Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 5 (1.2.1839)
- Date
- 1839-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133772--0045-3134143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
35 setzen um die Häresie *) im Keime zu ersticken. Unter andern schrieben sie auch an den Jernsalemiten Mose Chagis, der damals in Altona sich aufhielt, und dessen Antwort vorliegt. An diesen letzter« wandte sich Luzzato zuerst, um sich gegen jede Mißdeutung seines Treibens zu verwahren; und berief sich auf seinen Lehrer Bassan. **) Allein er erhielt (Anf. 1730) eine herbe Antwort, voller Vorwürfe und Ermahnungen, worin er sowohl als sein Schüler Jekuthiel ernstlich erinnert wurden, ihre kabbalistische Lehre aufzugeben, oder auf ein reiferes Alter zu verschieben. Jetzt schrieb er direcr an das Rabbinat zu Venedig. Wir theilen das Substanzielle dieses in der Ursprache recht schönen, im Einzelnen unübersetzbaren Briefes mit: „An die hohen und festen Berge, die Grundlagen der Erde, die Helden, welche im Bruche stehen, rc. ***) — »ojt mir Niedrigstem der Menschen, der mit Gebet eines Geringen über euch Frieden und Heil erfleht vom Herrn des Friedens und Heiles. „Die Stimme einer furchtbaren Bewegung, eines Kriegeslärms von einem Ende der Erdx zum Andern, eines Sturmes, der Berge theilet und Felsen erschüttert, nämlich alle Häupter Israels in ihren Wohnsitzen, und immer stärker wird, dergleichen auch von Euch, wie eine zerstörende Wasserfluth, ausging, um in wilder Wuth alles zu verheeren, so daß zuletzt Gottes heiliger Name entweiht wird — hat mich endlich vermocht, aus meiner Zurückgezogenheit hervorzutreten, und vor Ew. Ehrwürden Worte des Friedens und der Wahrheit zu dringen, denn ich weiß, baß das Ohr der Weisen auf Gerechtigkeit lauschet und ein verständiger Sinn nur gerade urtheilt, wozu Euch der Herr bestimmt hat, und so werdet ihr selbst in solchem Fall leidenschaftlicher Aufregung doch nicht die Wahrheit unterdrücken wollen,. Niemals bildete ich eine offene Schule, noch hielt ich Versammlungen, sondern ich studirte ganz im Stillen mit *) Nach Ker. Chem. n. 56 hatten sie ihn durch zwei unbefugte Personen ersuchen lassen, seine Schrift nicht herauszugeben; aber er hatte ihnen geantwortet, Padua stehe nicht unter ihrer Jurisdiction; welches sie dann so verdroß, daß sie ihn der Häresie beschuldigten. Doch ist nicht ganz klar, weßhalb sie Rundschreiben erließen. D. H. **) Dieser hat auch ausführlich an die Venezianer aus (Reggio 6. Schebat 5490 — Febr. 1730) zu Gunsten des Luzzato geschrieben. K. Chem. H. 56—60. ***) Dergleichen hyperbolische Redensarten gehören zum Rabbinischen Styl und sind öfters nur des Reimes wegen gewählt. wenigen Freunden. Ich suchte nicht nach eitelen Dingen, sondern will nur nach meinen Kräften Gott dienen, wie es jedem Israeliten obliegt. Da es einmal Gottes Wille war, mein Streben bekannt zu machen, so gestehe ich gern, daß es mir gelungen ist, gute Saaten auszustreuen, und so weit ich konnte, andere zu belehren. Gibt das ein Recht zu solch einer entsetzlichen Aufregung? Was hat man an mir oder an meinem edeln Freunde Unrechts gefunden? Wenn manchem dies und jenes unbegreiflich erscheint, so komme er zu mir, und er soll Auskunft haben. Wozu solcher Sturm? Es darf ja nur Einer aus Eurer Mitte sich zu mir heradlassen, um die reine Wahrheit zu vernehmen, oder mich meines Irrthums zu überführen. So schwer dieß Euch auch ankomml, so war dieß doch das einfachste und geradeste Mittel, um zur richtigen Erkenntniß zu gelangen. Wie kann es Gott gefallen, daß ihr die Zwietracht aller Orten entflammt, statt Frieden zu stiften? Zuletzt macht der Herr doch bekannt, wer sein ist; aber wozu sollen wir dem Aatan unter uns Spielraum geben? Ich sage nicht: Nehmet meine Ansicht an! oder glaubet andern bewährten Männern! sondern : Untersuchet selbst und urtheilt nach eigener Ansicht. „Uebrigens schwör' ich bei Gott, der mich liebt, daß ich alles dieß, auf höheres Geheiß, an Euch nur schreibe, um jeden Streit zu stillen; und nun möge geschehen, was da wolle, so werde ich, selbst auf dem Altar gebunden, meinen frommen Sinn nicht verleugnen und niemals aus Furcht vor Menschen von Gottes Geboten weichen: so wenig wie Adra. ham oder die drei Männer oder die andern Märtyrer vor dem Tode erbebten, eben so werde ich nicht achten der satanischen Verleumdungen, sondern wie eine feste Stadt und wie eine eiserne Mauer dastehen, um Gottes Geheiß zu vollziehen, und er wird thun, wie ihm gefällt, und eine Frucht des Heiles wird es sein, wenn es bekannt wird, daß noch ein Diener des Gottes Israels vorhanden ist. Schließlich rc. Darauf erhielt er keine Antwort. (Forts, f.) Theologische Fehde des naphtalischen Briefwechsels gegen die Jüdisch-Theologische Zeitschrift. Das Reich der Gedanken duldet keinen Stillstand, auch keine Einseitigkeit der Richtung. Wird der erstere durch irgend eine hemmende Gewalt eine Zeitlang erzwungen, so rächt sich der Geist durch eine wachsende Unbehaglichkeit, welche nur' mittelst neuer Anstrengung und kräftiger Erschütterung wieder gehoben werden kann. Macht sich eine einseitige Richtung einige: Zeit geltend, so bleibt die Reaction niemals aus: es entstehen Verlegenheiten; hier ist etwas vergessen und verabsäumt, dort ein wichtiger Umstand nicht bedacht worden; man kehrt um, untersucht, streitet, und nach wiederholtem Vor- und Rückschreiten, Für- und Wider- Reden, Versuchen und Gegenversuchen befindet sich der Geist auf einer Anhöhe, die ihm freie Aussicht auf die zurückgelegten Strecken, auf die einzelnen Gegenstände und 5*