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Israelitische Annalen · 1839-02-08 · Heft 6 (8.2.1839) · p. Seite 46

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 6 (8.2.1839)
Date
1839-02-08
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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mit, und endlich sich selbst verbrennt.—Dann aber geht er zur Wirklichkeit über, um nachzuweisen, 1)daß (S.7) in den gemeinschaftlichen Versuchen der Geiger'schen Zeitschrift trotz der 6 Grundsätze, welche G. aufstellt, oder der „sechsläufigen Fieschi-Maschine," durchaus kein System des Zudenthums herrsche, sondern alles nur auf Zerstörung gerichtet sei, welcher weiter nichts fehle, als der klare Ausspruch dieser Absicht und des offenkundigen rationalistischen Prinzips. Hierauf wird die Consequenz und Wahrheit dieser Grundsätze besprochen. 2) Läßt sich derselbe genauer aus über die Leistungen des Herrn vr. Creizenach (dort unrichtig Kr. geschrieben), welcher in einzelnen Heften und Aufsätzen versucht hat, aus den ältern religiösen Werken eine Ausgleichung des obigen Widerspruchs zu ermitteln,! (allerdings ein schweres Unternehmen). Er gehet in allen j Irrgängen des weiten Labyrinthes herum, um nicht bloß die i Unhaltbarkeit der Sätze des Hrn. vr. Cr., sondern auch dessen Willen und Absicht zu verdächtigen und dem Hohn und Spott preis zu geben (S. 14 — 33). 3) Bespricht der Verfaffer einzelne Monographien dreier Rabbinen in der Zeitschrift (Kohn, Dr. Aub, Stein,) über Trauergebräuche; eine von S. Stern über die Sitte verheiratheter Frauen, ihr Haupthaar zu verhüllen; eine Enschcidung des Rabbiners Gutmann, welcher sich offen gegen eine bestehende Form erklärt hatte; endlich 4. (S. 51 — 67) analysirt er zwei vvn Herrn M. Brück herausgegebene Brochüren auf seine Weise mit Herbeiziehung der Belege, deren Resultat ebenfalls zur gänzlichen Vernichtung der von diesem aufgestellten Grundsätze und Ansichten führen soll. Der Schluß dieser Fehde ist eine völlige Verdrängung aller der hier genannten Wortführer, als dieses Geschäftes unfähig, untüchtig oder unwürdig. Nachdem somit alle Gegner aus dem Felde geschlagen i sind, bleibt ihm noch übrig, die Zeit in's Auge zu fassen, und sich selbst die Frage vorzulegen, welche diese Fehde hervorgerufen hat. Darauf findet er erstlich die Tröstung, daß ähnliche Wirren schon früher in der Geschichte der Israeliten vorgekommen und doch wieder einem bessern Geist starker Einheit (?) gewichen seien; und zweitens die Pflicht aller Getreuen, zusammenzutreten und durch feste und bestimmte Maßregeln jede Einmischung fremder Elemente und jedem Eingriffe in die Autorität der rabbinischen Satzungen in ihrer ausführlichsten Breite und unerschütterlichen Consequenz, zu verhüten. Er fordert Anstalten zur jüdischen Bildung der Kinder, Anstalten zur Bildung jüdischer Lehrer, Anstalten zur Bildung jüdischer Rabbiner, Vereine zur Bildung jüdischer Handwerker, Vereine zur Verbreitung der Lehre unddes Gesetzes unter das Volk. So weit haben wir vorläufig für angemessen gehalten, über den Gang der begonnenen Fehde zu berichten. Der Handschuh wird wohl ausgenommen werden. Die Sache ist zu ernst, um durch Stillschweigen der Vergessenheit übergeben zu werden; auch läßt der Verfasser noch weitere Angriffe erwarten. Es ist nun unsers Amtes durchaus nicht, den Gel ehrten-Streit, welcher aus den besprochenen Belegen sich notwendig entwickelt, zu entscheiden, er interessirt das Publikum auch höchstens aus Neugier, wer etwa den Andern an Sachkenntniß oder Scharfsinn ausstechen dürfte; wir überlassen die Selbstverteidigung füglich denen, welche ihre Behauptungen schriftgemäß aufgestellt zu haben vermeinen. *) — In so fern aber die Angriffsweise des Briefwechsels historische Zustände unsrer Zeit berührt, bekämpft, und zum Theil in ein Licht stellt, welches dereinst noch die schiefsten Urtheile erzeugen kann, erlauben wir uns eine Entgegnung, gern bereit, alles was weiter für und wider die gegenwärtigen Bestrebungen von Seiten der Parteien im allgemeinen Interesse gesagt werben sollte, so weit es für unsre Blätter sich eignet, aufzunehmen. Zunächst hat der Angreifer ohnstreitig darin gefehlt, daß er sich einer Waffe bedient, welche von jeder Religionslehre als verwerflich und der Heiligkeit der Sache unangemessen angesehen wird, nämlich: des beißenden Hohnes. Die im Religionscifer oftmals bei starken Geistern hervortretende bittere Ironie gegen Zustände der Zeit ist hier in einen höchst tadelnswerthen Spott gegen Männer ausgeartet, deren Streben und Wirken einstimmig, selbst bei allen, welche deren Tendenzen mißbilligen, die unbedingteste Achtung gebietet. Es ist wenigstens nirgends eine Coterie, ein Sichgeltendmachen, ein gelehrter Hochmuth, noch viel weniger Heuchelei und Eigennutz bemerkbar. Vielmehr werden sämmtliche Gegner, die hier angegriffen sind, in ihrer amtlichen Stellung als gewissenhafte und die Mische Gemeinde ehrende Männer anerkannt. Schon darum gebot die Billigkeit, wenn auch der hcrbeste Eifer gegen ihre Tendenzen schonungslos wüthete, daß ihrer Moralität kein Makel angeheftet und daß ihre Würde nicht vor den Augen eines, den Streit zu entscheiden unfähigen Lesepublikums, durch Spott und Schmähreden bemakelt und mit Füßen getreten werde. Die vorw örtliche Verwahrung gegen alle Persönlichkeit kann dies Mißverständniß nicht tilgen, sie verschlimmert dasselbe nur; denn weit weniger wird derjenige beleidigt, den ein unbedachtsamer Eifer verunglimpft, als der, den man unter Betheuerung der edelsten Absichten in seiner moralischen Blöße darstellen zu müssen vorgiebt. (Schluß folgt.) Literarische Berichte. Über den von Herrn vr. Scheyer mit Uebersetzung und Anmerkungen herausgegebenen dritten Theil des More Nebuchim. Von vr. Creizenach. Diese Arbeit verdient von allen Freunden der hebräischen Literatur und des rationellen Fortschrittes mit Freude und Dankgefühl gegen den verdienstvollen H. Verfasser ausgenommen zu werden. Sie liefert uns zugleich einen correcten Text, *) Die Zeitschrift für Jüd. Theol. ist mit einer sachgemäßen Antwort beschäftigt; und vr. Creizenach wird durch den dritten Band s. Schulchan Aruch seine Lehrsätze rechtfertigen.

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