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Israelitische Annalen · 1839-01-25 · Heft 4 (25.1.1839) · p. Seite 27

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 4 (25.1.1839)
Date
1839-01-25
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 mit -er Philosophie in Streit, wie wir anderswo darthun werden.) Das Gesetz ist dem Israeliten in dieser Ansicht Selbstzweck. Die Kabbahlah faßt ein ganz anderes Ziel auf, sie erkennt im Gesetz nur das Mittel zu höheren Erkenntnissen. Um dieß zu belegen, verweisen wir auf eine Stelle im Sohar, 4. B. Mos. Ausg. Sulzbach. col. 251), welche also lautet: „R. Simon lehrt: Wehe dem Menschen, welcher spricht, die h. Schrift zeige bloß geschichtliche Ereignisse und weltliche Dinge! Wäre dem also, so könnte man noch jetzt mit weltlichen Darstellungen und mit schönerem Inhalte eine Lehre machen; allein die Offenbarung hüllt sich nur in die weltliche Gestalt. Die obere Welt und die untere müssen nach gleichem Verhältniß beurtheilt werden; jene erscheint in den Engeln, diese in Israel. Von jenen heißt es (Ps. 104. 4) „Er macht zu seinen Engeln die Winde." Die oberen Geister nämlich müssen, wenn sie Herabkommen, ein Gewand dieser Erdenwelt annehmen, sonst können sie nicht begriffen werden. Was nun bei den Engeln der Fall ist, welche doch erst, wie die Welt selbst, Schöpfungen der Offenbarung (!) sind, so ist dieß doch noch mehr an der Offenbarung der Fall. Die Erdenwelt wäre nicht im Stande, diese zu begreifen, wenn sie sich nicht in ein sinnliches Gewand hüllte. Alles was daher in der Lehre äußerlich erscheint, ist nur die Hülle, und wer diese für das Wesen hält, verdient nicht zu leben und hat an der Seligkeit keinen Antheil. Darum singt auch David (119.19.) „Erschließe mein Auge, daß ich Wunder sehe aus deiner Lehre," d. h. laß mich schauen, was unter dem Gewände verborgen ist. Es gibt nämlich ein allgemein sichtbares Gewand; sieht nun ein Unverständiger einen Menschen in schönem Kleide, so dringt er nicht tiefer ein und hält dieß Gewand für den Körper des Menschen selbst; die Schönheit des Körpers aber ist wiederum die Seele. Eben so hat die Lehre ein inneres Wesen, dieß ist der liefere Inhalt', dieser kleidet sich in weltliche Darstellung. Die Unverständigen sehen nur diese Hülle, und wissen weiter nichts und kümmern sich nicht um das, was unter der Hülle ist. Die mehr wissen, legen keinen Werth auf die Hülle, sondern auf das Wesen unter derselben. Die, welche auf dem Berge Sinai stehen, schauen nur in die Seele oder das innerste Wesen der Lehre. „Israel ist der Körper für die Lehre, welche dessen Geist ausmacht, und sie ist wiederum nur eine Hülle, deren Geist -er tief Verborgene, der Heilige ist." Solche Lehren vielfach wiederholt und wiederum in allerlei abentheuerlich-myftische Gewänder gehüllt, waren dem ersteren Systeme um so gefährlicher, je anziehender sie der lebhafteren Jugend erscheinen mußten, welche sich gerne in die Regionen der Geistets emporschwingt, und auch alles Geheimnißvolle und Wunderbare stets dem Anschaulichern vorzieht. Bei der gewöhnlichen Frühreife rabbinischer Schüler schritten daher die bessern Köpfe bald zur Kabbalah. Allerlei Mißbräuche zu Gaukeleien und Irrlehren waren von jeher damit getrieben worden. Daher suchten die Rabbinen immer mit aller Kraft diesem vorzubeugen. Die Kabbalisten strebten diese selbst immer mehr für ihre metaphysisch-mystischen Studien zu gewinnen, und die Rabbinen erkannten ihre Lehre zwar an, wollten sie aber doch nicht verbreitet wissen, weil sie davon Mißbrauch fürchteten, und ihrerseits im allgemeinen die Gesetzübung für genügend hielten. So arbeiteten sie, ohne einander zu verketzern, stets gegen und durcheinander; so daß bald die'eine, bald die andere Lehre den Sieg davon trug. Die Kabbalah siegte un( dieselbe Zeit in Polen (und wurde leider sehr gemißbraucht.'), als sie in Italien dem Rabbinismus das Feld räumte, wie wir in der Geschichte Luzzaro's schildern wollen. (Forts, folgt.) Carl Ass er. (Fortsetzung.) Entschlossen, dieses System auf Leben und Tod zu verrheidigen, errichtete ich eine Gesellschaft, meist aus erleuchteten und kenntnißvollen Juden bestehend, unter dem vielbedeutenden Namen feiix libertate, an deren Spitze ich stand. Ich schrieb verschiedene Brochüren zu Gunsten des Rechtes der Juden auf das batavische Bürgerrecht. Auch andere Mitglieder machten sich darum sehr verdient. Allein die große Mehrheit der Juden, aufgewiegelt durch ihre elenden Kirchenvögte, waren gegen uns. — Meine Praxis, die täglich größer wurde, gab mir viele Beschäftigung; das hinderte mich jedoch nicht, die Sache der Juden 4*

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