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Israelitische Annalen · 1839-03-22 · Heft 12 (22.3.1839) · p. Seite 95

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 12 (22.3.1839)
Date
1839-03-22
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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und Mislowitz gehalten. Der Rabbiner an letztem Orte ist Herr D e u t sch, welcher durch seine Uebersetzung Chabakuks sich einen wohlbegründeten Namen erworben. Er hat in das Rabbinat, dem er durch ausgebreitete thalmudische Studien völlig gewachsen ist, auch noch einen wissenschaftlichen Geist mitgebracht, genährt durch seine linguistischen und mathematischen Kenntnisse, die er sich in Berlin erworben. So sehr Sie es vermeiden wollen, persönliche Vorzüge herauszustreichen, um nicht als Lobredner einzelner Personen zu erscheinen und vielleicht Andern gar Unrecht zu thun, so darf man doch auch nicht unterlassen, allgemein gewürdigte Verdienste, welche in weitern Kreisen bekannt, wohl größere Fortschritte und Verbesserungen Hervorbringen könnten, an seinem Orte gebührend anzuerkennen. Uebrigens halten an andern Orten einzelne tüchtige Männer oder Lehrer, die nicht Rabbiner sind, in den Synagogen deutsche Erbauungsreben; so in Liegnitz, Neustadt, wo Markus Heimann Cohn in dieser Hinsicht fungirt. o) Die Stimmung der meisten kleinern und Mittlern Gemeinden Schlesiens ist (Zülz etwa ausgenommen) jeder Verbesserung des Gottesdienstes und Schulwesens sehr zugeueigt. In Breslau hingegen ist die streng conservative Parthei bedeutend zahlreicher, als die, welche zeitgemäße Aenderungen wünschen. 6) Die Verwaltung der Schlesischen Communen darf man durchgängig als musterhaft rühmen. Dazu hat zum Theil die von Seiten des Staates verordnete Verantwortlichkeit der Vorstände vieles beigetragen; denn bis dahin fanden öfters unnöthige Ausgaben Statt und eine unangemessene Milde ließ manches geschehen, was jetzt die Furcht der Responsabilität einhält. Andrerseits aber haben die Vorstände auch aus eigenem Antriebe vielen alten Sauerteig hinweggeräumt und bedeutende Verbesserungen in der Verwaltung und Geschäftsführung angebracht. e) Ganz vorzüglich werden die milden Anstalten geleitet und verwaltet. Die Vorstände beobachten die strengste Ordnung, und legen alljährlich die Bilanzen vor, welche auch gedruckt ausgegeben werden. Die Bureaur der Vorstände sind völlig kaufmännisch eingerichtet. k) Im Allgemeinen verlautet sehr häufig der Wunsch, das Studium des Thalmuds, — welches gegenwärtig nur noch in den Anstalten (wenn man sie so nennen darf) zu Glogau, Zülz und Breslau, mehr als Selbststudium betrieben wird, und ganz aller Leitung und Ordnung entbehrt,— mit dem der andern höhern Wissenschaften Behufs der bessern Ausbildung künftiger Rabbinen zu verbinden. Hierzu bedürfen wir besonderer wohl eingerichteter Anstalten, welche im preußischen Staate gewiß die schönste Gelegenheit und vielseitige Aufmunterung finden würden. Doch sind das Noch pia vota. g) Gutsbesitzer gibt es im Ganzen noch sehr wenige. Die Oberschlesischen Bergwerke haben die Wohlhabendem theilweise dorthin zum Ankäufe gereizt; eigentliche Landwirthe finden sich nur in geringer Anzahl. Die Hosstiungen auf den Erfolg der Runkelrübenzucker-Fabrikation, wozu der Boden Niederschlesiens besonders geeignet erscheint, wird wahrscheinlich auch manchen Israeliten bewegen, sich hier anzukaufen. Schließlich bemerke ich, daß die Regierung durchaus bas versöhnende Prinzip 'in allen Verhältnissen geltend zu machen sucht, und daß wir über die Stellung in Betreff des Rechts durchaus keine Klage zu führen haben. Hamburg 8. März. — Mit vieler Theilnahme liest man hier die so eben erschienenen Meditationen vr. St ein he im's (v. Altona) über die Verhandlungen der holsteinischen Stände von 1838 über die Emancipationsfrage, (deren Ertrag der israelitischen Volksschule zu Altona zugewendet ist). Diese Schrift schließt sich den vielfachen, übrigens ausgebreitetern und erschöpfendern Arbeiten des wackem vr.Rießeran, will aber nur eigentlich als Protestation des allgemein hochgeachteten Verfassers gegen die unwürdige Behandlung eines so wichtigen Gegenstandes gelten, und wird als solche ihres Emdrucks nicht verfehlen. Neues läßt sich kaum noch über den Gegenstand beibringen. Natürlich sind es die edlem Geister unter den Israeliten, welche die Unwürdigkeit am Schmerzhaftesten berührt, und die ganze gebildetere Welt pflichtet dem herben Ausdrucke eines gerechten Unwillens bei! Ader wie lange wird es nun wieder dauem, ehe die Wahrheit ihre Vertheidiger findet? — Immerhin, es ist schon gut, daß solchen Männern gestattet ist, öffentlich zu reden, und vor dem Richterstuhle der Weltgeschichte zu klagen. Sie wird richten. An m. So eben geht auch die Schrift des Herrn vr. Stein heim bei uns ein. Sie gestattet keinen Auszug. Auf wenigen Blättern (28 S.) entwickelt sie die wichtigsten Betrachtungen, welche bei aller Wärme und tiefem Gefühl doch immer die wissenschaftliche Haltung beobachten, die man von dem gelehrten Verf. der Offenbarungstheorie erwarten Edarf. Wir empfehlen das Schriftchm allen Freunden der guten Sache. D. H. Copenhagen 15. Febr. — Gleich wie im vorigen Jahre im Königreich Würtemberg von der dortigen königl. israelitischen Oberkirchenbehörde eine Gottesdienst-Ordnung festgesetzt und durch den Druck bekannt gemacht worden, ist nun auch hier von dem Rabbiner Herrn vr. A. A. Wolff eine Agende zum Gebrauche bei'm israelitischen Gottesdienste berausgegeben, welche sich über alles, was zur Synagogen-Orbnung und Liturgie gehört, verbreitet, und zweckmäßige Bestimmungen giebt. Dies Büchlein sollte in jeder Gemeinde angeschafft und den örtlichen Statutm zum Grunde gelegt werden. Eine große Menge mißbräuchlicher Aeußerlichkeiten werden durch diese Anordnungen beseitigt, und wenn alles gehörig befolgt wird, so ist mindestens jede Storung der Andacht und jede Herabwürdigung des Gottesdienstes dadurch vermieden. Eigenlhümlich findet man vielleicht darin die Bezeichnungen des Rabbinen als Priester, und der übrigen Personen als Kirchenvorstand und Kirchendiener, so wie der Ceremonien als kirchlicher Handlungen, wie letzteres

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