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Israelitische Annalen · 1839-03-29 · Heft 13 (29.3.1839) · p. Seite 100

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 13 (29.3.1839)
Date
1839-03-29
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 senden übertönt werden, die in den Täuschungen der Leiden, schäften befangen sind. Die Täuschungen des Herzens sind mit dem Wesen des Menschen verwebt; jedoch finden sie nicht in jedem Augenblicke des Lebens statt. Allein der Mensch wird bald von dieser, bald von jener Täuschung beherrscht, je nach den zahllosen innern Modificationen und äußern Umständen. Daher mögen sich, ungeachtet deS unüberwindlichen Uebergewichtes philosophischer Täuschungen, doch von Zeit zu Zeit philosophirende Köpfe erheben, theilweise ohne Leidenschaft, d. i. der von dieser, jener von einer andern Täuschung ftei, die für einige Zeit die Stimmen der Mehrheit zum Schweigen bringen können; aber die letztere wird nicht lange zögern, ihre Herrschaft wieder geltend zu machen, und die erstem werben nicht ermangeln, zu einer andem Zeit oder in einer andern Gegend wieder aufzutauchen und auf dem Theater der Philosophie wieder zu erscheinen: dies ist der Grund des gleichsam periodischen Auf- und Untergehens der philosophischen Systeme. (Forts, f.) u eb erficht der Neu-Hebräischen Literatur weltlichen Inhalts, in Prosa und Versen. Von Leopold Dukes. (Fortsetzung.) II. Fabel. (Der Hebräer hat das vieldeutige Wort für moralische Sentenzen, Sprüchwort, Fabel und Parabel. Die ersten zwei Bedeutungen kommen schon in der Bibel vor; die Parabel im Buch der Richter 9, 8. ist mit keinem Kunstausdruck daselbst bezeichnet; die letzte nur im Talmud. Wir trennen hier, so lange wir bei'm Talmud verweilen, ebenfalls das Gleichniß nicht von der eigentlichen Fabel.) Aus dem Meere des Talmuds und'der Hagada tauchen frühzeitig Fabeln auf, als grüne Inseln den Geist erquickend. Die Fabel ward von den Rabbinen sehr geachtet und oft gebraucht. „Betrachte das Gleichniß nicht als geringfügig," heißt es im Midrasch Raba zu Hochlied 3. b., „denn durch das Gleichniß kann man den Grund der Lehre entdecken. Es ist zu vergleichen einem Könige, der ein Goldstück oder einen kostbaren Edelstein verloren hat; durch ein Licht um einen Pfennig kann er ihn wieder finden." Aesops Fabeln oder deren Nachbildungen scheinen den Rabbinen sehr bekannt gewesen zu sein. Die Moral ward zu Ende oder zu Anfang der Fabel durch einen Vers aus der Bibel ausgedrückt. Don R. Meir wirb erzählt (Sanhedrin 38 d), daß er im Besitze von 398 Fabeln war, aber bedauernd hinzugefügt: wir haben nur 3 übrig erhalten. Solche Fabeln hatten eigene Namen 'hotte (Fuchsfabeln) EPDD'O (Wäscherfabeln.) Vergl. Ehrensäulen S. 2, Anmerkung 2. (Succa 28.) Auch Bar Kapara (ein Zeitgenosse von Rabbi Zehuda Hanasi) war als Fabulist bekannt. (Vergl. Zunz Vorträge S. 190 Anmerkung b); aber wir haben keine mehr von ihnen übrig. Diele Fabeln und Gleichnisse von Lewi sind in dem Midraffchin allenthalben zerstreut: derselbe wendete auch viele Erzählungen *) bei Vorträgen an. Die Fadel im Talmud siebt nicht frei als Werk der Kunst, sondern im Dienste der Synagoge. Die Prediger versinnlichten dem Volke durch sie Dinge, die einerseits dem Israeliten als solchem oder dem sittlichen Menschen im Allgemeinen wichtig sind. Der Vortrag ist ganz schmucklos, so kurz als möglich. Wir heben zur Erläuterung einige Fabeln aus. Zn der Rubrik „Organismus des Styls" wird alles, was darauf Bezug hat, vollständig erörtert werden. Midr. Rabda 1. Mos. xxxui. 1. Einst zürnte der Löwe über alle Thiere; da beriethen sie sich, wer soll gehen, um ihn zu besänftigen? Es meldete sich der Fuchs, indem er sprach: Ich weiß dreihundert Gleichnisse und werde ihn schon besänftigen. Wohlan! riefen jdie Thiere ihm zu. Er ging einige Schritte und blieb stehen. WaS soll das bedeuten? riefen sie. Ich habe hüMrt Fabeln vergessen! — doch die zweihundert werden EM wohl Segen bringen. Er ging wieder einige Schritte und blieb abermals stehen.— Was ist das? riefen die Thiere. — Zch habe wieder hundert vergessen, doch hundert können auch helfen. — Als sie anlangten, sagte er: ich habe alle vergessen; es muß demnach jeder für sich selbst Verzeihung erflehen. — So dachte Jakob anfänglich: ich habe ja die Kraft zu beten, dann: ich habe noch Kraft zum An greifen; als er das Gefolge sah, sagte er: Zeder muß hier selbst für sich sorgen. Doch ging er als liebreicher Vater voran rc. **) 2) Zu Esther Hi. 1 pg. 125. d. Rabbi Pinchas erzählte folgendes: Der Löwe gab den Tbieren einst ein großes Mahl unter einem Zelte von Löwen - und Wolfsfellen. Als das Mahl geendet war, sprachen die Thiere: hätten wir nur jemanden, der einige Lieder sänge. Sie richteten ihre Blicke auf den Fuchs. Wollt ihr mir nachsingen? — Ja, erwiederten sie. Er sang: Wer uns diese ober» zeigte, möge uns die untern also zeigen! d. h. mögen die noch lebenden Löwen und Wölfe, die uns Gefahr drohen, auch bald erschlagen werden, und ihr Fell als Decke dienen, tz) 3) Zn derselben Stelle, vorher: Es heißt (Psalm 37,29.) „Die Frevler gehen zu Grunde und die Feinde Gottes schwinden wie das Fett der Widder," welche man nämlich nicht zu ihrem Nutzen fett macht, sondern um sie zu schlachten. *) Vergl. Breschit Raba 92 d. ibd. 93 b. 103 b. Schmoth Raba 169. b. Bamidbar Raba 212 a und öfters. **) Das Gleichniß scheint ausbrücken zu sollen, daß mancher etwas unternimmt, ohne vorher bas Maaß seiner Kräfte genau geprüft zu haben, und daher je näher die Ausführung herankommt, desto mehr in Verlegenheit geräth, bis er zuletzt sich wie er kann herauswinbet. 3. §) Der Erzähler will damit den Zusammenhang der vorher erwähnten Geschichte des Perraths der beiden Hofbedienten mit der des Haman rechtfertigen und meint, der Vers: Hiernach erhob der König den Haman, rc. soll zugleich dessen baldigen Fall mit andeuten. I.

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