Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 12 (22.3.1839)
- Date
- 1839-03-22
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Analeeten von Dr. Carmoly in Brüssel. 7. Ein allgemeiner Anwalt der Juden im deutschen Reiche. Zn keinem Geschichtswerke (auch nicht bei Jost) finde ich einen Mann erwähnt, welcher über 50 Jahre hintereinander mit unsäglicher Mühe und gesegnetem Erfolge die Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen bei Kaisern und Fürsten vertrat, und Besserung ihrer Verhältnisse zu ermitteln wußte. Um so mehr halte ich es für Pflicht, sein Andenken zu erneuen. Sein Name wird in den verschiedenen Freibriefen, die er von Kaisern und Fürsten Deutschlands erhalten, verschieden geschrieben: Jesel Judei de Rotzsem, Jösel vonn Roßheim, Joselman von Rvsheim; die Juden nennen ihn: den großen Anwalt R. Joselman von Röschem, oderRoschheim. (Vergl. rpv §. 18 und 482.) Eigentlich hieß er Joseph Loanz, und Rosheim bei Straßburg war sein Geburtsort, der Wohnort seiner Vorfahren, unter denen bekannt sind: sein Urgroßvater Jechiel Loanz, als sehr angesehener Rabbi, sein Großvater, Jacob Loanz, Leibarzt Kaisers Friedrich in. und Lehrer Reuchlins (unter den Juden als Retter des Talmuds gegen Johann Pfefferkorns Anklagen) und sein Vater Gerson Loanz, Rabbiner. Joseph ward in früher Jugend bereits in Angelegenheiten der Juden von Seiten des Kaisers benutzt, und'im I. 1502 von Kaiser Maximilian förmlich als Vertreter der Jüdischen Angelegenheiten im römischen Reiche angestellt, wie wir aus einem Schreiben Josel's an Eicnolf de Rappolstein 1553, entnehmen; wo es heißt: 5*# ich bin seit 50 jaliren verordent und gesetzt worden wass gemeine Judischheit bedreffen in iren anligenden Sachen im ganzen Roem. Reich deutscher natzion uff reichdagen zu handeln. Vergl. Johann Friedr. Fischer Commentatio de statu &. Jurisd. Jud. secund. leg. Rornanas, Germ.; Alsat., §. LXXII. p. 91. So schreibt auch der Großvater meines Großvaters, R. Meir Carmoly, in einer bei mir befindlichen Handschrift: „Lebensbeschreibung französischer und deutscher Rabbinen und bedeutender Männer," (hebräisch) nach Erwähnung derjenigen berühmten Israeliten, welche aus der Provence (1501) vertrieben worden: „Meine Vorfahren kamen nach dem Elsaß, wo sie den»R. Jochanan Luria, Sohn d. R. Ahron Luria, und R. Joseph Loanz S. d. R. Gerson, S. d. kaiserlichen Leibarztes R. Jacob re. antrafen. Dieser R. Joselman v. Rosheim ist der berühmte Vertreter der Israeliten, welcher im 1.1502 von Kaiser Maximilian in dieser Eigenschaft angestevt ward, und unermüdlich für das Wohl seiner Glaubensgenossen wirkte." In einem Ex. des Buches Nitzachon (massc.) geschrieben im I. 1607 von der Hand eines Urenkels des R. Joseph, findet sich bei dessen Unterschrift Ahron b. Juda, die Bemerkung, daß sein Urgroßvater in Deutschland, Polen und Mähren und allen Landen des Kaisers thätig wirkte. In der Vorrede zu einem Werke m~N vom Enkel d. Joseph (ein handschr. Comm. zum Sohar, welchen ich bei Herrn H. Scheper in Mainz gesehen,) wird erwähnt, daß er zwei Werke, tanpn "pfl und n:pön'Di geschrieben habe. — Seine Leistungen unter Maximilian und Karl V. sind zu ersehen aus den Diplomen dieser Kaiser; handschriftlich zum Theil in d. Archives du Royaume de Belgique, chancellerie allemande Nr. 59; Vergl. auch Aretin, Gesch. d. Juden in Bayern 52. 57. Der erwähnte R. Eliah ist der bekannte bÖ (Bal- Schem), erzogen in Frankfurt am M., von wo er nach Krakau ging. Dort studirte er unter Rabbi Menachem Mendel und ordnete das von Rabbi Mose Jserles (kq-i) in einzelnen Blättern hinterlassene Werk n&'O vdti; sür welche mühsame Arbeit der Bruder des Verstorbenen, R. Elasar, ihm dessen geschriebenen Commentar zum Sohar schenkte. Nachher war er Rabbiner, 4 Jahre in Worms, 4 I. in Fuld, 6 I. in Hanau, bis 1619 (?) in welchem Verfolgungsjahre er nach Mainz sich begab; dort stand er in großen Ehren, bis die Verfolgungen wieder nachgelassen hatten, und die Juden wieder in die verlassenen Städte einzogen. Da ward er in Friedberg Rabbiner; er arbeitete daselbst bis 1620 seinen Commentar zum Sohar aus. Von da kam er wieder nach Worms, wo er 21. Tamus 5395 —1636 verstarb. (Dies ist aus dem Mainzer Gedenkbuche.) Sein Sohn, R. Joselman Loanz, war über 40 Jahre hindurch Dorbeter in Mainz und starb 16. Tischri 5431---1670. Er ließ den erwähnten Commentar durch den Rabbiner Juda Miler in Bingen abschveiben. Dies Mscr. kam nach Holland (Asulai sah es dort, s. Sehern haggdolim IL ft, 49), wo Jacob Lewarden es kaufte (s. dessen Catalog. gedr. Amsterdam 5557 1797. p. 25), aus dessen Nachlaß kaufte es H. M. Scheyer, welcher in Manheim eine Bibliothek angelegt hat, und von welchem sein Bruder, Herr H. Scheyer, es erhielt. Die Original-Handschrift befindet sich in der Oppenheimer'schen Bibliothek, jetzt zu Oxford. Nachrichten und Correspondenzen. Breslau 1. März. — Sie empfangen hierbei für's Erste eine kleine Skizze über die gegenwärtigen Verhältnisse in Schlesien; späterhin werde über Einzelnes umständlicher berichten. a) Die beste jüdische Elementarschule befindet sich dermalen in Groß-Glogau, unter der Leitung des durch seine Werke und durch seine Mitwirkung an der Berliner Bibelausgabe rühmlichst bekannten Herrn Arnheim. Sie erfüllt ihre Aufgabe, wie dies von allen Behörden einstimmig anerkannt wird. Nach derselben dürfen gerechnet werden die zu Liegnitz, Ratibor und Neustadt. Die Schule zu Breslau, an welcher Herr Dr. Munk und Herr Miro (durch verschiedene literarische Produkte bekannt,) angestellt sind, genügt bis jetzt noch nicht den Wünschen des Vorstandes. (Woran liegt bas wohl?) b) Reden in deutscher Sprache werden in den Synagogen nur von den Rabbinern zu Ratibor, Lublinitz