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Israelitische Annalen · 1839-02-08 · Heft 6 (8.2.1839) · p. Seite 42

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 6 (8.2.1839)
Date
1839-02-08
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 hätten auch jemals eine Ueberzeugung hervorgebracht. Er habe niemanden aufgefordert, an ihn zu glauben, und somit seien Beweise ganz unnütz; er wolle seinerseits nur unangefochten seinen Weg wandeln. Inzwischen hatte Chagis aus Hamburg (25. Adar) an R. Simson Morpurgo (einen durch seine Rechtsgutachten ausgezeichneten Rabbinen) in Ancona geschrieben; und nach, genauer Erörterung der Sache, unter Beifügung aller bisherigen Briefe über Luzzato, ihn ersucht, sich doch mit Abraham Segre aus Casale, und R. Joseph Ergas aus Livorno zu einer persönlichen Nachforschung nach Padua zu begeben. Allein Morpurgo entschuldigte sich gegen ihn mit der Menge seiner Geschäfte; forderte icdoch die beiden andern zu der Untersuchung auf, und schlug für sich, R. David Menzi in Padua vor. Er ersuchte die beiden Rabbinen, den Luzzato zu einer Auswanderung nach Jerusalem zu bewegen; damit die Sache diesseits auf sich beruhen könne. Allein auch die Andern wollten sich nicht darein mischen. Chagis darüber höchst entrüstet, drang in die Rabbinen zu Venedig (30. Nisan) auf schleunige Abstellung der Luzzattischen Jrrthümcr. Während dieser Zeit erklärten die deutschen Rabbinen einen jeden in Bann, welcher es mit Luzzato halten, oder seine Schriften verbreiten oder nachahmen würde, und alle seine Schriften sollten verbrannt werden, wo man ihrer habhaft würde. Tief betrübt über dies Verfahren, wendete sich Luzzato mit einem Schreiben (11. Jjar,-April) an Morpurgo, sich über des Chagis Unterfangen beschwerend, daß er über eine Sache urtheile, die er nicht kenne; ja dieser habe ihn des Jrrthums des Schabbarhai Zewi beschuldigt, von welchem er sich öffentlich losgesagt habe. Morpurgo beantwortete dieß Schreiben (18 Jjar) mit breiter Ausführlichkeit, schließlich ihm rarhend, nach Jerusalem auszuwandern, damit sein Beispiel nicht unbefugte Personen aus dem Volke anrege, ebenfalls in die tiefen Mysterien einzudringen, und sich selbst in's Unglück zu stürzen, wie es vor nicht gar langer Zeit geschehen war. (Anspielung auf Sch. Zewi.) Bassan's 'Brief für Luzzato hatte in Venedig gar keinen Eindruck gemacht. Die Rabbinen dieser Stadt nöthigten ihn vielmehr, sich ungesäumt nach Padua zu begeben, wohin auch Nehemia Chai aus Ferrara beschieden war, und sie ihrerseits R. Emanuel Balilios und R. Mose Menachem Merari sandten, um den Luzzato wegen seiner Lehrsätze zu prüfen und ihn zu einem öffentlichen Widerruf anzuhalten. Am 3. Ab. 5430 (Juli 1730) wurde er aufgefordert, vor seinem Lehrer schriftlich seinen Jrrihum zu bekennen, allem Früher» mit schwerem Eide zu entsagen, künftig sich aller mystischen Studien zu enthalten und seinem Lehrer alle bisher darin von ihm verfaßten Schriften auszuliefern. Luzzato fand sich dazu bereit. Dies beweist die Größe der damaligen geistlichen Macht der Rabbinen, sowie andrerseits die eigenthümliche Denkart der Kabbalisten, welche es nicht verschmähen, im Nothfalle den äußern Verhältnissen nachzugeben, gleichsam als verächtlichen Dingen, um welche zu streiten es sich der Mühe nicht verlohne. (Die Sabbathianer erklärten es geradezu für erlaubt, sich jeder herrschenden Kirche äußerlich anzuschließen.) Seine Schriften wurden in eine Kiste gepackt, deren zwei Schlüssel zwei Personen zum Verwahren erhielten. Alsbald machten die Rabbinen aus Venedig dies durch Rundschreiben bekannt, und Morpurgo schrieb noch besonders deßhalb an M. Chagis. Die Aussöhnung war so vollständig, daß die erstern dem Luzzato das Rabbinatsdiplom überschickten. Nachgehends erschienen von ihm noch einige schöne Gedichte, und seine Talente fanden überall Anerkennung. R. David Pinzi (?) in Mantua gab ihm seine Tochter Zippora (ein bedeutungsvoller Name, wie die Rabbinen wohl bemerken,—Moses und Zipporah!) zur Frau, und die Hochzeit wurde unter der lebhaftesten Theitnahme der Rabbinen gefeiert. Allein sein Hang zu den mystischen Studien war zu stark, um durch alles dies zerstreut zu werden. Im Frühling 1734 beendigte er das Werk: Erste Grundregeln der Wissenschaft der Wahrheit (Kabbalah) und verschiedene Gedichte und Allegorieen in demselben Geiste, zu deren Abdruck sogar R. I. B a ssan seine Zustimmung gab. Doch hatte dieseran die Ge meinde -Beamten in Padua (Dec. 1733) zuvor (italienisch) geschrieben, um Nachsehen zu lassen, ob die Bücherkiste noch unversehrt sei. (So sehr fürchtete man die Kabbalah!) Die Rabbinen in Venedig folgten dem Luzzato mit scharfbeobachtendem Auge, und vernahmen kaum

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