Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3 (18.1.1839)
- Date
- 1839-01-18
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 stützen. Vermächtnisse für Arme und Armenanstalten sind rechtskräftig. Wir bitten diejenigen, welchen die Quellen zugänglich sind, um nähere Mittheilung über diesen Fall, und ähnliche, die etwa vorgekommcn sein mögen. Historische Schilderungen. Carl Asser mit Beziehung auf die Holländischen Israeliten in den letzten vierzig Jahren. Non Dr. Joseph Dernburg (zur Zeit in Amsterdam). (Fortsetzung.) Carl Asser war den 15. Februar 1780 zu Amsterdam geboren. Sein Vater, Moses Salomo n Asser, war in seiner Jugend dem Handelsstande bestimmt, widmete sich aber später den Rechtswissenschaften und wurde, obgleich er weder seine Studien regelmäßig gemacht, noch irgend einen akademischen Grad erhalten hatte, dennoch wegen seiner Kenntnisse im Handels- und Seerechte so rühmlich bekannt, daß man wegen aller schwierigen kommerziellen Fragepunkte von Seiten des Handelsftandes seinen Rath einholte, daß er unter der batavischen Republik Mitglied des Juftizcomite's wurde, und später unter der Regierung Ludwig Napoleons zu dem Triumvirate *) gehörte, welches mit dem Entwürfe eines neuen Gesetzbuches für den Kauf- Handel beauftragt ward. Wer zu jener Zeit Selbstständigkeit und Kraft genug besaß, den Zauber, der alle Hände zur Unlhätigkeit oder an einen niedrigen Handel bannte, zu brechen, und auf seiner eignen Bahn, weder rechts noch links schauend, fortzuschreiten, mußte schon ein Mann von Charakter und Festigkeit des Willens sein, und das Fach, das er ergriff, mußte den Gegenstand seines innern Berufes ausmachen; denn es konnte ja nur dieser Beruf allein die Triebfeder sein, welche ihn zur Uebrrfteigung so vieler Schranken vermochte, und mochte doch Asser selbst im Anfänge noch kein Ziel seines StrcbenS in der Ausübung der Advocatur sehen, da in jener Zeit selbst diese noch von keinem Juden *) Mit van der Linden und van Gennep. D. H. versehen werden durfte, wie er denn auch nur aus einer besonder» Gunst bei subalternen Gerichten die Geschäfte eines Procureurs versah. In der That erkennen wir diesen kräftigen Mann in seiner eigenen Lebensbeschreibung, die er seinen Söhnen zur Erinnerung und Nachahmung handschriftlich hinterließ, und aus der uns unten einige Auszüge zu geben vergönnt sein wird. Unter der Leitung eines solchen Vaters mußte der junge Asser frühe schon eine der Zeit angemessene Erziehung erhalten, und besonders zu einem Studium Luft gewinnen, welchem sein Vater so sehr ergeben war. Im Jahre 1795, dem ersten Jahre der batavischen Republik, wurde der damals erst fünfzehnjährige Jüngling mit seinem Vater Mitglied der damals durch diesen und die Herren Herr man Leonard Bromet, Jacob Saportas und Or. med. H. de H. L em o n errichteten Gesellschaft: felix libertate, welche zum Zwecke hatte, die Ideen von Freiheit unter den Israeliten zu verbreiten. Am 11. Februar dieses Jahres wurde sie durch den alten Asser mir einer Rede eröffnet, worin er die Hoffnungen der Juden auf die neu gegründete Republik mit Feuer auseinandersetzte. Schon eine Woche vorher hatte er in einer kleinen Broschüre: „Brief eines jüdischen Bürgers in Amsterdam an einen lüdischen Bürger zu Rotterdam" über die gegenwärtige StaatSumwälzung in den Niederlanden, (halb anonym herausgegeben) die Juden von dem Vorwurfe der Gleichgültigkeit gegen die Angelegenheiten des Staates gereinigt, indem er klar die Verschiedenheit der Verhältnisse von 1787 und 1795 auseinander setzte. In einem Blatte „die Constitution" war den Juden das Stimmrecht abgesprochen worden. Sogleich ergriff der alte Asser seine gewandte Feder, und am 5. März sah wieder eine kleine Schrift von ihm das Licht, worin er im Namen der Gesellschaft felix libertate die Anklagen des Gegners mit Schärfe widerlegte. Während des Druckes dieser Schrift erhielt er die freudige Nachricht, daß zu Rotterdam dies Recht geübt worden war, uud daß einige Juden sogar mehrere Stimmen als Wähler erhalten hatten. Die verschiedenen in diesem Vereine gehaltenen Reden, unter welchen die eines Mitgliedes, S. de Jongh M e y e r s z o o n, durch Feuer und Geist sich auszeichncu, wurden gedruckt und in vielen Exemplaren verbreitet. Ein Aufruf an die jüdische Gemeinde von Amsterdam von den Freunden