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Israelitische Annalen · 1839-01-18 · Heft 3 (18.1.1839) · p. Seite 23

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 3 (18.1.1839)
Date
1839-01-18
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 Evra oder Math« Mahasda im Irak, um als Gaon, Ober» Haupt der Schule, angesteüt zu werden, von dem damaligen Naßi, oder Resch-Glutha (Oberhaupt aller persischen Juden) David den Saccai, berufen. Im Frühjahr 928 kam er dort an. Zwei Jahre darauf gerieth er mit diesem in Streit und! that bei'm Kalifen Almoktadir Billah Schritte, um dessen Absetzung zu bewirken, und dessen Bruder Josias die Naßiwürde zu verschaffen. Diese Angelegenheit ward der Berathung einer Anzahl Visire und Kadi's überwiesen, in welcher der Großvisir Ali den Jsa den Vorsitz führte. Saadja's Plan scheiterte, er selbst mußte die Flucht ergreifen. Er war sieben Jahre versteckt, während welcher Zeit er die meisten seiner Werke geschrieben haben soll. Ein Freund söhnte ihn hierauf mit dem Naßi aus; er kam wieder nach Sora, starb aber bereits 942, fünfzig Jahr alt. (Fortsetzung folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Frankfurt a. M. — Zur Erledigung verschiedener Anftagen, Zweifel und Bedenken über den Geist und Inhalt unserer Correspondenzartikel bemerken wir folgendes: Der Zweck der Correspondenzmittheilungen in unseren Annalen ist, die gleichzeitige Herbeischaffung eines Aggregats von geschichtlichem Detail aus allen Gegenden und Ländern, in so weit es uns dazu geeignet erscheint, theils unsere Leser mit den Zuständen und Vorgängen bekannt zu machen, theils Wünsche und Vorschläge der öffentlichen Beurtheilung vorzulegen, theils endlich um eine spätere Uebersicht des ganzen Gebietes zu erleichtern. Daß dabei Localitäten und Persönlichkeiten mit berührt werden, ist unvermeidlich. Um jedoch darin gewisse Gränzen zu beobachten, haben wir uns zum Grundsätze gemacht, in solchen Fällen nur dasjenige zu veröffentlichen, was vor die Oeffentlichkeit gehört, nämlich alles was ein bemerkenswerthes Beispiel zur Nachahmung ober einen Fortschritt der Cultur, oder die Vernichtung eines der vielen, inner» und äußern, verderblichen Vorurtheile, — welche leider nur sehr allmählich zerstört werden — beurkundet, oder auch, was dazu dient, die Herrschaft der Vorurtheile darzustellen und vor Mißgriffen zu warnen. Wir rechnen hierzu namentlich: Oeffentliche Leistungen in Wissenschaft und Kunst, Bemühungen und Veranstaltungen zur Förderung eines tüchtigen Bürgersinnes, Schritte für das Beste einer oder mehrerer Gemeinden; ferner Beweise landesherrlicher Anerkennung; Aufhebung bisheriger Schranken und ungerechter Ausschließungen; so wie andrerseits eingetretene, wenn gleich nur locale Hemmungen und Störungen des Fortganges u. s. w. Jede Motivirung persönlicher Handlungen, und jede Ostentation werden wir sorgfältig vermeiden. Uns geht nur die Thatsache und diese nur in ihrer Beziehung zum Ganzen an. Sollten wir hierin auch bisweilen nicht genau das Rechte treffen, so werden unsere geneigten Leser billig genug denken, um nicht darüber allzu streng zu urtheilen. Der Herausgeber der Annalen kann nicht alle Einzelheiten selbst prüfen, und muß Vieles der Umsicht seiner Correspondenten anheimsteven. Berichtigungen werden stets willkommen sein. — Trier (im Decber. 1838). — Vorerst finde ich für zweckmäßig, eine allgemeine Charakteristik der politischen sowohl, als der intellektuellen und religiösen Verhältnisse unseres Regierungsbezirkes aufzustellen, damit man die später zu berichtenden speciellen Fälle desto besser zu verstehen und vom wahren Standpunkte aus zu beurtheilen im Stande sei. — In politischer Hinsicht bestehen auch in Bezug auf Juden, so wie in allen Rheinprovinzen, noch die früheren französischen Gesetze fort, jedoch mit den Abänderungen, daß wir zwar Staatsbürger, doch von der Verwaltung aller öffentlichen Staatsämter ausgeschlossen sind. Auch wird das bekannte Decret Napoleons*), welches seiner Zeit gegen den Wucher erlassen wurde, leider noch in größter Strenge geltend gemacht, obschon man unter den Israeliten unseres Regierungsbezirkes sehr selten einen Wucherer antrifft. Uebrigens aber müssen wir mit der innigsten Dankbarkeit die humanen Gesinnungen und Handlungen unserer Regierung in Trier sowohl als der übrigen Staatsbehörden anerkennen. — In intellektueller und religiöser Beziehung nehmen wir auch bei uns, — wenn auch noch Vieles zu wünschen übrig bleibt, — bedeutende Fortschritte wahr. So haben sich auch schon Einige aus unserer Gegend dem Studium gewidmet, und wenn die Zahl derselben verhältnißmäßig gering ist, so liegt dieses theils in den schlechten Vermögensumständen der Israeliten, theils in den noch schlechtem Aussichten, einen Wirkungskreis zu erlangen. Ebenso haben wir in Trier eine sehr gut eingerichtete, von einem tüchtigen Lehrer geleitete israelitische Volksschule, zu welcher die Stadt das Local und noch einen jährlichen Beitrag an Geld freiwillig hergiebt. Auch in noch mehreren, sogar nicht sehr großen jüdischen Gemeinden, wie Ottwejler, Merzig,-Thalfangen und anderen, find auf Verlangen der Israeliten geprüfte Lehrer angestevt. Für das jüdische Schullehrerjeminarium zu Münster werden aus hiesiger Gegend jährliche' Beiträge gesammelt, wozu unsere Regierung zu Trier vor einigen Jahren die Gemeinde-Vorsteher dringend aufforderte. Und wirklich wurden auch bereits einige Jüng- *) Man schreibt uns so eben aus dem bayrischen Kreise Pfalz: „Betrübend ist es in unsern Zeiten, jenes Gesetz noch immer fortbestehen sehen zu müssen, das nicht viel weniger als ein Abzeichen ist. Iw meine das sogenannte Moralpatent, welches Napoleon einst für einige Provinzen anordnete, in welchen der Mucker überhand genommen hatte. Wenn nun gleich von Seiten Frankreichs dieses Edikt schon längst aufgehoben worden ist, so hat es doch bei uns noch immer gesetzliche Kraft und macht nickt selten den reelsten jüdischen Kaufmann bei'm Gerichte erröthen, wo es ihm jeder Schelm adfordern kann. *Sckon viele Schritte sind geschehen, das Unzweckmäßige dieses Gesetzes zu beweisen, und das Zunehmen der Kuttur der Juden in unserm Kreise beweist am deutlicksten, daß es nicht nur unnöthig, sondern sogar schädlich ist, und dennoch besteht dasselbe noch immer fort!"

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