Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 13 (29.3.1839)
- Date
- 1839-03-29
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 angeschickten Summarien und zunächst in der Einleitung (bis S. 23). Diese Einleitung verbreitet sich über Inhalt, Tendenz und Charakter des Kohelet. Den Inhalt betreffend, so bestimmt der Vf. die 25 mal gepredigte Nichtigkeit (Eitelkeit) der Dinge, als die Unfähigkeit des Menschen, durch sich allein Frohsinn und Erdengüter zu erlangen. Demgemäß zeige Kohelet I)das ewige Einerlei (1, 1—11) und stelle vorweg das Ergebniß auf, daß alles menschliche Grübeln und Streben fruchtlos sei (1, 12 — 18). Hierauf wird dargestellt 2) wie unbefriedigend der Genuß (2, 1 — 11), wie vergeblich die Klugheit sei (2, 12. 7, 22), und mit dem Klageruf 7, 23. 24 diese Beweisführung geschlossen. Nun folgt 3) die Schilderung der sittlichen Uebel, die mit 10, 4 eine tröstlichere Wendung nimmt. Es wird gelehrt, daß der Mensch viele Uebel selber verschulde und manches Gute sich bereiten könne. Aber den wirklichen Trost gewahre erst 4) der Schluß (12, 9 — 14) von der Gottesfurcht und dem vergeltenden Gericht. Nichtsdestoweniger schwanke Kohelet im Laufe seiner Betrachtungen hin und her zwischen Fatalismus und Annahme einer moralischen Weltordnung (S. 5). — Die Tendenz Kohelet's sei, durch Darstellung des menschlichen Elends die Juden zu trösten, daß es nicht ihnen allein unglücklich ergehe (S. 10. 11). Aber eine solche Erfahrung tröstet eben so schlecht, als jenes Schwanken beruhigt. Wenden wir uns einen Augenblick zu einem altern Denker, R. Asaria de R ossi, hin, so vindizirt derselbe (Nleor enajim c. 15) unserm Buche den Lehrsatz, daß der Mensch unfähig sei, in dem was geschieht das Wahre zu begreifen; was er preise sei eitel, was er meine thöricht, und er müsse sich in den Willen des göttlichen Richters ergeben. Hiernach mußte Kohelet allerdings die Güter des Lebens nach ihrem wahren Werthe zeigen und den Menschen eindringlich machen, wie wenig sie auf ihre Kräfte sich einzubilden haben, auch ihr Verstand helfe nichts, zumal über die ewigen göttlichen Fragen. Das Schwanken fällt mithin nicht Kohelet zur Last, sondern dem Menschen, der von Gott unabhängig sich sein Erbenglück zusammenbauen und zusammendemonstriren wolle. Allerdings nun ist dasjenige, was den Volkslehrer Kohelet, einen Mann von so tüchtiger Lebensanschauung, zu solchen Betrachtungen zwingt, ein geschichtliches Moment; es ist das tiefe Weh seiner Zeit und seines Volkes. „Die dumpfe Trauer und tiefe Schwermuth, welche sich durch das Buch ziehet, war nicht dem Vf. dieses Buches allein eigen, als vielmehr seiner Zeit; in keiner frühern Schrift wird dem Menschen so bestimmt und so allgemein aller Dünkel und alle Einbildung ausgezogen, und durch keine andre geht ein Herzfeld. Wenn du Unterdrückung eines Armen und die Entwendung von Gerechtigkeit und Recht im Lande siehst, so erschrick nicht über die Sache, denn ein Hoher wacht über den Hohen und Höhere über sie; der Gewinn eines Landes Zunz u. s. w. Wenn Druck des Armen und Dorenthaltung des Rechtes und der Gerechtigkeit du in einer Landschaft siehst, wundere dich nicht über das Ding; denn ein Hoher, hoch über den Hohen wacht, und über ihnen die höchste Gewalt. Aber solcher Schrei edler Entrüstung über alles Eitle in der Welt" (Ewald, Kohelet S. 180. 182). Jenes Weh zu mildern durch Belehrung über den wirklichen Werth der irdischen Dinge, das gleiche Geschick Aller, und das Gericht Gottes ist mithin der Zweck des Buches, in welchem nur Einzelnes, nicht das Ganze, mit horazischer Lebensweisheit — wie Hoch's deutscher Salomo, Carlsruhe 1827, thut — vergleichbar ist. — Den guten Bemerkungen über Kohelet's sprachlichen Charakter fehlt insofern eine sickere Grundlage, als uns der Vf. über die Autorschaft Salomo's im Dunkeln läßt, über das Alter wie es scheint, selber ungewiß. Auch reduzirt er die jüngeren Hebraismen auf etwa eilf, die Chaldaismen auf zehn Ausdrücke. Jndeß darf man noch andere (pcn S. 13. S. is., nni* u'vvn S. 18. D"|~© S. 19. rjpn S. 20) die Jugend nicht abgesprochen werden, insonderheit nicht dem prosaischen alltäglichen Gebrauche des —ty Mehr als die dreißig einzelnen Belege von jüngerm Hebraismus — wozu nach dem Verf. S. 43 noch msy kommt — beweist die Annäherung an das Phönizische der nächsten vorchristlichen Zeit und an den Dialekt der Mischna, zu welchem unser Buch, Daniel und die Tefilla, vorbereitende Instanzen bilden. Eben so entscheidend ist der Charakter des Stils und der Ideen; daß stoische Lehren im Kohelet durchdlicken, läugnet der Vf. nicht (S. 4. 7), und Aden Esra mag Recht haben, daß das Buch von den vier Elementen weiß (S. 28. 29). Kohelet wird also wohl jünger sein als die Zeit des ersten Tempels (s. Saalschutz in Ilgens Zeitschrift 1837. Heft 4. S. 36), als das letzte Jahrhundert der persischen Monarchie (Ewald a. a. O. S. 178), und vermutlich auch als das dritte vorchristliche Seculum (vergl. Zunz Gottesd. Vorträge S. 304 u. f.), in welchem bereits ein Einfluß der Stoiker in Babylon und Alexandrien demerklich ist. — Den gründlichen Commentar empfehlen wir jedem Lernbegierigen, wenn auch über Einzelnes, worauf aber hier nicht eingegangen werden kann, noch zu streiten ist. Der „so lang verkannte" Sinn von Deuteron. 20, 19 findet sich bereits ausgedrückt in der unter der Redaction des Ref. erschienenen Uedersetzung der heiligen Schrift (Berlin 1838, Veit u. Comp.) Die Uebersetzung ist sehr deutlich, aber in einigen Fällen die Auffassung gewagt, z. B. 3, 17 urtheilt er (□$*) st. dort; 5, Bereitwilligkeit CpErD st. Verlangen; 10, 1, wo das Del zum Sudjett des Satzes erhoben wird. Als Probe folgt hier Ko Hel. 5,7—11 aus der Uedertragung des Vfs. und daneben noch drei neue Uebersetzungen: Ewald. Wenn du Bedrückung des Armen und Raub des Gerichts und des Rechts in der Landschaft siehst, so staune nicht über die Sache: denn ein Höherer ist über dem Hohen, und ein Höchster über sie; und ein Vortheil des Hoch. Siehst du den armen Landmann untergraben. Das Reckt zum Raub, erstaune nicht! es wacht Ein Hoher, über Hohe mehr erhaben. Auf Große geben Große wieder Acht.