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Israelitische Annalen · 1839-02-01 · Heft 5 (1.2.1839) · p. Seite 37

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 5 (1.2.1839)
Date
1839-02-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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Wurzel, es hastete fast nur noch an den schwachen Fasern sogenannter Katechismen und auswendig gelernter Bibelverse, und so' ward der Stamm von seiner Hülle entkleidet, so daß er kahl da stand, allen Winden preisgegeben. Dieß ist der Zustand einer Uebergangsperiode, welche selbst die besten Köpfe und die gelehrtesten Männer nach andern Richtungen hin in Anspruch nahm. Dennoch erstarb die theologische Gelehrsamkeit nicht. Sie suchte eine zeitgemäße Thätigkeit in scharfsinniger Kritik, in Aufdeckung vielfacher Jrrthümer, in näherer Würdigung der Fortschritte. ' anherer Kirchen, und in Erforschung der geschichtlichen Entwickelung der jüdischen Bildung in politischer sowohl, als in religiöser Hinsicht. Inzwischen konnten so '»wenig diese Arbeiten, wie verdienstlich auch sonst, noch die örtlichen Versuche an Umgestaltung der gottesdienstlichen Einrichtungen jenen immer stärker hervortretenden Widerspruch aufheben. Es war vorherzusehen, daß die Heranwachsende jüngere Geistlichknit, nicht mehr zufrieden, mit dem ihren Beruf keinesweges ausfüllenden Entscheiden über ceremonielle Gewiffensfragen, sich genöthigt sehen würde, mit ganzem Ernste auf eine durchdringliche Belehrung ihrer Gemeinde bedacht zu sein, und in dieser das neuere bürgerliche Leben mit der väterlichen Religion in Einklang zu bringen. Die weltlichen Angelegenheiten hatten sich unter mancherlei Fluctuationen mehr oder minder geordnet, die Gemeinde-Verfassungen so ziemlich in jedem Lande in einen geregelten Gang gebracht, die Schulen meist eingerichtet, der Kreis der Bewegungen für die nächste Folgezeit ziemlich bcgränzt, — da fingen die fähigen Geister wieder an, nach innen zu schauen, und erblickten die Schwierigkeiten, welche die Periode eines Menschcnalters dem Anbau der Religion erregt hatte. Augenscheinlich waren neue Vorarbeiten nöthig, um aus der ganz und gar europäisch gewordenen Gedankenwelt zu der «Item, asiatischen, in fremder Sprache und Form aufdewahrten so zurückzukchren, daß der auf dem Ausfluge erlangte Gewinn nicht verloren ging, und andrerseits niemals allzusehr von dem Bereiche der Religion ablenkcn könne. Kein Emzelner fühlte in sich die Fähigkeit oder den Hochmuth, ein so großes Unternehmen allein vollbringen zu wollen. Ein Zusammenwirken Vieler ohne Partheisucht und voll redlichen Willens, war das einzige Mittel zu dem lobcnswerthcn Zwecke. Die beliebteste Form einer solchen offenen und frommen Wirksamkeit, die einer Zeitschrift für jüdische Theologie empfahl sich von selbst. Ein junger Rabbiner, *) vr. Abr. Geiger in Wiesbaden, erließ eine energische Aufforderung an alle, die wissenschaftlichen Beruf für den gegebenen Zweck in sich empfänden. Es fanden sich von verschiedenen Seiten her willige Arbeiter, ohne irgend eine gemeinsame Idee, als das allen innewohnende Streben, die Wahrheit aus den Quellen zu ermitteln und nach Maßgabe des Befindens, der Welt zur weitern Forschung vorzulegen. Der Kreis dieser *) Wir enthalten uns aller lobenden oder tadelnden Beiwörter bei Nennung der Namen öffentlich wirkender Personen. Dieß ein für allemal. D. H. Zeitschrift war ein sehr beschränkter, indem er nur die wissenschaftliche Welt anging. Die weitern Ergebnisse konnten erst dann heraustreten, wenn diese Aussaaten zu einer gewissen Reife gediehen waren. Unterdessen waren auch unabhängig von diesem Centralpunkte theologischer Arbeiten, welcher in der Gelehrten - Welt in Achtung steht, mehrere andere theologische Merkchen erschienen, auch anderweitige Unternehmungen zu gleichem Ziele im Werden und sind unterdeß theilweise hervorgetreten. Drei verschiedene Bibelübersetzungen (zu Frankfurt, Hamburg, (Altona) und Berlin bearbeitet^ suchten dem Volke die halbvergessenen heiligen Schriften wieder zu geben, (wir werden dieselben öffentlich würdigen) Weit tiefer aber griffen die anonym erschienenen 19 Briefe Ben Uziel's in den ganzen Bereich theologischer! Gedanken ein, indem sie den bestehenden Verhältnissen, oder vielmehr der Richtung der Zeit einen Vernichtungskrieg ankündigten, geführt von einem Kämpfer, welcher gerüstet durch Herkommen, durch Unerschütterlichkcit der Absicht und durch die Waffen der Gelehrsamkeit und der Sprache, auf entschiedenen Sieg rechnen zu dürfen glaubte. — Als Vorbereitung zu dieser Fehde erschien in 5 Heften: s'nn Ueber Iisroels Pflichten *) 1837 — 8. Es ist dieß eine gedrängte Ansicht von der jüdischen traditionellen Religions-Pflichtenlehre, sowohl in ceremonieller als moralischer Hinsicht. Nach Aufführung dieses, in seiner Art nicht unwichtigen Bollwerkes, beginnt der Feldzug selbst, mit dem so eben erschienenen Werkchen: Erste Mittheilungen aus Naphtali's Briefwechsel, herausgegeben von Ben Uziel. (Schluß folgt.) Proben jüdischer Dichtungen, i. Einleitung in die Machberoch des Immanuel. (Schluß). Es spricht Immanuel, S. des R. Salomo (s.A.): Als das Licht der Wahrheit untergegangen, — und die Sonne der Wissenschaft von Nacht umfangen, — als der Verstand bastand gleich einem Verzagten, — und die Sterne der Weisheit ihren Glan; versagten, — als die Dichtung eine Bürde ward, — und es Sara nicht mehr ging nach Weiberart , — und ihren Mund aufthat die Erde, — und sie sammt dem Korach verzehrte: — Da erhub Gott den Fürsten, schönästig, ein Schaitenthal, — und senkte auf ihn der Erkenntniß Strahl, — und seine Bergschlucht reichte dis an Azal. — Er legt' ihm ins Herz Weisheit und Verstand, — und bekleidete ihn damit wie mit einem Gewand, — so daß sprachen die Sänger der Zeit: — es herrsch' über uns deine , *) In so weit dieß Werk der deutschen Literatur angehört, haben wir darüber in der Allgem. Jen. Ln. Zeitung 1838 Ergänzbl. No. 49, 50. zu berichten begonnen und werben damit fortfahren.

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