Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 12 (22.3.1839)
- Date
- 1839-03-22
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 wo er aber die christliche Religion beschimpfte und niedergehanen ward; auch eine Frau ward getödter. Der Bischof rettete die Flüchtigen, welche er auf 7 Orte vertheilte. Am 2. Tamus tödteten die Feinde im Flecken ntcn: (vielleicht Duys, Deutz?) einen Hausvater und zwei Söhne; am 3. starben in Coblenz (ps:^2Yi unrichtig) auf gleiche Weise sehr viele, die meisten durch Freundeshand; ein Sohn ließ sich von seinem Vater, Samuel b. Jechiel, öffentlich niederschlachten, und ein Vater forderte seinen Sohn auf, ihm den Tod zu geben; viele stürzten sich in's Wasser. Am 3. desselben Mon. war ein gleiches Blutbad in (d Andernach?) Der Rabbiner R. Isaak ward bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelt und in diesem Zustande gerauft; wenige Tage Larauferholte er sich, ging nach Cöln und sprang in den Rhein. Dreihundert Personen begaben sich am 4. vor Ankunft der Feinde am'n n-o bei jener Stadt (?) in einen Saal und starben durch die Hand von fünf Auserwa'hlten, deren letzter die vier Gefährten tödtete und sich dann vom Thurm herabstürzte. Denselben Abend traf die Juden in Xanten dasselbe Schicksal; am 7. wurde Moers zu gleichem Zwecke angefallen; der Bürgermeister rettete die meisten, nachdem er alles versucht hatte, sie zur Taufe zu bereden und cinzuschüchtern; doch fielen mehrere Greuelthaten vor. Dieselben Auftritte wiederholten sich in Kerpen, Geldern u. a. O., besonders auch in Trier, Metz, Duisburg, und n:&nB? (Bracht?). — Alles dies geschah in den wenigen Monaten, vom Ende April bis Mitte July 1096. — Schlußbemerkung. Die statistischen Angaben verdienen Beachtung. Von der Wormser Gemeinde sind sehr viele Familienväter, die damals umkamen, in dem Memorbuche namentlich aufgeführt, so daß die Gesammtzahl von 800 nicht übertrieben erscheint. Unter ihnen sind 5 mit dem Titel Rabbenu, also Gelehrte von hohem Ansehen; nämlich Salomon (viell. b. Simson b. Eliakum, npn §• 312. N’On f- 83. b.) der über seinem Buche erschlagene Isaak b. Eljakum; Jakob hallevi, (ohne Zweifel der Sohn des R. Isaak, Raschis Lehrers; genannt) und Samuel (ohne Zweifel s. Bruder) s. Eben haes. 69. c. 84. c.); Ascher hallevi, wahrscheinlich auch ein Bruder (s. das. 101, 263); außerdem noch zwei Söhne berühmter Gelehrten; Isaak b. Meir d. Vorsänger, Tos. Rosck. hasch, f. 11. b. zu Megilla. 23. Raschi zu Amos 3. 14 rc. 20. b.) und Jakob b. Simson (Vater des R. Menachem, Verf. eines Gesanges zum Abend z. 7 Pesach im Wormser Ritual). Hieran schließen sich noch folgende Notizen: Nach Ja« kob Hallevi's Tode kam R. Kalonynus b. Schabthai auS Rom nach WormS; s. rYTtäN am Ende Semachoth und Raschi zu Beza f. 24. b. Sein Sohn Ascher war ein Zeitgenosse des R. E. b. N. s. Eb. Raek. 28 a. und wird vom Derf. des npl-i §• 250 unter dem Namen angeführt. — Der letztgenannte R. Simson (bei welchem das Wort Darschan steht) ist wahrscheinlich Vf. des Märasch, den Raschi zu Arnos anführt, und den R. Tibia b. Eliefer seinen Lehrer nennt. Zunz a. a. *£). 294. Deutsche Dolksbibeln für Israeliten. Vorerinnerung des Herausgebers. Seit wenigen Jahren sind nach der anerkannt werthvollen Arbeit unseres Johlson, dessen Uebersetzung die aller seiner Vorgänger weit übertrifft, mehrere neue Uebersetzungen der Bibel unternommen worden, hauptsächlich mit der Bestimmung für Synagoge, Schule und Haus, und daher mit möglichster Berücksichtigung der zu solcher Allgemeinheit des Gebrauches erforderlichen Beschränkung des Umfanges. Einige neuere Unternehmungen sind unsers Wissens bereits im Entstehen. Alles dies deutet auf wachsende Theilnahme, wie auf Ungleichheit der Ansprüche, die an solche Werke gemacht werden. Es kann nun auf keinen Fall gleichgültig erscheinen, zu erfahren, was mit diesen offenbar einflußreichen Werken in der That geleistet sei, und was etwa hie und da noch wünschenswerth erscheinen möchte? Diese Fragen sind um so wichtiger, als die verschiedenen Uebersetzungen nicht bloß in einzelnen Ausdrücken, sondern im ganzen Geiste von einander dermaßen abweichen, daß ein einfacher Freund der heiligen Schrift, welcher z. B. in der Hamburger und Berliner Bibel ein und dasselbe Capitel aus den Propheten liest, kaum glauben kann, es sei ein und dasselbe Original übertragen. Da also Zweifel und Mißtrauen durch solche Vergleichungen entstehen müssen, so wird die öffentliche Besprechung dieser Arbeiten schon deßhalb nöthig, damit diejenigen, welche die Schwierigkeiten des Bibelübersetzens nicht kennen, billiger über manche auffallende Abweichung urkheilen, und damit auch andrerseits das Richtigere immer besser ermittelt werde, und dergleichen Widersprüche mindestens aus den Volksbibeln verschwinden. Wir beabsichtigten Anfangs die Grundsätze der Bibel- Uebersetzung im Allgemeinen zu erörtern, und danach die bisherigen Leistungen zu würdigen. Es scheint uns jedoch zweckmäßiger, vorläufig verschiedene Urtheile einzelner Sachkenner nach und nach zu veröffentlichen, um somit eine vielseitige Beleuchtung vorzubereiten, und nachher das Ganze begründeter zu resumiren. Wir lassen sie folgen, wie sie uns zugehen.