Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 13 (29.3.1839)
- Date
- 1839-03-29
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 über das Religionswesen, worin die Qualification künftiger Rabbinen ausgesprochen, wird, dürste auch für einen weitern Kreis bemerkenswerth erscheinen; die betreffende Stelle lautet also: „Vorbehaltlich weiterer Bestimmungen wird jedoch wegen künftiger Rabbinen einstweilen Nachstehendes festgesetzt: Candidaten zur Stelle eines Rabbiners müssen von Geburt Deutsche sein, aus deutschen Gymnasien vollständigen Unterricht genossen, auf einer deutschen Akademie in morgenländischen Sprachen und in den historisch-philosophischen Wissenschaften sich hinreichende Kenntnisse erworben, und daß sie solche besitzen, durch eine dahier zu bestehende Prüfung nachgewiesen haben. Letztere kann jedoch in den Fällen unterbleiben, wenn dieselben bereits in einem andern deutschen Staate als Rabbiner angestellt waren und daselbst von ihnen gleichen gesetzlichen Erfordernissen erweislich Genüge geschehen ist. Jedenfalls muß der anzustellende Rabbinatscandidat von dem hiesigen Rabbinat, oder in dessen Ermangelung, von den Oberrabbinern zweier bedeutender Städte Deutschlands in den jüdisch-theologischen Kenntnissen geprüft und zum Lehramt tüchtig befunden worden sein." Frankfurt den 21. — Vom 18. bis 21. dieses fand die jährliche öffentliche Prüfung der beiden Realschulen und der Volksschule der hiesigen israelitischen Gemeinde statt, nachdem der Oberlehrer, Herr vr. Michael Heß, durch ein sehr beherzigenswerthes Programm mit der Abhandlung „Ueber die Anwendung des Ehrtriebes in der Erziehung" zu derselben eingeladen hatte. Wir dürfen die Leistungen dieser nun schon seit dreißig Jahren wirkenden, im Umfang sowohl als in der eigenthümlichen Einrichtung ausgezeichneten und unsers Wissen unter den Israeliten einzig dastehenden Anstalt, welche aus zwei Classen Volksschule, welche für Unbemittelte eine Freischule ist, aus einer Vorbereitungs- oder richtiger ersten Elementarklasse, und aus einer Knaben- und einer Mädchen-Anstalt, jede zu 5 Classen besteht, welche von dem größten Theile hiesiger israelitischer Jugend wie auch von hier zur Erziehung untergedrachten Auswärtigen besucht werden, und worin 22 Lehrer und Lehrerinnen Unterricht ertheilen, als bekannt hier übergehen, und behalten uns vor, in einem besondern Artikel, die Wirksamkeit derselben ausführlich barzustellen. Ein sehr lobenswerther Plan ist im verwichenen Jahre durch einen dankbaren Hausvater hiesiger Gemeinde neuerdings zur'Sprache gekommen. Derselbe hat nämlich bei'm Ausscheiden seines Sohnes aus der obersten Classe ein ansehnliches Geschenk zur Gründung einer Lehrerwittwen-Casse eingesandl, und dadurch Veranlassung zu einem Institute gegeben, welches ohne Zweifel sehr bald durch weitere Mitwirkung derer, welche der Anstalt ihre eigene oder ihrer Angehörigen Bildung verdanken, in's Leben treten wird. Berlin 14. März.—Am 12. d. war die jährliche Prüfung in der Armen-Mädchen-Anstalt hiesiger Jüdischer Gemeinde. Der Hauptlehrer, Herr I. Engelmann, sandte eine kurze Einladung zu derselben voraus. Nur die mit Programmen Versehenen wurden zugelassen; eine öffentliche Prüfling wird in Mädchen-Anstalten hier nicht gestattet. — Die Schule enthält immer noch 3 Classen und eine ziemlich gleiche Zahl von Schülerinnen; dieses Jahr 94 (in den beiden ftühern 100). Sie erfüllt ihren Zweck, welcher hauptsächlich dahin geht, arme Mädchen durch gediegenen Elementarunterricht und durch mögliche Einwirkung auf ihre Sittlichkeit dem Elende zu entreißen, dem so häufig die Armuth aus Mangel nöthiger Erwerbsquellen und aus schlaffem Müßiggänge anheim fällt. Der Unterricht ist auf das Unentbehrlichste beschränkt, leistet aber, unter der Leitung des Herrn Engelmann, dessen Erfahrung nnd Gewandtheit in diesem Fache hinlänglich beurkundet ist und von allen Vorgesetzten Behörden mit ungetheiltem Beifall anerkannt wird, alles, was man billig erwarten darf. Er umfaßt die gewöhnlichen Elementargegenstände und weibliche Arbeiten, außerdem auch hebräisch Lesen und Religionslehre, in welcher letztem der bekannte Prediger, Herr vr. Auerbach, unterrichtet. Sehr zweckmäßig ist die Einrichtung, daß die Schülerinnen bestellte Arbeiten unter Aufsicht anfertigen, was besonders durch eine Anzahl theilnehmender und wohlthätiger Ehrenmütter mit Sorgfalt befördert wird. Alle bestellten Arbeiten werden nämlich mit Benennung derjenigen Schülerinnen, welche sie angefertigt haben, und Berechnung der dafür eingegangenen Zahlungen, genau controllirt. Von der obigen Zahl der Schülerinnen besuchten 70 die Anstalt unentgeltlich und erhielten auch anderweitige Unterstützung. Seltsam ist es dabei allerdings, daß — was sonst unter unfern Gemeinden so selten vorkommt — geflissentliche Unregelmäßigkeit des Schulbesuches bei mehreren Schülerinnen bemerkt ward, und daß nachdrückliche Erinnerungen bei ihren Vorgesetzten nicht fruchteten, so daß einige ausgewiesen werden mußten! Ein Beweis mehr, wie tief manche durch ihr Elend schon gesunken sind, und wie sehr solche Anstalten auf Anerkennung und kräftige Theilnahme Anspruch haben! Literatur. rfep übersetzt und erläutert von vr. L. Herzfeld, Assistent des Herzog!. Braunschw. Landrabbiners. Braunschweig. 1808. Bei Ed. Leibrock. 8. VIH. und 195 S. 1 Blatt Druckfehler. (Beurtheilt von vr. L. Z unz.) Nicht befriedigt von den bisherigen Ansichten über das schwierige Buch Kohelet ging der Vf. an dasselbe, ohne Beistand der Subsidien, nur in der Concordanz mit selbständiger Beobachtung vergleichend, und erst bei allmähligem Fortgange zog er die Verstärkung der Hülfswerke an sich, unter welchen besonders Knobel hervorgehoben wird. Und das von tüchtigen Kenntnissen unterstützte, besonnene Studium des Vf.'s hat eine Arbeit geliefert, die durch berühmte Vorgänger nicht überflüssig gemacht wird. Die hauptsächlichste Aufgabe, die der Vf. sich gestellt, war, den Zusammenhang . im Kohelet nachzuweisen, und zwar ausführlich in dem Commentar, übersichtlich in kurzen den einzelnen Abschnitten vor-