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Israelitische Annalen · 1839-02-22 · Heft 8 (22.2.1839) · p. Seite 61

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 8 (22.2.1839)
Date
1839-02-22
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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^ajs^r — 61 — sinn nicht immer die rechte Seite wahrnehmen. Der Eifer, mit dem sich Affer der Israeliten annahm , war bei ihm nicht die Folge eines religiösen Bedürfnisses, nicht ein Mißfallen an den alten Formen, an den Verkrüppelungen und EntsteNungen der Religion durch ungebildete Rabbinen und ein Verlangen nach Reinheit der Lehre! Es war nur ein glühender Eifer für Freiheit, ein unauslöschlicher Haß gegen jeden Geistesdruck, der von seinem wackern Vater sich auf ihn vererbte. In früher Jugend mit republikanischen Grundsätzen erfüllt, später als reifer Mann ein Bewunderer des Napoleon'schen Genie's, und endlich ein besonnener Diener seines edeln Königs, war er den politischen Ereignissen seinem Alter gleichsam analog gefolgt, und seine Principien schritten mit ihnen in demselben Maaße fort. Aus dem Sohne der Revolution hatten Zeit und Umstände einen Feind jeder raschen Staatsumwälzung gemacht; aber die Gleichheit aller Religionen vor dem Gesetze und freie Religionsübung galten ihm als ein heiliges Recht, welches er auch den Juden zu erhalten trachtete. Darum war er ein Bewunderer der Sanhedrin, trotz ihrer geringfügigen Wirksamkeit, darum gibt er als die erste Thätigkeit seines Collegiums an, daß eS jeder Ungerechtigkeit gegen Israeliten kräftige Abhülfe bringe. Seine Thätigkeit für Juden war also nicht, wie bei Jacobson, eine religiöse, sondern eine juristische und politische und insofern stand sie auch im besten Einverständnisse mit seinem andern Wirkungskreise. In so manchen Dingen sah sein Scharfblick richtig genug, um unzeitigen Plänen seiner Berichterstatter entgegenzuwirken. Dies beweist die nach seinem Tode in's Leben getretene Seminarverwaltung. Der Ordnung zu Liebe hat man ein Rabbinenseminar, worin junge Geistliche und Religionslehrer ihre Bildung erhalten sollen; die Vorbereitungen sind getroffen, aber mit derselben Mangelhaftigkeit, wie bei den andern Instituten. Hierüber hat sich bereits eine öffentliche Stimme vernehmen lassen, *) welche sich folgendermaßen ausdrückt: „Die Versammlung ist zusammengesetzt aus Männern, die entweder als blinde Eiferer für intolerante Dogmen bekannt oder zu abhängig sind, um bei dem besten Willen mit genügender Freiheit handeln zu können. Und doch gibt es hier eine *) Algemeen Handelsblad vom 3. Nov. 1836. der vorzüglichsten Angelegenheiten der niederländischen Israeliten, nämlich die Reform seiner Geistlichkeit; einer Reform, so nothwendig, ja unentbehrlich nicht nur um dem Strom des wiederkehrenden Fanatismus einen Damm entgegen zu setzen, sondern auch um den früh oder spät zum bessern Fortschreiten angewendeten Mitteln einen glücklichen Erfolg zu sichern. In allen bürgerlichen Gesellschaften ist die sittliche Bildung mit dem größeren oder geringeren Grade religiöser Erleichterung auf's innigste verbunden, und wo die Lehrer der Religion selbst auf einer tiefen Stufe der Entwickelung stehen, da läßt sich schwer etwas Gutes von ihrem Einflüsse erwarten! ... ." Diese Stimme verhallte. Wir finden demnach die bisher gethanen Schritte unzulänglich und zwar lediglich deßhalb, weil überall nur die äußere Nützlichkeit die Reformen hervorrief, dagegen die Begründung einer zeitgemäßen Erziehung in ächt religiösem Sinne wenig beachtet wurde. So viel daher von Carl Asser und seinen Zeitgenossen geleistet worden, so bleibt im Innern noch sehr viel zu thun übrig. Literarische Auszüge. Don vr. Creizenach. Die hebräische Literatur besitzt viele kleine Schriftchen, die selbst von den Zeitgenossen der Verfasser wenig beachtet wurden, und die man auch ohne Bedauern der Vergessenheit Preis geben dürste, wenn es nur um ihr eigentliches Thema zu thun wäre; man findet aber in vielen unter ihnen nebenbei interessante Aufschlüsse über das Leben und die Sitten der jüdischen Gemeinde, die es wohl werth sind, aufbewahrt zu werden. So findet man in dem Schriftchen Zeven Mezulah über die schweren Verfolgungen, welche die polnischen Juden im Jahr 1648 zu erdulden hatten, einen Bericht über die damaligen Sitten und Einrichtungen der Juden in Polen, der in manchem Betracht sehr lehrreich ist, und den wir hier in gedrängtem Auszug mittheilen wollen: Die Schilderung zerfällt in sechs Punkte. Die drei ersten betreffen die drei Dinge, auf welchen, nach Simeon dem Gerechten, die Welt steht: Das Religionsstudium, der Gottesdienst und die Mildthätigkeit, und die drei letzten die drei Dinge, durch welche, nach R. Simeon den Gamaliel, die Welt erhalten wird: Die Gerechtigkeitspflege, die Wahr- , heit und der Friede. I. Religionsstudium. Jede Gemeinde hatte einen gut besoldeten Rosch Jeschibah, der sich das ganze Jahr entweder in seinem Hörsal oder in der Synagoge aufhielt.

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