Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 6 (8.2.1839)
- Date
- 1839-02-08
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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43 \ \ \ V die Verletzung seines Eides, als sie (im Nov. 1734 *) eine Commission nach Padua sandten, um die Sache zu untersuchen. Einer derselben begab sich erst zu ihm, um gütlich mit ihm zu reden, ward aber gröblich abgewicsen. Da erschienen die drei Commissarien und machten ihm bittere Vorwürfe. Auch fanden sie in dessen Bibliothek — denn sie hielten förmlich Haussuchung, — allerlei kabbalistische Beschwörungsbücher und Figuren, und unter andern ein schwarzes Rasirzeug mit einer schwarzen Kerze. Alles dies und seine Erklärungen, daß er seine Schriften in Amsterdam drucken lassen und überhaupt sich um niemanden mehr kümmern wolle, brachten jene sehr gegen ihn auf. Da erklärten sie ihm, sie würden ihm nicht vergeben, bis er von neuem seinen Jrrthum eingeftehn und Besserung versprechen werde. Er aber meinte, sie möchten thun, was ihnen beliebe; er stehe unter Padua und nicht unter Venedig. Sie baten ihn wiederholentlich, aber er wies sie standhaft ab. In Folge ihres Berichtes erließen die Rabbinen zu Venedig einen Bannfluch über alle kabbalistischen Schriften des Luzzato, und über jeden, welcher davon etwas besäße, und nicht binnen zwei Wochen zur Vernichtung in die Schule oder an das Rabbinat seines Ortes bringen würde, so wie endlich über alle Drucker, welche davon etwas drucken würden. Dieser Bannfluch ward in Venedig in dem alten und neuen Ghetto und in allen Synagogen am Sabbath ausgerufen und schriftlich nach allen Hauptgemeinden versandt.**) Luzzaro scheint so starke Schritte nicht erwartet zu haben. Er beschloß nunmehr, auszuwandern. Am 1. Kislew (Dec. 1734) nahm er unter den lauten Klagen und vielen Thränen seiner Eltern, Verwandten und Freunde Abschied, und reifte ab. Aus Botzen schrieb er an seine Freunde und Studicn-Genossen. Der Inhalt dieses Schreibens ist zu¬ *) Im Datum 15. Chesvon muß hier ein Fehler sein; denn der Bann ist schon vom 6. datirt. D. H. **) Abgedruckt K. Chem. ui. 156 — 7. Der Bann muß vorbereitet gewesen sein; denn es werden darin als miteinstimmende Rabbinen von Frankfurt a. M., Fürth, Hamburg, Altona, Glogau, Amsterdam, Lemberg, Krakau, Trani, Berlin, Posen, Krotoscyn, Breslau, und die in Deutschland und Italien anwesenden Rabbinen aus Palästina namentlich aufgeführt. nächst ein schöner Ausdruck des tiefen Schmerzes über die Trennung und gleichzeitig verbunden mit der dringenden Ermahnung, das begonnene Studium eifrig fortzusetzen. Eine heilige Geduld und Ergebenheit spricht sich in diesem Schreiben aus. — In Frankfurt am Main fand er überall keine gute Aufnahme. R. Jakob Cohen aus Prag, damaliger Rabbiner daselbst, dem er sich vorftellte, fragte ihn, wer er sei und woher? und als er in ihm den gebannten Luzzato erkannte, rief er zornig: Was er hier wolle? Wie er sich unterstehen könne, Gottes Namen zu allerlei Offenbarungen zu mißbrauchen? Wer ihn ermächtige, sich mit solchem Myfticismus abzugeben? u. s. w. Alsdann bar er ihn in sanften und milden Worten, seinen Fehler einzugeftehen und darüber eine Schrift in Gegenwart des Rabbinats auszustellen, und ein für allemal diesen Studien völlig zu entsagen. — Luzzato ward angeblich durch diese Reden so sehr erschüttert, daß er am 17. Tebeth (Jan. 1735) ein Sündenbekenntniß niederschrieb (s. oben.) Alsbald sandte das Frankfurter Rabbinat dieses Bekenntniß in Abschrift herum, worauf Der arme Luzzato 'überall zum Spott wurde. Er mußte Frankfurt verlassen, nnd begab sich nunmehr nach Amsterdam. Hier fand er eine ganz andere Gemeinde. Man erkannte in ihm sehr bald einen tüchtigen Gelehrten, und alle Schulen machten sich eine Ehre daraus, ihn in ihrer Mitte zu sehen. Da er in der That jetzt von seinen Mysterien nicht mehr sprach, so galt er nach Maßgabe seiner Talente, und lebte sehr zufrieden und vergnügt. *) Er stand auch ferner in freundlichem Briefwechsel mit seinen Freunden. Sein Vater kam mit seiner Familie, nur einen Sohn zurücklassend, zu ihm nach Amsterdam, und erfreuete sich dort des Glückes seines Sohnes. Dieser schrieb inzwischen seinen Freunden und zugleich dem R. Jes. Bassan, sie möchten sich durch die Flüche und Kränkungen der andern Rabbinen nicht irren lassen, die meisten derselben fehlten aus Unwissenheit und das sei verzeihlich; diejenigen, welche aus Bosheit handelten, würden dem göttlichen Strafgerichte nicht entgehen. Sein Lehrer litt viel seinetwegen. Denn nun *) Einer 1 einer Schüler war David Franko Mendez, welcher sich nachher als Dichter auszeichnete. 6*