Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 7 (15.2.1839)
- Date
- 1839-02-15
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 ehrende Gewohnheit in ihrer ganzen Blöße erkannt. Sind dieses Zeichen des Wahnsinns, der Narrheit, der Lächerlichkeit? Dann sind es auch die größere Ordnung, womit überall das Gemeindewesen verwaltet wird, die strenge Forderung einer erbaulichen Andacht bei'm Gottesdienste, der Fleiß, welcher auf körperliche und sittliche, wie wissenschaftliche Erziehung verwendet wird, die Arbeiten für Verbesserung des Schulwesens, die Opfer für Ausbildung tüchtiger Handwerker, — kurz, die ungemeine Thätigkeit für alle Verbesserung, welche durchaus nur das Werk unseres Jahrhunderts ist. Will auch der Verfasser diese sichtbaren, der Welt offenkundig vorliegenden Thatsachen als Wirkungen des Teufels oder des Wahnsinnes schildern, so darf er doch nicht voraussetzen, daß ihm so etwas auf einige Spottphrasen hin geglaubt werde! — Unsere Zeit mag den Vorwurf tragen, (so ganz gewiß sagen wir es nicht) etwas zu materiell zu sein, aber dieß ist gewöhnlich die Folge einer starken Verstandesbildung, nicht aber des Unverstandes. Uebrigens darf man nicht gegen eine ganze Zeit klagend austreten; was sich in der Zeit Schlechtes entwickelt, geht auch in ihr unter; und das Gute bleibt. So durchgängig materiell sind auch die neuern Juden nicht, und am allerwenigsten revolutionär, wenn gleich jeder eine Besserung der Zustände herbeiwünschen muß. Vielmehr regt sich unter ihnen, sobald ein nützliches Werk von größerem Belange auftaucht, eine löbliche Theilnahme überall, wie dieß örtlich bei Entstehung einzelner Anstalten, und allgemeiner noch im verwichenen Jahre bei der von Hrn. vr. Philipson durch die allgemeine Zeitung des Judenthums verbreiteten Aufforderung zur Errichtung einer jüdisch thelologischen Facultät, sich genügend bewährt hat. Wir müssen beiläufig bemerken, daß diese Angelegenheit sich noch größerer Unterstützung erstellen würde, wenn sie gleichzeitig die Bürgschaft dardöte, daß die Beitretenden nicht etwa bloße Sinecuren schafften, oder gar ihren eigenen Gegensatz in's Leben riefen; eine Bedenklichkeit, welche allerdings obwaltet und wohl nicht leicht beseitigt werden kann. Aber selbst so weit der Erfolg gediehen ist, zeugt er gegen die Anklage eines allzugroben Materialismus.— Die Richtung unserer Zeit, und namentlich der von dem Verfasser des Briefwechsels angegriffenen Partei — die übrigens keine Partei bildet—ist weder aus thörichten Hoffnungen und anmaßenden Forderungen der Selbstsucht, sondern vielmehr aus den Mahnungen der Zeit hervorgegangen, deren rasche Thätigkeit die Räber stärker als gewöhnlich gedreht hat. Wir zweifeln, daß es dem Unwillen derer, welche aus Fahrlässigkeit oder Eigensinn Zurückbleiben, irgend gelingen könne, den Lauf der Entwickelung zu hemmen. Wir trauen auch dem Angreifer nicht einen so großen Mangel an Weltkenntniß zu, und meinen, es sei mehr sein Plan, jeder allzustarken Bewegung entgegenzutreten und jeder Ausartung vorzubcugen. Wir können aber durchaus nicht hoffen, daß es ihm durch seine Theorie gelingen werde, eine glücklichere Praxis hervorzubringen. Die Grundsätze, welche er unterlegt, sind nicht haltbar, auch nicht in Israel anerkannt; die daraus gezogenen Consequenzen aber können nur den Widerspruch zwischen Lehre und Leben vergrößern, und das Gewissen schwacher und unwissender Menschen unnöthiger Weise beunruhigen. Wir möchten wohl sehen, welche europäische Staatsbürger aus der Erziehung hervorgehen müßten, die das Buch zu veranlassen sucht. Glücklicherweise kann solch ein Gewebe in unfern Zeiten wohl erdacht, aber nicht in der Wirklichkeit angetzrtigt werden. Wir können daher unbekümmert um den Anklang, den jede kecke Behauptung einige Zeit findet, das Uebrige der Zeit und dem gesunden Verstände überlassen. Auch wird wohl der Angreifer, dessen Jugend einen Theil seiner Irrung übernehmen muß, bei gereifterer Erfahrung so manche seiner Reden gerne mäßigen. Uebrigens möge er fortfahren, für Wahrheit rüstig zu kämpfen. Allein dann ist zuvörderst nothwendig, daß er mit der Würde austrete, welche die Sache fordert, und alle diejenigen Mittel verschmähe, welche nur augenblicklich die Theilnahme des Volkes ansprechen, hinterher aber durch ihren eigenen Unwerth alle Achtung einbüßen müssen. An al ecten von vr. Carmoly in Brüssel. .1. Historische Anfragen. In meiner Sammlung von Handschriften befindet sich eine Abhandlung über das Studium der Wissenschaften und insbesondere der Medicin, von Jacob B. David Provenzal aus Marseille. Dieser schreibt unter andern: „R. Jehuda Levi, R. Salomo Gabirol und Ben Palkira in Spanien, und bei uns Provenzalen, ij'üyp und Charisi und Sulmi, sind größere Dichter und Sänger als der Maimonide, der Nachmanide u. a., welche in Gelehrsamkeit mehr leisteten!" Hier ist ein unbekannter Name, und man möchte wissen, wer mit dem Worte gemeint sei? Was die beiden andern betrifft, so ist Charisi ohne Zweifel der allgemein bekannte, und wird zu den Provenzalen gerechnet, weil er sich wahrscheinlich lange in der Provence verweilt hat. Der Sulmi wird Juchasin (eä. Crac.) S. 71 bei Aba v. Acco erwähnt, und ist wohl der bei Bartol. (auch Wolff. 2122) erwähnte Samuel Sulmi.- Derselbe schreibt ferner: Es hat auch jüdische Aerzte an königlichen Höfen gegeben, z B. R. Elchanan und «7ein Sohn R. Schmarjah, welche Leibärzte von Königen waren. Der Erstere war ein großer Arzt und stand in hohem Ansehen beim Kaiser Octavian dem Andern, den er von einer schweren Krankheit hergestellt hatte, und von welchem er reichlich beschenkt ward. Letzterer ist noch in Spanien bei König Anfos (Alfons?), denn er ist ein großer Astronom und Arzt. Es fragt sich, welcher Kaiser und welcher König hier gemeint seien, und welche berühmte Aerzte sonst aus jener Zeit noch bekannt sein mögen?