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Israelitische Annalen · 1839-03-15 · Heft 11 (15.3.1839) · p. Seite 83

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 11 (15.3.1839)
Date
1839-03-15
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 revidirt und nach andern Handschriften eorrigirt. Am Schluffe desselben findet sich die Nachricht, daß der berühmte Vf. imMonat Tischri 5130 1369 Sept.) seinem (S. 210 und öfter erwähnten) Lehrer Joseph, welcher gegen 5 Monate früher verstarb, in die Ewigkeit folgte. Das Werk giebt eine vollständige Uebersicht der Gesetzlchre der Karaiten nach einer philosophischen und zum Theil schon bei ihnen traditionell gewordenen Interpretation der Heilgen Schrift, bestreitet bei jedem Anlaß die rabbinische Interpretation und Tradition, widerlegt nach der Ansicht des geistreichen Verfassers die Meinungen anderer Vorgänger und Zeitgenossen, und enthält daher einen großen Reichthum literar-historischer Notizen, welche das Gebiet der Literatur für uns bedeutend erweitern. Wir liefern aus demselben einen gedrängten, für die allgemeine Kunde und Einsicht hier genügenden Auszug und fügen gelegentlich verschiedene aus andern in unsrer Sammlung sich befindenden Manuskripten und gedruckten Werken der Karaiten entnommene Ergänzungen hinzu. Möge diese Darstellung den Erfolg haben, unsere in der Nähe der Karaiten wohnenden Freunde dahin zu bestimmen, daß sie uns eine recht ausführliche getreue Schilderung von dem Leben und den Sitten der Karaiten zuführen, damit wir auch von dieser Seite unfern Lesern etwas Gediegeneres mittheilen können, als die bisher bekannt gewordenen Bruchstücke oder flüchtigen Reiseberichte gewähren. Andrerseits dürften gelehrte Theologen in den .verschiedenen, oft nur scheinbaren Einwendungen der Karaiten gegen wohlbegründete rabbinische Lehren und Schriftinterpretarionen einen Anlaß finden, die letzter» vor Mißdeutung zu sichern, und ihre Wahrheit durch quellenmäßige Erörterungen und starke Beweise feftzustellen. Mittheilungen solcher Art würden, wenn sie den Umfang der für unsre Annalen geeigneten Aufsätze nicht überschreiten, uns ebenfalls' willkommen sein. Es versteht sich hierbei von selbst, daß es nicht auf eine gegen die Karaiten anzuknüpfende Corttroverse abgesehen sein dürfe, sondern alles nur im Interesse der Wissenschaft geschehen möge, deren Zweck lediglich ist, die richtigere Erkenntniß zu ermitteln. Heb erficht der Neu-Hebräischen Literatur weltlichen Inhalts in Prosa und Versen. Von Leopold Dukes. I. Gnomen. (Fortsetzung.) IV. -100 Das Buch Henoch(Konstantinopel1517) bloß 2 Blätter stark, enthält Gnomen und einige moralische Erzählungen. Da das ganze Werk nicht groß ist, heben wir hier gleich einige Sätze heraus. Das Buch ist hebräisch und wahrscheinlich aus dem Arabischen übersetzt; der Uedersetzer ist nicht genannt und die Zeit, wann es übersetzt wurde, läßt sich auch nicht angeben. 1) Es spricht der Philosoph Henoch (der arabisch JdriS heißt, JdriS ist Hermes Trismegistus. Dergl. Dietz a. a. O. Th. 1. S. 73. So cilirt ihn auch Moses den Esra in sein naon n.Yny (Gewürzbeet)welches fragmentarisch auf der Hamburger Stadtbibliothek (Nr. 310) sich befindet) zu seinem Sohne: Mein Sohn, Gottesfurcht sei dein Geschäft, dies wird dir Vortheile bringen ohne Mühe. 2) Ein Philosoph sagte: Wer gottesfürchtig ist, vor dem fürchten sich alle Menschen, wer es nicht ist, der fürchtet sich vor allen Menschen. 3) Ein Philosoph sagte: Wer Gott liebt, der glaubt auch an ihn. 4) Es sagte der Philosoph Bileam (der arabisch Lokman heißt): Mein Sohn, lasse die Ameise dich nicht an Klugheit übertreffen, welche im Sommer für ihren Winterbedarf sorgt. 5) Mein Sohn, lasse den Hahn nicht wachsamer sein, als du; er ist jeden Morgen schon wach, während du noch schläfst. 6) Mein Sohn, lasse den Hahn nicht stärker sein, als du; er beherrscht iv Weiber, während du nicht eine beherrschest. 7) Mein Sohn, lasse den Hund dich nicht an Dankbarkeit übertreffen; er kenüt diejenigen, welche ihm Wohlthaten erwiesen, du aber vergissest deine Wohlthäter und erkennst sie nicht wieder. Alle die bis jetzt angeführten Schriften fließen aus arabischen Quellen, selten aus talmudischen. Die Lebensansicht darin ist ernster Stoicismus, welcher dem Araber zusagte. Sie zog auch die Israeliten an, weil derselbe Ernst auch im Talmud vorherrscht. Eine Masse gediegener Sprüche dieser Art sind übrigens noch zerstreut in dem bekannten vortrefflichen Buche rfiDTl (die Pflichten des Herzens) vonR. Bechai den Joseph den Bakoda (deutsch von R. Fürstenthal, Breslau 1835), im -ppm "j^n p (der Prinz und der Nasiräer), im (der Suchende) von Schem Tob Palkira und in den Machberoth von Immanuel. 11*

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