Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 9 (1.3.1839)
- Date
- 1839-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 des Zuschnittes gewisser Kleidungen, Mäntelchen, Hüte und was weiß ich, hat schon so manchen aufgebracht, welcher wenige Jahre später seine eigene Kinderei belacht hat. Wollten die Staatsbehörden alle solche abgeschmackte Gewisscnsscrupel berücksichtigen, so wäre kein Ende des Angebens, Einschränkens und Verurtheilens. Von der Wcrkheiligkeit will ich lieber ganz schweigen, das ist unsere verwundbarste Stelle. Nun freilich winden sich viele heraus; manche auch wieder hinein; was am Ende daraus wird, können wir, wenn man uns nur uns selbst überläßt, abwarten. Sie wollen ja auch keine theologischen Abhandlungen; also still! Aber wenn den tüchtigsten Männern wegen angeblicher Verletzungen des Gesetzes, jahrelange Processe und Widerwärtigkeiten bereitet werden, wenn der blinde Eifer oder der schändliche Eigennutz gehässige Insinuationen verbreitet, um den guten Ruf geachteter Personen zu untergraben, oder wenn gar die Jntrigucn sich schmählich fremdartiger Einflüsse bedienen, um, was die Vernunft nicht verfechten kann, durch weltliche Mittel zu erreichen, — dann ftehr cs doch noch nicht so ganz zur. feie können diese Wege zu Verbesserungen des Cultus und der Erziehung führen? Gegen solche Verfahrungsweisen empört sich jedes edlere Gemüth! Man muß so vielerlei Zerwürfnisse öffentlich beleuchten, um endlich das Bessere zu erlangen. Die Schulen sind meistens gut, oder durch das Bedürfnis genöthigt, den Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen. Aber die Synagogen? Welch ein trauriges Bild! Und doch geht die Kultur jeder Religion von den gottesdienstlichen Einrichtungen aus, oder es zeigen diese wenigstens den Grad und die Art der religiösen Bildung an. Was ließe sich über solche Dinge nicht Lehrreiches sagen? und wie viel bleibt noch zu thun? Das ist nun ein kleines Widcrspiel zu ihren Behauptungen, und ich meine nicht der Einzige zu sein, der sich so darüber ausläßt. Die Annalen wollen nun keine Parthei begünstigen, gut, so mag jede reden; mögen die Thatsachen sprechen. Mit dem Schwimmen in allgemeinen Sentenzen täuscht man sich gar leicht. Bewahren Sie mir die gewünschte Anonymität; es kommt ja nur auf die Wahrheit an, nicht auf den, der sie sagt. Findet ein Wort zu seiner Zeit Anklang, so wird sich wiederum Zeit für ein anderes Wort finden. Anmerkung des Herausgebers. Wir tbun am Besten, den obigen Aufsatz so zu geben, wie er sich selbst gibt. Die Wahrheit der darin angeführten Thatsachen steht unbestreitbar fest; die darin sich aussprechende Ansicht weicht nur von der unsrigen in so fern ad, als sie die Große der seit 25 Jahren gemachten Fortschritte nicht ganz anerkennt. Es kommt hier vieles auf den Maßstab an, den man anlegt. Der erlangten allgemeinen Cultur zufolge könnte allerdings mancher Gegenstand der Beschwerde bereits hinweg geräumt sein. Was durch Diskussion zu befördern ist, möge geschehen! Dazu dienen ja die öffentlichen Blatter, deren Bedürfniß sich immer mehr ausspricht. Was aber unsre Haltung betrifft, so wünschen wir sie nicht zu ändern, vielmehr stets mit der Ruhe der Wissenschaft zu discutiren, wie es die Sache erheischt. Auch die Abweisung von theologischen Untersuchungen, alsz.B. über Wesen der Offenbarung, über Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit einer Tradition, und dergleichen Fragen, die durch keine Flugblätter-Besprechung ermittelt und erledigt werden können, die Leser aber nur irre machen müssen, scheint uns für den Zweck unsrer Blätter wesentlich. Wir haben Abhandlungen über theologische Angelegenheiten, in so fern sie in den Bereich der Quellenstudien und derGesetzeskunde gehören oder auf Anordnungen und Einrichtungen Bezug haben, ia sogar die Darlegung der verschiedenen Lehrweisen bestehender Sectenund Partheien keinesweges ausgeschlossen. Uebrigens wünschen wir nichts sehnlicher, als daß Sachkenner uns recht gründliche Darstellungen obwaltender Verhältnisse zusenden, auf daß die Wahrheit und das Recht gefördert werde. Damit läßt sich jedoch sehr wohl die unerschütterliche Loyalität und Ehrerbietung vor Staat und Religion, welche wir zur Bedingung machen, verbinden. u e b e t f i cj> t der Neu-Hebräischen Literatur weltlichen Inhalts in Prosa und Versen. Von Le9\pold Dukes. I. Gnomen. An die Sprüchwörter Salomons schlossen sich nach Jahrhunderten die Sprüche Sirachs an*), auch im Talmud sind eine Menge Sprüche, Maximen und Sprichwörter aufbewahrt, die deherzigenswerth sind für viele Verhältnisse des Lebens, und welche zu sammeln und zu ordnen ein höchst verdienstliches Werk wäre. **) Dies war der ganze *) Vergleiche Eichhorns Einleitung zu den Apokryphen S. 55. Zunz Vorträge S. 10p f. f. Vergl. auch die Vorrede zu der schönen hebräischen Uedersetzung von I. Benseeb. (Wien 180?.) **) In dem Buche pan (Sentenzen der Rabbinen) Frankfurt a. M. mo, von Israel Michelstadt, worin 9*