Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-02-22 · Heft 8 (22.2.1839) · p. Seite 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 8 (22.2.1839)
Date
1839-02-22
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133775--0072-3134173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nachher diese Abtheilung einging, wurde Affer als Chef an der Rechnungskammer angeftellt; doch widmete er sich auf's Neue der gerichtlichen Praxis, bis zur Vereinigung des Königreichs Holland mit dem französischen Kaiserreiche, worauf er am 4. Januar 1811 zum Friedensrichter des ersten KantonS der Stadt Amsterdam ernannt wurde. Am 23. Oktober 1815 wurde Asser zum Chef de Bureau im Departement der Justiz ernannt, in welchem Verhältnisse er die letzten 21 Jahre seines Lebens thätig geblieben ist. Nur wurde unterm 25. Mai 1817 sein Titel in den eines Referendars erster Claffe beim Staatsrath und Attache bei'm Justizdepartement verändert; und im Jahr 1831 wurde er in derselben Qualität mit der Wahrnehmung des Sekretariats bei diesem Departement beauftragt. Er war bereits 1821 zum Ritter des Ordens des niederländischen Löwen ernannt worden. Außer seinen Amlsverrichtungen beschäftigte ihn noch die Ausarbeitung eines Gesetzbuches; auch war er späterhin Mitglied der Commission für Gesetzgebung, wo er vielfache, mitunter verdrießliche Thätigkeit fand. Seine Arbeiten und Streitschriften in diesem Fache können wir hier übergehen. Für seine Glaubensgenossen hat er vieles geleistet. Schon in dem oben berührten Berichte an König Ludwig hatte Affer auf die Errichtung von Consiftorien nach dem Beispiele Frankreichs, als zeitgemäß hingewiesen. Dieser Wunsch ward von selbst erfüllt, als Holland nun ein Theil des Kaiserreichs wurde. Asser gehörte zuerst zu den Notabeln des Arrondissement von Amsterdam, und wurde später Mitglied des Consistoriums. Daß von dieser Wirksamkeit aus jener bewegten Zeit sich weiter keine Spuren zeigen, darf nicht befremden. — Asser gehörte übrigens nach der Rückkehr des Hauses Oranien zu der ,, consulirenden Commission" zur Feststellung der Verordnungen hinsichtlich der israelitischen Gemeinden im I. 1813, wurde Mitglied der am 14. Juli 1814 an die Stelle dieses Collegiums getretenen Commission „für die Angelegenheiten der Israeliten" und blieb nach festgestellter Organisation Mitglied der „ Haüptcommission für die israelitischen Angelegenheiten," deren Vicepräsident er später wurde, und worin er seit dem 21. August 1828 das Präsidium hatte. Die Stellung dieser Behörden schildert Herr Asser selbst: „Dieser Körper übt einen wohlthätigen Einfluß auf seine Glaubensgenossen aus; er arbeitet unmittelbar mit dem Cultministerium, und kann sich an den König selbst oder an die Minifterialdepartemente wenden, wenn es sich um die Interessen des Glaubens oder seiner Bekenner handelt. Wenn die Commission die geringsten Spuren von Ungerechtigkeiten gegen Israeliten, als solche, in Erfahrung bringt, wendet sie sich an's Gouvernement, und kann stets sicher sein. Abhülfe zu erlangen. Das Consiftorium überwachet die Synagogen und Rabbinen,, und sorgt dafür, daß die Reglements genau befolgt werden, daß die Rabbinen sich in den ihnen angewiesenen Grenzen ihrer Macht halten, und daß sie in ihren Reden die Mitglieder ihres Sprengels zur Liebe für König und Vaterland, und zur Erfüllung aller Bürgerpflichten ermuntern. Das Consiftorium überwacht ferner die Kirchenvorfteher, daß sie das Budget ihrer Einnahmen und Ausgaben nicht willkührlich überschreiten. Endlich steht der religiöse Unterricht unter der hohen Leitung dieses Körpers." *) Asser unterlag frühzeitig den vielen Anstrengungen. Im April 1836 überfiel ihn ein heftiges Nervenfieber, von welchem er nur langsam genas. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit machte er einen kleinen Ausflug nach dem Rheine, wo er in Wiesbaden einige Zeit verweilte. Dort wurde er mit Rieß er's Schriften bekannt, die auch ihn so Hinriffen, daß er fie in's Holländische zu übersetzen beschloß. Allein am Tage nach seiner Rückkehr, den 25. Juli, hatte er eine heftige Krampfkolik, an deren Folgen er den 3. August 1836 in den Armen seiner Familie verschied. „In seinem häuslichen Leben," so erzählt ein holländischer Biograph, „war Asser einfach, sittig, eingezogen und Feind aller Pracht und alles Prunkes. Er war der Rathgeber seiner Familie, und sein Rath wurde von ihnen stets gut befunden. Niemanden, der sich um Hülfe, Beistand oder Unterstützung an ihn wendete, ließ er unbefriedigt. Stets liebenswürdig, wohlthatig und mitfühlend, war er bei den Dürftigen aller Confessionen fast angebetet. Seinen Freunden, deren er viele hatte, war er mit Herz und Seele ergeben, und die Freundschaft, die er einmal für Jemanden gefaßt hatte, konnte kem Umstand schwächen. Seine Gespräche in geselliger Precis historique pour l’etat des Israelites. 8*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.