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Israelitische Annalen · 1839-02-08 · Heft 6 (8.2.1839) · p. Seite 44

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 6 (8.2.1839)
Date
1839-02-08
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 er selbst den Rabbinen entgangen war, verfolgten sie den allgemein??rehrten R. I. Baffan, und behaupteten, er habe ihm einen Thcil seiner Schriften, dem Bann zuwider, ausgeliefert. Dadurch gekränkt, schrieb dieser an alle Rabbinen in der Nähe, um sie nicht bloß von seiner eigenen Unschuld*), sondern auch von dem, dem Luzzato widerfahrenen Unrecht zu überzeugen. Es gelang ihm auch theilweise, die Aufregung zu besänftigen. Jndeß ist er von einer gewissen Vorliebe für Luzzato nicht freizusprechcn. Auch lehrt der noch vorhandene Empfangschein, daß der Inhaber der Manuskripte auf sein Geheiß im Frühling 1736 die Bücherkiste nach Frankfurt am Main spedirt hatte, von wo sie ohne Zweifel nach Amsterdam befördert ward. Er selbst starb hochbejahrt 1739. — Bald sprach man von Luzzato nicht mehr. Seine Freunde meldeten ihm nur wiederholentlich zu ihrem Bedaueru, daß ihre Schule sich fast ganz zerstreut habe. Seine Verwandten kehrten 1739 wieder nach Padua zurück. Er gab ihnen einen Brief an seine Freunde mit, aus welchem erhellt, daß er von seinen kabbalistischen Studien nicht abgelaffen hatte. Jndeß blieb er unangefochten. 1740 gab er unter Begleitung beifälliger Vorworte der Amsterdamer Rabbinen, so wie Raphael Meldola's von Bayonne seine Morallehren qv-ibp rfeö **) heraus; ein vortreffliches Werk. Im Jahr 1742 erschien von ihm n'D'Qn "pH***) eine Propädeutik zu talmudischen Studien. Sein allegorisches Gedicht nbnn*743****) zeigt auch wieder seine ganze Dlchrerkraft. Verschiedene andere kleinere Schriften öon ihm besaß sein Schüler D. Franco Mendez; von denen 4f) im Jahre 1783 gedruckt wurden, und in *) Kerem Chem. n. 63 ff. Er beschuldigt die Venezianischen Rabbinen der größten Unredlichkeit im Verfahren. Besonders aber schildert er den Mose Chagis als hochmüthig und boshaft. In der That verliert dieser durch seine eigenen Schriften sehr in den Augen derer, welche die Motive seiner Urtheile durchschauen. D. H. **) Wieder gedr. in Solkow 1766, in Mantua 1781, in Lüneville 1806 und wieder in Solkow 1808. ***) Wieder gedr. Offenbach 1788, Lemberg 1833. ****) Wieder Berlin 1780, Lemberg 1780, 1813, 1823 und in dem Werke rfiNön von A. M. Bamberg. 1737. i) Sie führen die Titel 7D2I7 “pT ein Gespräch über Wissenschaft; nTUm über die im Taldenen sich , zum Theil wiederum der kabbalistische Geist blicken läßt. Er selbst aber zog im Jahr 1743 nach Jerusalem (der Verf. dieser Erzählung meint, um seine Mission als Messias -u verwirklichen; — aber Belege hierzu fehlen.) Von der Zeit an weiß man nichts weiter von ihm, als daß er im Frühjahr 1746 (zugleich mir Frau und Kindern) in Akre *) an der Pest starb, und in Tabaria begraben ward. Diese letztere Nachricht ward von hier aus mit der frommsten Belobung seiner hohen und unvergeßlichen Verdienste/ von dem Räbbinate nach außerhalb gemeldet. Schlusibemerkungen. Die Verfolgungsgeschichte dieses Mannes, der sich übrigens in der Literatur bleibende Denkmale gesetzt hat, giebt mannichfache Aufschlüsse über die Richtungen, in welche die jüdischen Studien damals divergirten, und über die Ausartung, in welche sie, sobald ihnen das Licht der Wissenschaft fehlt, zu gerathen in Gefahr sind. Auf der einen Seite eine kalte und steife Härte in der äußern Haltung, und eine starre Gewalt gegen jede andere geistige Bewegung, als die, welche die gewohnte Gesetzdiscussion mit sich führt, auf der andern ein kühner Aufflug in höhere Regionen, jedoch mit der ganzen Rüstung des Gesetzes angethan, und eine Mystik, welche nicht bloß irdische Verhältnisse, sondern selbst eingegangene Verbindlichkeiten verachtet. Freilich sehen wir hier viele Rabbinen auch ein Maß halten; allein immer sind sie außer Stande, die gewaltsamen Schritte der geistlichen Macht zu hemmen, und nur Nachgiebigkeit und Unterwerfung kann diese befriedigen. — Wie sehr eine solche Gewalt das Glück der Familien und den Fortschritt der Gesittung überhaupt gefährde, sieht man leicht; dennoch mußten noch fast zwei Menschenalter vergehen, bevor den rabbinischen Tribunalen in Europa überall, durch verständige Regierungsmaßregeln, diese Gewalt entwunden ward. Beiden Uebeln, der Mystik, deren Unwesen in Polen insbesondere stark Wurzel geschlagen hat, und der allzustarren, durch blinde Nachahmung und oft ganz unbegründetes Machtgebot gefesselten Werkheiligkeit, welche gemud vorkommenden Nebenreden, Erzählungen rc. E'Hpjn *iöNü über die Glaubensartikel, hier ist er schon etwas mystisch, doch mit Vorsicht; nöEnn 1DNÖ die Weisheitslehre, worin der ganze MysticismuS wieder vorhanden. *) Der Verfasser des Berichts schreibt Acco oder Akre. Allein nach dem Schreiben aus Tabaria, Cherem Chem. n. 61 heißt der OrtAca (?) bei Tabaria. Dies wäre wahrscheinlicher, weil man schwerlich den Leichnam eines an der Pest Verstorbenen von Akre nach Tabaria transportiren konnte. D. H.

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