Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3 (18.1.1839)
- Date
- 1839-01-18
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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21 der Freiheit hatte zum Zweck, den Synagogenvorstehern, die wir bereits oben bezeichnten, und die nun die Bestrebungen der Gesellschaft als irreligiös darzuftellen suchten, entgegenzuwirken. Unter Andern hieß es: „Die Parnaßim sehen ein, daß wenn die „Rechte des Menschen" unter euch bekannt werden, sie ihre alles beherrschende Gewalt gänzlich verlieren, daß sie für ihre Rechnungen und Handlungen verantwortlich gemacht würden, daß die schlechte und elende Leitung der Fleischhalle, durch welche der gemeine Mann am meisten gedrückt wird, nicht mehr fordaucrn könnte, daß die Geldmittel der Gemeinde nicht mehr so willkührlich verwendet werden dürften. Darum haben sie ihre Zuflucht zu dem schändlichen Hülfsmittel genommen, unter der verblendeten Gemeinde zu verbreiten, als wären „die Rechte der Menschen" streitig mit unserer heiligen Religion, als suchten die Mitglieder unserer Gesellschaft unfern Glauben zu untergraben, und als müsse der öffentlichen Lesung „der Menschenrechte" entgegen gearbeitet werden. Deßhalb haben sie bei den Mitgliedern von Haus zu Haus herumgeschickt, um sie nach ihrem Collegicnzimmer einzuladen, und, wie sie angaben, im Namen des Himmels eine Adresse zu unterzeichnen; hierdurch gelang es ihnen, eine Anzahl unwissender Menschen zu mißleiten, diese schändliche Erklärung zu unterschreiben, welche eine Verkündigung der Menschenrechte in den Synagogen als eine mit der Religio» streitige Handlung schildert u. s. w. " Dieser Aufruf Asser's wurde den 22. März von der Gesellschaft gezeichnet, und die Thätigkcit fortgesetzt, bis in dem darauf folgenden Jahre ein ernsterer Schritt zur Erlangung einer völligen Gleichstellung mit den andern Confessionen, wieder durch Herrn Asser, in einer Petition gethan ward, in welcher die damals im Schwange seienden Beschwerden gegen die Emancipation mit Klarheit und mit der der Wahrheit so eigenthümlichcn Kraft bekämpft wurden. Im Anfänge sagen die Bittsteller: „Hätte man seine Worte immer nur an eine Versammlung von Philosophen zu richten, so würde es dem Juden genügen, daß er auf eine stolze Weise sagte: ich bin ein Mensch, und habe aus diesem Grunde Anspruch auf alle natürlichen und bürgerlichen Rechte, welche durch diese edle Beziehung mir gebühren. — -Die Juden der Republik haben aber leider seit der Staatsumwälzung allzu sehr erfahren, daß es für sie bei der Menge nicht hinreiche, sich zur Stütze ihres Rechtes und zur Erfüllung der den wahren Vaterlandsfreunden theuren Bürgerpflichten zugelasscn zu werden, darauf zu berufen, daß sie Menschen seien. Man sah, o Schande für diese philosophische Revolution, man sah Geistliche vergessen, daß sie die Lehre der Liebe zu verkündigen berufen seien; man sah Söhne der Freiheit vergessen, daß die Rechte des Menschen allein die Quelle aller bürgerlichen Freiheit seien, — um ihre Naturgenossen in ihrem Rechte zu schmälern...." Hierauf werden die Gegengründe nach vier Classen vertheilt, nachdem sie von den religiösen Begriffen der Juden oder von ihren sittlichen Eigenschaften, oder von ihrer politischen Denkungsart hergenommen sind, oder von politischen Schwierigkeiten gesprochen wird, welche angeblich aus der Zulassung der Juden zum Bürgerrechte entspringen sollten. — Wer erkennt hier nicht dieselben Scheingründe, dieselben Vorurthcile wieder, welche noch heute überall vorgeschoben werden, wo man den Juden die bürgerlichen Rechte entzieht? — Aber die erleuchteten Mitglieder der batavischen Nationalversammlung waren consequenter in der Befolgung ihrer Principien, als die sogenannten Bewegungsmänner Badens in der neuern Zeit, und obgleich dort nicht wie hier die Bekenner des Judenthums insgesammt ihr Recht forderten, sondern nur Wenige unter einer Menge, die selbst jenem Rechte entgegenarbeitete, so wurde doch der 2. September 1796 ein Tag der Freude und des Segens für die Juden Hollands; denn an ihm wurde die Schmach der Sclaverei abgewälzt von Israel, und sie wurden freie, unabhängige, gleichbcrechtete Mitbürger der Republik. Jedoch können wir diese Thätigkeit und das Gefühl in dem Momente, wo es vergönnt war, die Früchte der Anstrengung zu pflücken, besser ausdrücken als mit den Worten des Mannes selbst, der so vieles dieser Angelegenheit geopfert hatte? Herr Asser erzählt in seiner einfachen, fast naiven Sprache: Mit blindem Eifer war ich dem System der Gleichheit, ohne Unterschied des Gottesdienstes, ergeben; dieses göttliche System mußte hier durch die Franzosen eingeführt werden. Allein es bestand damals, wie jetzt noch, eine Vereinigung von fanatischen Geistlichen, und nur auf ihren Vortheil bedachter Advocaren, welche diesem System oder wenigstens seinen Folgen entgegenzuwirken suchten. (Forts, f.)