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Israelitische Annalen · 1839-01-11 · Heft 2 (11.1.1839) · p. Seite 15

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 2 (11.1.1839)
Date
1839-01-11
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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15 tete mancher mit Recht, bald alle unter dem vormaligen Präses, Herrn Dr. Dernburg. und seinen würdigen Collegen -u Stand gebrachte Verbesserungen wieder verschwinden zu sehen; aber Dank dem Machtgebot der öffentlichen Meinung, das Gute, das bereits bestand, blieb unangetastet, und wir verdanken sogar diesem unbestegbaren Einfluß die Ernennung des allgemein geschätzten Herrn vr. Cahn zum Religionslehrer, welcher bereits in der von Herrn Mayer vortrefflich geleiteten Gemeindeschule, so wie in der Lehr- und Pensionsanstalt der Fräulein Piccard im löblichsten Geiste wirkt. Ein hier neu errichtetes Casstno, in welches auch Juden von angemessener Bildung Aufnahme finden, hat die vollständige gesetzliche Emancipativn, deren wir uns erfreuen, auch in geselliger Beziehung zur Wahrheit gemacht. Was uns noch fehlt, kann uns nur die Zeit geben. Es ist ein gewisser technischer Sinn, jene heilsame industrielle Rührigkeit unsrer christlichen Brüder, jene vielseitige Productionsfahigkeit, welche für den Staat und den Einzelnen eine wahrhaft ergiebige Quelle der Wohlfahrt ist. Es ist wahrlich nicht Trägheit und Arbeitscheu, wenn der jüdische Erwerbfleiß noch so viele Verbesserungen wünschen läßt, sondern die traurige Folge einer gar zu langen Entwöhnung, welche in ihnen den mechanischen Kunstsinn gelähmt hat, was man um so begreiflicher finden wird, wenn man bedenkt, daß, der bestehenden Gewerdfreiheit ungeachtet, sehr viele Professionen sich gewöhnlich in derselben Familie mehrere Generationen hindurch forterden, weil man in derselben gewissermaßen erzogen werden muß, wenn man sie mit Erfolg betreiben will. Es besteht hier ein jüdischer Gewerbverein seit etwa zwanzig Jahren, und man kann nicht verkennen, daß er bereits sehr viel Gutes gestiftet hat. Gegenwärtig läßt er zwanzig jüdische Knaben verschiedene Professionen erlernen. Zu bedauern ist es, daß gerade die Glieder der hiesigen Gemeinde, wie es scheint aus falscher Schaam, von diesem Verein sehr selten Gebrauch machen. Aus Bayern Mitte Decemder. — Der Zustand des kirchlichen Wesens unter den Juden Bayern's, ist ein sehr ungleichmäßiger, und das rührt nun großentheils von dem Umstande her, daß die in den verschiedenen Kreissynoden vorgeschlagenen Synagogenordnungen im Jahre 1836 theils von der Staatsregierung bestätigt, theils aber auch, wie es scheint ad acta gelegt worden sind. Es ist zu bedauern, daß hierin keine gleichmäßige Norm herrscht, während die Cultusangelegenheiten, d. h. das die Verwaltung der jüdischen Gemeinden Betreffende schon durch das Edict vom 10. Juni 1813 geordnet ist. Das Streben nach Verbesserung, welches seit einigen Jahren wahrgenommen wurde, hat in der jüngsten Zeit nach der Meinung Vieler durch jene bekannte neuere Verordnung, in Beziehung auf die Rabbiner, ein bedeutendes Hinderniß erlitten. Doch ist die Sache keiueswegs von der Art, daß diejenigen, welche nicht ihre gehörigen Studien vollendet haben, an's Ruder kommen. — Noch immer ist der schon seit mehreren Jahren von Seiten der verschiedenen Partheien mit so vielem Eifer betriebene Prozeß gegen vr. Löwi nicht entschieden, obwohl die Untersuchung, welche sich za Gunsten des Letztern herausstellte, beendigt ist. Die durch den Rücktritt des Oberrabbiners Bing in Würzburg zu besetzenden Rabbinate sind noch immer vacant, während es uns wahrlich nicht an kenntnißreichen Männern fehlt, um diese Lücken auszufüllen. Sehr wünschenswerth wäre es, wenn einmal das Erziehungsgesetz vom Jahre 1813 außer Kraft käme. Es hat in dem Vierteljahrhunderte seines Bestehens alles erzeugt, was damals wünschenswerth erschien. Von Schacherjudeu und Hausirern weiß man nichts mehr und wir überblicken überall Ackerleute, Handwerker, gebildete Kaufleute und in allen Zweigen Männer des Wissens. Die jetzige Generation ist eine andere, als die, während deren jenes Edict redigirt wurde. Wir werden nächstens in einigen Artikeln die kirchlichen und bürgerlichen Verhältnisse der Juden Bayerns näher beleuchten. Literarische Anzeigen. Biographie des hochberühmten, hochseligen Hrn. Akiba Eg er, Oberrabbiner zu Posen, von seinem Schüler: S. I. Kämpf aus Lissa (jetzt zu Salzufeln) mir poetischen Anhängen (hebräischen und deutschen). Ein ehrenwerthes Denkmal der Pietät. Der Verstorbene hat überall so viele aufrichtige Verehrer, daß der hoffnungsvolle Schüler gewiß durch zahlreichen Absatz zu anderweitigen Leistungen verdiente Aufmunterung findet. R. Akiba Eger war geboren 1152 (nicht 1762), und starb 1837. Er hatte 1802 — 1814 das Rabbinat zu Märk. Friedland, und seitdem das zu Posen begleitet. Seinen edeln Charakter und seine frommen Werke schildert der Biograph in recht gelungener Sprache. Nützliche und einpfehlenswerthe Schulbücher. Practisches Elementarbuch zur Erlernung der Hebräischen Sprache. Von S. M. Ehrenberg (Vorsteher der Samson'schen Frerschule zu Wolfenbüttel), Berlin 1838. Veit u. Comp. . Mit besonderm Vergnügen macht der Herausgeber dieser Annalen auf dieses Werk seines hochverehrten Lehrers aufmerksam, welches er mit der strengsten Gewissenhaftigkeit allen Lehrern, die ihren Schülern tüchtige Gewandtheit in der Etymologie und elementarischen Syntar der hebräischen Sprache auf sicherm und kurzem Wege beidringen wollen, empfehlen kann. Das Werk geht aus einer mehr den 30 jährigen, täglichen Uebung und Prüfung hervor, und alle Jugendlehrer dieses Faches werden ihm für die Herausgabe eines so gediegenen und zweckmäßig eingerichteten Elementarbuches Dank wissen; welchem übrigens die Seidenstücker'sche Manier zum Dorbilde gedient hat. — Papier und Druck recht lobenswerth.

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