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Israelitische Annalen · 1839-01-25 · Heft 4 (25.1.1839) · p. Seite 28

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 4 (25.1.1839)
Date
1839-01-25
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 mit Eifer fortzuführen; ich setzte alle Räder in Bewegung, um von meinen Freunden den möglichsten Vorrheil zu ziehen. — Sobald daher die erste Nationalversammlung der batavischen Republik sich constituirt hatte, und die Rechte des Menschen und Bürgers, denen zufolge aller Unterschied wegen Religion aufhören mußte, proclamirt waren, schrieb ich eine Bittschrift des Inhaltes: „daß die Versammlung vermöge ihrer souveränen Macht erklären sollte, daß auch die Juden integrirende Mitglieder der batavischen Republik und wirkliche Bürger derselben geworden seien, welche alle gesellschaftlichen Vortheile zu genießen berechtigt, aber auch zur Leistung aller Bürgerpflichten verbunden wären. „Dieses Gesuch wurde von mir und fünf der vorzüglichsten Mitglieder der Gesellschaft felix libertate unterzeichnet, und durch mich und den Herrn Bromet nach dem Haage gebracht, und dem Präsidenten der Nationalversammlung, dem Herrn van de Kafteele, übergeben..... Dieser legte das Gesuch der Versammlung vor, und ernannte eine Commission, in welcher die gebildetsten Köpfe saßen, die man nur wünschen konnte .... Dies Alles hatte den glücklichen Erfolg, daß den 2. September 1796 mit einer großen Stimmenmehrheit unserm Gesuche willfahrt wurde. Wir erhielten die Nachricht des Morgens frühe durch Estafette, die mir mein Sohn Carl, der bei der Beschlußnahme auf der Tribüne gegenwärtig war, sandte. Ich' rief gleich die Gesellschaft auf, und thcilte ihr den freudigen Bericht mit. Leicht kann man begreifen, mir welchem Enthusiasmus dieser angehört wurde; doch unerwartet wurde ich von einem himmlischen Gefühle ergriffen, als ich nach der Börse kam. Die ersten Kaufleute, Freund oder nicht Freund, für oder gegen das System, beeiferten sich mir mit Händedruck und fast durch Umarmung Glück zu diesem Triumphe zu wünschen, so daß ich mich aus Bescheidenheit und weil meine Empfindungen mich überwältigten, genöthigt fand, die Börse zu verlassen." Also der junge Affet vernahm jene wichtige Entscheidung über ihn und seine Glaubensgenossen! Wer je die tiefe bedeutungsvolle Stille in einem Geschworcncnsaale in dem Augenblicke bemerkte, wo nach langer Berathung die Bürger ernst und würdevoll Ihre Plätze wieder einnehmcn, um das Wort der Entscheidung über einen Unglücklichen auszusprechen, welches ihn nach Hause in seinen Familienkreis entläßt, oder ihm den elenden Weg nach dem Schaffotte als den letzten seines Lebens anweiset; wer selbst diese Stille mitempfunden, wie das Geräusch des Athems erstickt , wird, das Herz laut geht, die Brust sich hebt, und alles mit gespannter Theilnahme wartet: Der wird sich auch Alles vorstellen können, was den Jüngling bewegen mußte in dem Momente, wo nicht über einen Fremden, der unser Interesse erst durch einen Anwalt rege machen müßte, sondern über ihn selbst, und nicht über ihn allein, sondern über seinen Vater, seine Familie, seine Glaubensbrüder, das Loos der Freiheit oder der. Sklaverei geworfeu ward! Solche Augenblicke sind zu selten im Leben, und ergreifen das Gemüth zu sehr in seinem Innersten, als daß sie je wieder vergessen werden könnten. Wenn die eifrigen Bestrebungen seines Vaters ihn frühzeitig, in einem Alter, das sonst nur nach leichten und vorübergehenden Empfindungen geneigt ist, mit Ernst für die Sache seines Glaubens begeistern, wenn das, was trotz aller etwaigen Berufsgeschafte, täglich und stündlich das Gespräch des Hauses ausmachte, ihn selbst zur Thärigkeit für seine Religionsgenossen anspornen mußte, so glaube ich, daß die Anwesenheit in der Stunde, in welcher so glücklich der Kampf zu Gunsten der Juden entschieden ward, von der größten Wirkung für die Zukunft auf ihn war, um ihm bis an sein Ende die Angelegenheit seiner Glaubensbrüder zur Angelegenheit des Herzens zu machen. (Fortsetzung folgt.) Proben jüdischer Dichtungen. übersetzt von Dr. C. Krafft. Vorerinnerung. Der Herr Verfasser der nachfolgenden Proben hat seine Meisterschaft in diesem Gebiete längst bewährt. Ein Bändchen unter dem Titel: „Jüdische Sagen und Dichtungen, nebst einigen Makamen aus dem Divan des Alcharisi" ist so eben bei Brügel in Ansdach erschienen. Wir empfehlen dieses schöne Werkchen unfern geehrten Lesern, ohne erst viel Lobpreisungen deizufügen. Der Inhalt desselben ist ohnehin bereits theilweise durch Zeitschriften bekannt und mit gebührendem Beifalle ausgenommen worden. ES gereicht uns zum besondern Vergnügen, hier einige neue Nachbildungen mittheilen zu können, welche nicht minder des wackern Uebersetzers Kunstfertigkeit darthun, zugleich aber, was uns mehr am Herzen liegt, unsere Leser mit den überaus lesenswerthen Producten älterer Schriftsteller bekannt machen, welche jetzt nur noch wenigen zugänglich find.

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