Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 4 (25.1.1839)
- Date
- 1839-01-25
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133771--0039-3134136- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Und ich antwortete: „Es lag in R. Juda Charisi's Plan, — ein Buch zu verfaffen, von Anfang an; — und so dichtete er die Lieder, die darin verzeichneten, — wie sie für des Buches Inhalt sich eigneten, — und ergriff den Zauberstab, worauf seine Wunder sich ereigneten. — Ich aber schrieb von meiner Lieder Schaaren — einen Theil in meinen Jünglingsjahren, — einen Theil in meiner Mannesrüstigkeit, — und einen Theil in meiner späten Zeit — Ich wollte kein Buch daraus verfaffen; — und wie sollten sie nun sich vereinigen lassen? — keinem Geiste, war'er noch so gewebet — und gehebet, ") — würd' es gelingen, — all meine Lieder unter ein Dach zu bringen; — wer könnte sie sammeln von der Höhe Senir und Hermon, von der Löwen Grotten?") — leichter sammelt' ich alle Zerstreuten, als meine Rotten." Da antwortete der Fürst und sprach: „Möge der Vater der Weisheit nicht also sprechen! — Ich weiß, daß du Alles vermagst und daß kein Gedanke dir kann gebrechen; 50) — denn 'nicht Klugheit läßt sich dem Klugen entreißen, — noch Weisheit dem Weisen. — Und so wirb auch dein Verstand für deine Dichtungen ein Band dir zeigen, — und sollt' ihre Menge bis zum Himmel reichen. — Nun, gebar auch alle die Lieder dein Geist und eigner Verstand, — und hat sie geformt deine weise Hand, — und hat kein Fremder daran Theil genommen, — so nimm doch an: du seist mit einem andern zusammengekommen, — der eine Frag' erhebe, — darauf dein Mund ihm Antwort gebe, — und der dir Antwort sage auf deine Frage, — und dem du sollst einen Namen beilegen, — nach eignem Erwägen. — Siehe denn, ich habe noch nie ein Lied erdacht, — und auch kein Gedicht hervorgebracht: — so denke, daß ich dein Liedergenosse sei, — und lege mir einen Theil deiner Dichtungen bei! — Und wird auch mein Ruhm durch Werke kund, — die du gelegt hast in meinen Mund, — so mögest du mich doch zum Freund und Gefährten haben, — daß mein Name auf der Tafel deines Buchs ewig sei eingegraben! — Wohlauf denn, du Mund voll goldener Worte, — schließe dir auf des Nachruhms Pforte, — und sammle deine Lieder in Eine Horde, — auf daß man Alle könne fangen, — die dich zu plündern sich unterfangen." — Und als ich gehört des Freundes Rath, — bat ich den Herrn, uns zu leiten den rechten Pfad. — Und so Hab' ich denn angehoben, und .meine Hände gestreckt nach oben, —=• daß Er sei mit meinen Gedanken, — und meine Zunge nicht lasse wanken; — und ich erhob mein Lied, die Kraft und den Erstling meiner Stärke — und begann meiner Dichtung Werke. — Auf wandle hin, mein holdes Lied, baß du der Lieder König seist! Geh' in's Gericht mit Jeden», der hoffährtig ist und frech und dreist! Wall' auf den Höhn des Lebens hin! Hauch, baß du Tobten Leben leihst! **) Er. 29, 27. «) HL. 4, 8. «) Hi. 42, 3. Wirf deine Pfeile ringS und triff! den Bogen spann, der niederreißt! Dein Wort, es träufle wie der Thau! Auf alles Fleisch gieß deinen Geist! Sprich, daß mein Nam' Immanuel, Knecht Gottes, des Allmächt'gen heißt. Ergib, o Seele, dich in Ruh, da Gott dir Gutes nur erweist. (Schluß folgt.) Literarischer Bericht. Saadjah Alfajumi. (v. H.) (Schluß.) Er hat viele Werke geschrieben, und sich dadurch sowohl bei Arabern als bei Juden einen großen Namen erworben. Seine wichtigsten Schriften sind: 7. Uebersetzung des Pentateuchs, gedruckt mit hebräischen Lettern mit dem Original, Eonstantinopel 1546 (selten); und in den Londoner und Pariser Polyglotten verändert. 2. j-py^n ‘yiosn Uebersetzung des Jesaiah. Zuerst von Paulus 1790 herausgegeben nach einem 1245 geschriebenen Manuskript höchst fehlerhaft copirt; und selbst von Rosenmüller und Gesenius lange nicht.gehörig corrigirt, deren weitere Fehler Herr Munk durchgeht und berichtigt. 3. 3NH3» Buch der Rechtfertigung, Hiob, mit Anmerkungen, Handschrift in der Bodl. Bibliothek zu Orford (Cod. Huntington 511.) Diese Handschrift enthält 2 arabische Uedcrsetzungen von Hiob, eine von Saadjah, die andern von Mose Gicatilla; immer nach einem hebräischen Verse folgen beide Uebersetzungen und kurze Anmerkungen. Eine ebenfalls dort befindliche Uebersetzung der Psalmen, schreibt Pococke auch dem Saadjah zu, was sehr wahrscheinlich ist. Don der Erklärungsweise des Saadjah gibt Herr Munk ein interessantes Beispiel: Den Oten Vers Cap.i. übersetzt er nämlich sy: „Eines Tages als die Freunde Gottes kamen, und sich vor ihm hinstellten, kam auch Hiobs Feind mit ihnen." Dazu die Note: 13'N^dtN '33 heißt, analog Deut. XIV. 1. xxxn. 5. und Erod. iv. 22. Die Lieblinge oder Freunde Gottes. Sie versammeltest sich um ihre Huldigung dazu bringen. Der Jnfinitif ist als verb. finit zu nehmen, wie Erod. XXI. 14. Lev. XXI. 9. — Der Satan ist ein wirklicher Mensch, wie 1 Reg. XI. 14. Zach. IIL 1. Esra IV. 8. Die Seele hat drei Kräfte: Vernunft (tatyos), Gefühl (S-ufios) und Begierde (wuSrpa); die letzter» beiden müssen der ersten unterworfen seyn, sonst entsteht Ungerech, tigkeit und Sünde. Bei Engeln finden sich diese beiden Eigenschaften gar nicht, da sie gar keine körperliche Begierde oder Leidenschaft haben können. Mit Recht bemerkt Herr Munk hier, daß die platonische Ansicht von den Seelenkräften beim Saadjah vorherrscht, welche Aden Esra Kohesi vii. 3. für aristotelisch hält.