Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 12 (22.3.1839)
- Date
- 1839-03-22
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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91 Akachweisung einer historischen Quelle aus der Zeit des ersten Kreuzzuges. Von A. Adler aus Worms. Der Geschichtschreiber Joseph b. Joschua b. Meir Cohen (ged. 1497, von Spanischen Eltern in Italien) dessen Werk: Chronik der Könige von Frankreich und des ottomanischen Reiches, gedruckt Venedig 1554 und wieder Amsterdam 1733, einen Grad von Celedrität erlangt hat, wiewohl es im Ganzen nur eine interessante Compilation historischer Thatsachen enthält, — erzählt nach einem kurzen Ueberblick der Vorzeit, ausführlicher die Vorfälle von dem ersten Kreuzzuge an. Hier verweilt er bei den Greuelscenen, welche in den Rheingegenden durch Verfolgung der Juden Statt fanden, und welche wahrhaft Schaudererregend sind. Er beruft sich auf eine handschriftliche Quelle von der Hand eines R. Eli e ser, den er nicht weiter bezeichnet, der aber nach jedem Berichte von den entsetzlichen Schicksalen der Juden in Speier, Worms und Mainz ein Klagelied hinzugefügt habe, welches er der Sprachhärten wegen nicht mit adschreibe. Diese Geschichtsquelle befindet sich noch jetzt handschriftlich zu Worms in dem Notizbuche der dortigen Gemeinde-Gebräuche, verfaßt im I. 1625, von Juda Kirchheim, welcher dem eingelegten historischen Stücke, (woraus augenscheinlich R. Joseph fast wörtlich abgeschrieben hat,) ein sehr hohes Alter zuschreibt. In der That giebt sich die Relation aus den Leiden jener Zeit, als ein glaubhaftes Original zu erkennen. Aber was uns noch wichtiger erscheint, ist, daß es ohne Zweifel einen sehr berühmten Gelehrten und Zeitgenossen der Begebenheiten zum Verfasser hat, wir meinen den bekannten R. Elieser b. Nathan aus Mainz, Df. des Eden Haeser. Dieser Name ergiebt sich aus den Akrostichen der beigesetzten Verse. (Freunden solcher literarischen Merkwürdigkeiten sind wir gerne bereit, dieselben abschriftlich mitzutheiken). Da nun kein anderer Sänger dieses Namens bekannt ist, der Genannte aber auch sonst verschiedene Ritualgesänge verfaßt hat, als Maarib zum achten Pesach, zum zweiten Schebuoth rc., so bestätigt dies unsre Vermuthung. Daß dieser Gelehrte zur Zeit des ersten Kreuzzuges bereits gelebt hat, erweist sich aus seinem oben angeführten Werke 18. d, wo ein Verwandter ihn bald nach 1)33 über eine in diesem Jahre vorgekommene Schenkungsakte befragt. Da bei dieser Gelegenheit ein in Cöln wohnender Schwiegersohn des RE b. N. erwähnt wird, so folgt daraus wohl, daß er damals über 40 Jahr alt war. Auch schreibt R. Samuel b. Meir, Enkel des Raschi, (jedenfalls vor 1689 geboren) an ihn in Ausdrücken der Ehrfurcht, welche beweisen, daß er mindestens nicht jünger als er selbst war (s. Eb. Haes. 143 d.) Hieraus folgt nunwohl von selbst, daß das Datum im El). Haes. 140 a., welches auf das Jahr 1240 hinführt, ein Abschreiberdalum ist, und daß einer unsrer größten Literatvren irrthümlich unsermVf. ein Werk "ionö (welches offenbar erst nach 1240 verfaßt ist, weil es den jeo citirt) zuschreibt, (s. Heidenheim in der Ausg. dieses Buches 1804) welchen Fehler ein anderer nicht minder großer Literator (Zunz, Gottesd. Dortr. 398 und öfter) nachgeschrieben hat. — Uebrigens hätten sie schon aus dem Umstande, daß RE b. N., welcher in den vor 1175 getroffenen Synodalbeschlüffen mit unterzeichnet ist, die von 1220 (s. RGA des Meir von Rothenburg a. d. T.) nicht mehr unterschrieben hat, schließen können, daß er schon damals nicht mehr gelebt habe. Was nun die Thatsachen betrifft, so stimmen die Angaben des R. Joseph im Allgemeinen mit denen des Wormser Manuscripts überein. Wir geben hier einen kurzen Auszug mit Ergänzungen aus letzterm. Die Kreuzritter überfielen zuerst die Juden in Speier, am Freirage, den 8. Jjar, und tödteten 10 Individuen, welche sich der Taufe weigerten; eine Frau lödtete sich selbst; die Uebrigen wurden durch den Bischof gerettet. Am 23. kamen sie nach Worms und richteten ein furchtbares Blutbad an. Der Bischof schützte einen Theil, die Uebrigen wurden niedergemetzelt, oder fielen durch die Hand ihrer Verwandten und Freunde, welche unter dem Rufe: Höre Israel rc. sich einander schlachteten; 7 Tage später hatten die vorher beim Bischof Geretteten dasselbe Schicksal. 800 Personen kamen an diesen beiden Tagen um. Ein junger Mensch, Namens Simcha Cohen, ließ sich in die Kirche schleppen, erstach aber dort mit einem Messer, das er herauszog, einen Verwandten des Bischofs, und ward sogleich niedergehauen. Wenige entkamen. Am 3. Siwan erlitt die Mainzer Gemeinde gleiches Schicksal im Hofe des bischöflichen Palastes. Die Meisten tödteten einander. Eine Anzahl Greise setzten sich in dem Hof nieder, sangen Trauerlieder und blieben den Steinwürfen und Pfeilen des Feindes ausgesetzt bis sie so den Geist aufgaben. 1300 Personen kamen an diesem Tage um. 60 Personen rettete der Bischof, und schickte sie nach den Ortschaften des Rheingau's (bei Jos. Coh. fälschlich nnpa'H), allein sie entgingen ihrem Schicksale nicht. Zwei wurden gewaltsam getauft, Uri und Isaak b. David, und mit letzterm seine zwei Töchter; am 5. Siwan tödtete dieser seine beiden Töchter, und die beiden Männer übergaben sich selbst in der Synagoge dem Flammenrode. Am 6. trafen die Kreuzritter in Cöln ein; viele Juden flohen; die Feinde plünderten, verunreinigten die Synagoge und schleppten den Rabbinen R. Isaak in die Kirche, 12*