Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 9 (1.3.1839)
- Date
- 1839-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133776--0084-3134186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 'IO — 1) Sind die Ueberschristen späte Zusätze, so läßt sich nicht absehen, woher deren Verfasser zur Kunde der Instrumente gelangt sein sollten, für welche ein Psalm von David gedichtet worden. 2) Sind die Benennungen selbst sprachlich nicht von der Art, daß damit füglich Instrumente bezeichnet werden können, z. B. rwn ^\*i \zb ITlD OpTH 3) Wäre es in der That auffallend, daß weder in 1. Chron. XXV. 1 u. 5, und 1. Könige X. 12 noch in den Psalmen selbst, insbesondere 150, und in andern Stellen, wo die musikalischen Instrumente erwähnt sind, irgend ein Name der Art vorkommt, wie sie in den Ueberschristen der Psalmen stehen. 4) Ist auch der syntaktische Sprachgebrauch dagegen. Niemals wird nämlich bei'm Spielen auf Instrumenten byi sondern immer 2 gebraucht. Hiernach will ich nun meine eigene Hypothese vortragen. Ohne Zweifel gab cs schon zur Zeit des ersten Tempels außer den Gesängen, welche wir in der heil. Schrift besizzen, noch mancherlei weltliche Lieder, welche ein jeder kannte und zu bestimmten Zeiten sang. Einige solche werden ausdrücklich erwähnt Ies. XXIII. 15. XXIV. 9. Hesek. XXXHI. 33. Amos V. 23. VIII. 3. 10. Wahrscheinlich bezeichnte man jedes Lied mit dem Anfangswort, wie dies von jeher bis auf den heutigen Tag üblich ist; denn die Alten nennen Das mosaische Lied lmxni und wir nennen die liturgischen ubvy p-iK u. s. f. Wahrscheinlich hatte auch jedes Lied seine eigne Melodie, welche man wiederum mit dem Namen des Liedes bezeichnte, wie dies ebenfalls noch geschieht. Ich wäre nun geneigt, anzunehmen, daß die hier in Rede stehenden Ausdrücke lauter Anfangsworte bestimmter Lieder waren und zur Bezeichnung der Melodie dienten. —, In Ps. XLVm steht Bezeichnung am Ende des Stücks, so wie auch in Habakuk, wo ganz klar diese Schlußworte mit dem letzten Verse gar keine Verbindung haben. Vielmehr ist das letzte Wort in Ps. XLVin ein angemessener Schluß, wie Ies. XXXIII. 22. — Allerdings laßt sich, da die Lieder nicht vorhanden sind, meine Hypothese nicht bündig beweisen; indeß findet sich doch ein merkwürdiges Beispiel, welches auch auf obige Entdekkung geführt hat. Es läßt sich wohl denken, daß die Israeliten in Zeiten der Noth oft gebetet und um Erhaltung des aus Aegypten vormals befreieten Volkes gefleht, und namentlich des Bundes der Väter dabei erwähnt haben. Dazu hatten sie eine schöne und herrliche Formel im Deut. ix. 25 — 29, welches nach dem Anrufe mit den Worten nnt^n beginnt. Hatte nun dies Gebet eine bestimmte Melodie, so konnten alle nachmals mit gleicher Melodie gesungenen Psalme damit bezeichnet werden. Somit wäre die Ueberschrift 57. 58. 59. 75 erklärt, und danach kann man auch ähnliches von den übrigen vermuthen. Es bleibt mir nur noch übrig, den Sinn der einzelnen Ausdrücke zu erläutern. *) *) Die folgenden Bemerkungen sind nur die Resul täte au dem etwas diffusen Original. Wir geben sie kurz, da sie nur Erklärungsversuche enthalten, die sich nicht erweisen lassen, zum Theil auch gewagt erscheinen. I. NL5I2 heißt derj vorzügliche jS ä^n ger (Vergl. 2. Chron. xxxiv. 12) dagegen wenn hinzugcfügt wird, der vorzüglichste Saitenspieler. (Das. xv. 21. rn^TUH Pfi V. (nicht. by~) sind wahrscheinlich zusammen Anfangsworte eines, vielleicht auf einen Bienenschwarm gedichteten Liedes. nwn by VL und xn. gehört zu nSJD und bezeichnet wohl ein Springen von einer Oktave zur andern; und demnach Ps.xii. mit der Stimme, Ps. VI. auf dem Instrumente. (Vergleiche hiemit Schilte haggiborim.) nTC" ursprünglich vielleicht ein Gesang aus eine gefeierte Frau aus re* Dessen Melodie also ward zu Psalm LXXXI. LXXXTV und VIII benutzt. p*? me (Stirb für den Sohn) vielleicht von einem Ereignisse herrührend, gibt die Melodie zu IX und Ende Xl-VIII. nNL'n wahrscheinlich (nach Prov. V. 19 zu urtheilen) ein Lied der Liebe oder Freundschaft. mp die eilf mit diesen Worten bezeichneten Psalmen (unb l-XXXVili in sich selbst widersprechend) haben nichts unter sich gemein; daher ist entweder auch dieß ein Anfang eines Liedes; ober diese Worte benennen die derzeitigen Sänger (nicht Verfasser.) D'Wltt' by ursprünglich wohl ein Lied auf Lilien. Fi^nEi by entweder o»m. prop., oder ein Lied auf Krankheit und so lassen sich alle übrigen muthmaßlich erklären. Anmerkung des Herausgebers. Die Hypothesen des Herrn Reggio verdienen, selbst wenn sie im ersten Augenblicke neu und seltsam erscheinen, doch in gewisser Beziehung besondere Aufmerksamkeit; sie führen mindestens auf kritische Rücksichten, die bisher gar nicht wahrgenommen wurden. So wie wir sie vor uns haben, bedürfen sie allerdings immer noch vielseitiger Erörterung. Wenn das größere Werk erschienen sein wirb, gedenken wir dasjenige daraus, was die Wissenschaft aufhellen kann, ebenfalls hier nachträglich mitzutheilen. Notizen. Wissenschaftliche Kenntnisse der Rabbinen. Wer einen Blick in die Schriften der Rabbinen gethan hat, wird sich überzeugen, daß sie im Allgemeinen keine wissenschaftlichen Kenntnisse besaßen. Weder in Beobachtung der Natur, noch in historischen Mittheilungen sind sie genau und sorgfältig, und was sie aus fremden Quellen schöpften, scheinen sie nur oberflächlich aufgefaßt oder wenigstens keiner besondern Sorgfalt gewürdigt zu haben. So z. B. die astronomischen Angaben über den Lauf der Planeten, Beresch. Rabbah. 10, die naturhistorischen über die Trächtigkeitszeit einer Anzahl von Thieren ebendaselbst 20, und an unzähligen andern Stellen.