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Israelitische Annalen · 1839-03-08 · Heft 10 (8.3.1839) · p. Seite 75

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 10 (8.3.1839)
Date
1839-03-08
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 Sinnlichkeit, §. 19 ff. über das rechte Selbstgefühl, §. 23 ff. über die wahre Lebenöansicht — Vertrauen, Ergebung u. s. w., in sofern der Israelit diesen Eigenschaften aus seinen heiligen Schriften schöpfen kann. — Wir glauben aber, daß alles dieß nicht gerade den Israeliten, als solchen, angehe, und daß es ihm nicht zustehe, stch hierin noch jetzt für bevorzugt zu halten , da ja eine jede Kirche dasselbe lehrt. Wichtiger ist nun Kap. 7 von der Offenbarung, zu welcher der Vf. die Reden Mosts in seiner Uebersetzung, — die höchst' abenteuerlich ausfällt — theils als urkundliche Bestätigung, theils als vorausbestimmtes Kriterium der Wahrheit anzieht. In Betreff der Uebersetzung abstrahiren wir gern von dem Undeutsch; es ist jetzt Mode, alles Fremde kauderwelsch zu übertragen, weil man es für geistreich hält, auch in dieser unverständlichen Treue die wahre Copie des fremden Geistes zu sehen meint. Doch können wir es nicht billigen, wenn offenbare Unwahrheit und Verschrobenheit den Sinn der Urschrift verdrängt. Eine Lehre, welche sich auf die Bibel beruft, darf diese nicht, wie Wachs, nach Belieben umformen, und bald so, bald anders paraphrastren. So finden wir nun aber hier die heilige Schrift auf die seltsamste Weise, und sogar eine und dieselbe Stelle jedesmal verschieben übertragen. 3 B. Excc. xx. 2. Ich, Haschem, (Name Gottes), sei Dein Gott; Deut. vi. 4. Nimm es auf, Israel.... veut. IV. 39. Hast bu's heute erkannt, so führe nun dir's in's Herz. Dagegen S. 11. Hast du's erkannt heute, . . . .; Exod. xx. 3. Es soll nichts anderes dir Gott sein neben meiner allgegenwärtigen, allesdurchdringenden Waltung. (Wobei der Df. bemerkt, daß bei Gott dies in der Regel ausdrücke!) Num, XV. 39. Forschet nicht, folgend eurem Herzen und folgend euren Augen, daß ihr, mich verlassend, ihnen nachfolgtet. (Steht gar nicht so im Texte). Exod. XX. 17. Damit Ihn ehrende Furcht eurem Angesicht obschwebe (hat keinen Sinn). — Mag er 'p'iD’i v. 4. 9 deinem Herzen entweichen, statt: aus deinem Herzen weichen; mTD 10 zu Ch. st. am CH., tin nttyh ehrfürchtend mich zu erschauen (einen solchen Centaur macht der Vf. aus *n>>und ntn)» nnn tief unten, ms daß er euch verpflichte zur That; und des Unsinns mehr, übertragen; aber wie kann man zugeben: V. 5. 21 M)22 seine Offenbarung, st. Herrlichkeit; 22 warum sollen wir sterben, daß uns verzehre das große Feuer? 24. und du sprich gegen uns wieder aus; — ferner DK Stimme, und wieder: die Stimme (22, 25); 26;-pni daß er diene; XVHI. 14 beerben; 16 und gesprochen, dagegen xin. 3 zu sagen, (wo eine Verschiedenheit des Sinnes gar nicht denkbar;) — tqi 17 gesprochen, sonst immer „ausgesprochen;" so 18 zu ihnen aussprechen, vorher immer „gegen?" Wer versteht die Phrase: „Wenn aufsteht in deiner Mitte Prophet (warum nicht „ein?") oder Traumhaber (bei seiner Wörtlichkeit muß es heißen Traum-Träumer), und giebt dir Zeichen oder Wunder, das er aber gegen dich ausgesprochen zu sagen u. s. w.??" — Wer kann zugeben, daß man unter dem Scheine der Wörtlichkeit n. Mos. xx. 17 .fyiD3 übersetzte: „um euch prüfend zu heben?" Und welcher Jude soll wissen, was Gott meint, wenn weiter übersetzt wird: „damit Ihn ehrende Furcht eurem Angesichte obschwebe" statt: „damit Gottesfurcht auf eurem Angesichte liege, oder (euch eingepflanzt sei.") Oder vn. 10 ^X‘ in den Kreis seiner Wünsche?? Rec. will nicht weiter fortfahren, um nicht in Unwillen auszubrechen über die unverantwortliche Dreistigkeit , dem Volke Bruchstücke einer wilden, undeutschen, abgeschmackten und sinnlosen Uebersetzung gleichsam mit rabbinischer Autorität aufzudringen, und dasselbe ganz und gar dem gesunden Menschenverstände zu entreißen! Kein Genius in der Welt kann solcher Uedertragung eine Anerkennung verschaffen, selbst wenn in philologischer und exegetischer Hinsicht Wahrheit darin wäre. Daraus sollen jüdische Jünglinge und Iungftauen in einem neu-philologischen Jargon ihre Religion kennen lernen? Doch zur Sache. Der Vf. findet in diesen Stellen die Bestätigung der Offenbarung am Sinai (ist ihm denn das nicht besser beurkundet?), die fortlaufende Offenbarung durch Propheten, die Kriterien eines Propheten, und die Warnung vor falschen Propheten. — Demnach ist erstlich das Gesetz mit der Tradition darin vollendet und geschlossen. Die Propheten hatten also (S. 28) auch kein Gesetz zu lehren, sondern nur Gesetzerfüllung. Dem ist nicht also, wie schon die Fast- und Festtage zeigen. Wie deutet er aber das Kriterium des Prophetenderufs? Siehe §. 36: „Der Prophet bewährt sich nur durch wiederholte buchstäblich in Erfüllung gegangene Vorherverkündigungen." Dann aber wird hinzugefügt: „Wenn dann sein Wort, das er verkündigt, dem Inhalte der Thauroh gemäß ist u. s. w. Dagegen: Wo namentlich der Inhalt seines Wortes Abgötterei fordert, oder auch nur ein Tütelchen (sie) vom Worte der Th. für Iisroel auf alle Zeit aufhebt (wo steht das im Texte?) -ja wenn er auch nur Erklärung irgend eines Gesetzes als auf Propheten-Eingebung gegründet abgeden will (wo steht das?), der hat unter Iisroel das Leben verwirkt." — Der Vf. hat durch die eingeschobenen Adverbien und Clauselwörter: „auf alle Zeit," „auf Propheten-Eingebung," den Defensoren Mittel zur Rettung geboten. Wir kehren von diesen Irrungen mit dem 8ten Kapitel wieder in den don sens zurück. Ueber Gottesfurcht spricht der Vf. wieder gut dem Sinne nach, obwohl in verdrehter, begeistert sein sollender Sprachconstruction. Dasselbe gilt von der Liebe zu Gott. Seltsam ist es freilich, baß jeder Israelit nach §. 59 sein Leben hinopfern soll für sein Gesetz, d. h. ihm, für das aller unbedeutendste Ceremoniel, welches ihm in allen Verhältnissen, in Gesundheit und Krankheit rc., gleich bindend ist, und doch wieder §. 63. 67 — freilich nach alter rabbinischer Concession — in Beziehung auf das Leben starke Ausnahmen gelten sollen! Der Unsinn ist wahrlich gar zu arg. Wenn vormals einzelne Casuisten so etwas aufstellten, so urtheilten sie nach Einsicht, und machten sich dabei nicht so ärgerlicher Widersprüche schuldig. Sie 10*

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