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Israelitische Annalen · 1839-02-01 · Heft 5 (1.2.1839) · p. Seite 34

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 5 (1.2.1839)
Date
1839-02-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 welche ihm dann auch im Geheim hie Tiefen ihrer Wissenschaft offenbarten. Dieß geschah in einem Zimmer der Gesellschaft, welches noch heute keiner aus dem Volke zu betreten wagt; und späterhin im Hause des Luzzato, wo dieser jedoch bald ein Uebergewicht über die andern erlangte, und ihr Orakel wurde. Hier ward die Kabbalah bis zum äußersten Grad von Unsinn getrieben. Die noch aus deren Verein vorhandenen Schriften bezeugen, daß sie sich anmaßten, mittelst allerlei pietiftischer Ideen und mystischer Formeln, alle Sünden, welche seit Adam begangen worden, zu vergeben; daß 'sie Steine warfen gegen den bösen Feind Armilus und seine verderbliche Schaar, welche Steine erst die Feinde tödten und dann Grundsteine des neuen Tempels werden sollten; daß er (Luzzato) durch den Engel Esriel (welcher sich die Propheten Samuel und Achia beigesellte) der heiligen Königin, welche in Trauer lebt, (d. i. der Gottheit) Trostworte, in hebr. und'chald. Sprache verfaßt, (welche noch, von ihm selbst geschrieben vorliegen) überschickte! Dabei aber dichtete er auch weiter, nach seiner früher» Weise, und verfaßte in 8 Monaten, vom May 1726, bis Anfang 1727 nicht weniger als 150 Psalmen. *) Er gab damals seine Rhetorik heraus, und schrieb bald hernach sein Gedicht 7F oder Q’Higr» nDin benannt, eine Nachahmung des Pastor Fido von Guarini, dessen Werk auf ihn einen tiefen Eindruck gemacht zu haben scheint, weil in dem allegorischen Drama rfcnn (welches gedruckt ist) ebenfalls viele Gedanken und Reminiscenzen daraus Vorkommen. Er verfaßte auch ein sehr schönes großes Trauergedicht auf den damals verstorbenen Rabbiner,Raphael Cracovia von Venedig. Dessenungeachtet schwärmte seine erhitzte Phantasie fortwährend in den höchsten Regionen, so daß er mit Gott und den Engeln umging und im Frühjahre 1727 angeblich Gott selbst sah, und dessen Offenbarung hörte; auch besuchten ihn der Prophet Eliah, Adam und andere Väter *) S. hierüber P. Beer Gesch. der Secten Jost Gesch. d. Jsr. vm. 126.7. Delitsch Gesch. d. Jüd. Poesie 96. — Einige Proben daraus in Q^nj?n '»‘YDD 5586 u. 87. Die Handschrift soll in Prag liegen. aus der Vorzeit und unterhielten sich mit ihm. Endlich bildete er sich vollends ein, der Messias zu sein, welcher bestimmt sei, Israel zu erlösen. Von nun an schrieb er unzählig viele kabbalistische Tractate, Commentare und Gebete, *) welche alle größtcntheils noch vorhanden sind. Außerdem aber erschien von ihm 1728 ein Traumgedicht auf den Rabbiner Raf. Jsaac Chajim , welcher 95 Jahre alt gestorben war (gedr. 1730) und bis 1729 noch einige andere Gedichte, worunter p-jan N22N, Lieder zur Einweihung der Synagoge des Spanischen Ritus in Padua, besondern Beifall fand. Bis dahin hatte Niemand sich um seine kabbalistischen Studien bekümmert. Jetzt aber verlautete davon etwas durch einen Gast aus Jerusalem, den er einige Zeit beherbergt hatte, und der ihn in Venedig sehr rühmte. In Padua vernahm man kaum davon, als sich viele Freunde der Kabbalah zu ihm einfanden, und ihn um Unterricht baten. Unter diesen war auch der Studiosus der Medicin Jekuthiel aus Wilna einer seiner eifrigsten Zuhörer. Dieser bereitete ihm bei der besten Absicht große Leiden; denn im Sommer 1729 schrieb er in seiner Begeisterung über die Verdienste seines jungen Lehrers nach Wien und Wilna, und erregte dadurch Aufmerksamkeit. Gleichzeitig trat Luzzato selbst unbesonnen hervor. In Venedig nämlich kam in seine Hände das Werk v,x DITtt (der brüllende Löwe) von R. Jehuda Arje von Modena (dem berühmten Verf. der in viele Sprachen übersetzten Schilderung der jüdischen Gebräuche) ein Werk, welches die Kabbalah auf alle Weise bekämpft, und ihr alle Wahrheit abspricht (noch nicht gedruckt). Darüber im höchsten Grade entrüstet, schrieb er eine Controverse**) gegen jenes Werk. Diese kam den venezianischen Rabbinen zu Gesicht, und regte ihren Eifer gegen den kecken Jüngling gewaltig auf, und man forschte nach seinem Thun und Treiben; und da sich aus seinen Ausdrücken ergab, daß er mit Kabbalah sich befaßte, gab dies ihnen Veranlassung, alle Rabbinate Italiens und Deutschlands davon in Kennlniß zu *) Der Verfasser theilt Proben daraus mit. Daß er sich für den Messias hielt, finden wir nicht belegt. Der Herausg. **) Betitelt Ipin (der Forscher und der Kabbalist); gedruckt Lemberg 1800.

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