Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 14 (5.4.1839)
- Date
- 1839-04-05
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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>"W.;wai f.: . W***'-1 "•>#&>’ •■"".• •»- — 106 — So viel steht fest, daß cs allen verständigen Israeliten nur erwünscht sein könne, wissenschaftlich gebildete und für ihren Beruf vielseitig vorbereitete und charakterstarke Rabbinen und Lehrer zu erlangen; daß sie es als ein Glück betrachten müssen, die religiöse Gesinnung ihrer Kinder von solchen Männern ausbildcn lassen zu können, die ihre Pflichten gehörig aufgefaßt haben und mit Sachkenntniß ausüben, und die mit ihrem Fache auch die anderweitig erforderliche Umsicht verbinden, um alles zu leisten, was die bisherigen Rabbinen und Landschullehrer nicht zu leisten vermochten; ferner daß Hies auf die bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten einen sehr starken und wohlihätigen Einfluß üben müsse, und folglich daß selbst die Staaten in ihrem eigenen Interesse jede derartige Anstalt, wodurch dies Ziel erreicht werden könnte, eifrig zu unterstützen und zu fördern sich angeregt fühlen dürften. Es läßt sich auch, wofern überhaupt noch Staatsmänner daran zweifeln sollten, leicht darthun, daß die confessionelle Seite der israelitischen Bildung schon wegen des großen Umfanges des wissenschaftlichen Inhaltes derselben (den manche Neuere mit gar zu übereilter Absprechung verkennen) einer besonderen, von Israeliten selbst geleiteten Anstalt bedarf, wofern sie nicht ihren ganzen Charakter verlieren oder überhaupt nur etwa oberflächlich behandelt werden soll. Die bisher bestandenen Rabbinenschulen erfüllen diese Bestimmung nicht mehr oder doch nur so dürftig, daß sie selbst der nöthigen Reform weichen müssen. Alles dies hat der Idee der sogenannten Facultät den Weg gebahnt. Bei Erwägung des rohen Entwurfes aber, welcher sie in's practische Leben Hereinrufen soll, haben sich allerlei Fragen ergeben, die wir in der Kürze hier mittheilen wollen, besonders weil deren Lösung hauptsächlich alle diejenigen, welche durch ansehnliche Unterstützung die Sache stärker befördern möchten, eher zum Beitritte und zur thäligen Beisteuer bestimmen dürfte. Daß dieser an manche Bedingung sich knüpft, darf um so weniger befremden, als hier nicht von Mildthätigkeit oder Errichtung eines volksthümlichen Denkmals, sondern von einer gemeinnützigen Anstalt die Rede ist, und noch dazu von einer religiösen, wo also der allgemeine Nutzen der Sache, der a u s g e b r e i t e t e Nutzen für alle Gemeinden und dieser wiederum von bestimmten kirchlichen Ansichten klar erkannt sein will. Ein bestimmter Plan muß hier für jeden, der kräftig Hand anlcgen möchte, ausgesprochen vorliegen, und es darf ein hingebendes Vertrauen in Beziehung auf die Ausführung um so weniger in Anspruch genommen werden, als es nachmals, wenn Capital und Ortsverhältniffe feftstchen und eine gewisse Form einmal entschieden ist, keine Privateinrede, ja selbst den Stiftern nicht mehr eine Reclamation etwas helfen kann. Die bloße Hinweisung auf Förderung der Erkenntnisse und Methoden genügt hierbei keinesweges. Wir haben in neuerer Zeit hinlängliche Beispiele, daß die bloße Wissenschaftlichkeit gar keine Garantie für das Prinzip des Fortschreitens darreicht, daß vielmehr selbst tüchtige Gelehrte ein Verdienst darein setzen, alte Jrrthümer durch Sophismen zu stützen, den Sinn der ächten Religionsquellen zu verdrehen und den gröbsten verderblichsten Vorurtheilen im Volke starke Consiftenz zu verschaffen. Die erste Frage ist also immer die, von welcher Ansicht geht man aus, um hier ein neues Gebäude aufzuführen? Will man bloß den herkömmlichen Irrungen ein neues Gewand geben? Dann schließt sich niemand an, welcher Klarheit der Erkenntniß befördern möchte; will man das ganze alte Gebäude vermodern lassen oder einreißen? Dann stehen diejenigen ab, welche dasselbe noch als heilig und unantastbar behaupten wollen. — Will man überhaupt eine entschiedene Richtung begünstigen, so fordern die Göber mit Recht im Voraus eine entschiedene Aussage, damit sie sich nicht täuschen, und entweder vertrauen, daß das, was sie für gut halten, mit Nachdruck durchgeführt werde, oder in so fern sie mit Gewissenhaftigkeit nicht beitreten zu dürfen vermeinen, lieber anftehen, um durch den weitern Erfolg belehrt zu werden. Will man den versöhnlichen Weg einschlagen, so muß auch dies unumwunden dargethan, und die Grundsätze um so bestimmter und verbürgter hergeftellr werden, als davon zunächst die Wahl derjenigen Subjecte abhängig wird, welche an die Spitze einer so wichtigen Anstalt treten sollen. Diese Sicherheit und nöthige Zuversicht wird indeß erst dann Lu erlangen sein, wenn sich der kräftige Arm einer den Fortschritt gern unterstützenden Regierung zur Aufrcchthaltung solcher Anstalt bereit gefunden har. _ (Schluß folgt.)