung unsers Herrn Kreisraths und des löblichen GemeinberathS günstig. Unsre im Jahr 1766 erbaute Synagoge war ohnehin zu klein und bereits sehr baufällig. Die Finanzen erlaubten nun nicht, eine ganz neue zu bauen, wir mußten uns mit Restauration der alten begnügen. Der Eingang, welcher versteckt und abgelegen war, wurde mit einem schönen Portal und Vorhof, auf eine besuchte Straße verlegt, unddie innere Einrichtung ganz nach neuer Art geformt. Am 14. u. 15. Dez. v. I. wurde sie eingeweiht./Und zum ersten Mal ertönten darin zur Ehre Gottes Hyml/n in deutscher Sprache. Don diesem Tage der Einweihung 'an wurde die Liturgie auf eine schöne erhebende Weise geändert. Alle Gebete werden von einem eingeübtcn Chor von ungefähr 3V Männerstimmen, theils in Gesang, theils in Responsen vorgetragen. Die Gemeinde darf nur leise mitbeten; freilich in hebräischer Sprache; aber vor und nach der Predigt werden deutsche Lieder (aus Johlson's Gesangbuch) gesungen. Es herrscht dei'm Gottesdienst eine feierliche Stille. Das Ornat des Predigers und Vorbeters trägt auch zur Feierlichkeit bei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.