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Israelitische Annalen · 1839-01-11 · Heft 2 (11.1.1839) · p. Seite 13

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 2 (11.1.1839)
Date
1839-01-11
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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13 chen Zwange nachgebend, mehrere Hunderttausend, bei sich selbst nur gestärkt durch die Hoffnung, ihrer Religion dennoch endlich über die Tyranney den Sieg zu verschaffen. — Wenn also an der Bürgerschaft etwas zu tadeln ist, so besteht es nur darin, daß sie überhaupt den Vortheil des Staates nicht sogleich erkannte. Der damalige Senat scheint im Ganzen weiser zu Werke gegangen zu sein, und hatte vielleicht auch den Juden einen Wink gegeben, ihr Christenthum so lange beizubehalten, bis man über ihre gesetzliche Aufnahme im Reinen sein möchte. In der That war schon 1605 die Bürgerschaft so sehr andern Sinnes geworden, daß der im Jahr 1603 schrecklich erschienene Gedanke einer Zulaffung der Juden in Hamburg, jetzt einem ganz andern Raum gab, nämlich dem Verlangen nach einem ansehnlichen, von den in der Stadt angesiedelten Fremdlingen zu zahlenden Schoß; und nach mancherlei Verhandlungen zwischen Senat und Bürgerschaft, ward die offene Erklärung, daß die Portugiesen wirkliche Juden seien, ohne Widerspruch hingenommen , und man sprach nur noch von deren Geldleiftung. Eintritt der Juden in Holland dagegen hält, worüber wir in -er Geschichte der Israeliten (VIII. 240) berichtet haben, und Dr. Dernburg in der obigen Einleitung ebenfalls einige Andeutungen giebt. In Holland nämlich müssen die Juden so schnell .als möglich den Wahn, als wären sie katholische Christenzerstreuen, in Hamburg dagegen werden sie nur als Bekehrte geduldet, und behalten daher die neueingewanderten, in Spanien und Portugal zur Annahme des Chriftenthums gewaltsam gezwungenen und mit diesem genugsam vertrauten Juden, noch einige Zeit das Schein ehr iftenthum bei, um dadurch die augenblicklichen Anstände zu beseitigen. Die Art, wie der Verfasser sich hierüber'ausdrückt, scheint uns etwas anstößig. Er sagt: „das verdroß wohl das pietiftische Hamburg nicht wenig; denn jene Zeit nämlich trug noch wie Kletten (?) die alten Vorurtheile des Mittelalters an sich, welche die Soldaten des päbstlichcn Stuhles, die weiß, grau und schwarz bekitrelten Frömmlinge mit nimmer leeren Händen ihr in die Haare geworfen hatten." Dieser Ausfall ist doppelt ungerecht. Wenn die Bürgerschaft sich einer Heuchelei widersetzte, so hat sie richtig gefühlt, und wir würden heute noch mehr als damals einen solchen offenen Mißbrauch des religiösen Bekenntnisses brandmarken. Was aber die Katholiken betrifft, so haben sie fast überall den Juden, freilich gegen sehr harte Bedingungen, doch immer ein Asyl gegönnt, die aus der pyrenäischen Halbinsel Vertriebenen fanden zu Tausenden Aufnahme in den römischen Staaten.— Etwas anders ist die richtige Würdigung der Verhältnisse, wodurch die damaligen Fremdlinge von dem Vorwurfe der Unsittlichkeit, die jeder in solcher eigennützigen Religionsheuchelei erkennen muß, frei gesprochen werden. Dieselben waren nämlich schon seit einem Jahrhundert an dergleichen Religionsdruck gewöhnt, der sie gezwungen hatte, sich der äußern Form der Kirche zu fügen, bis es ihnen einmal wjeder, wie jeder hoffte, freistehen würde, öffentlich ungestört das jüdische Gesetz zu üben. Was kann nicht alles aus dem Menschen werden, wenn es von oben herab darauf angelegt wird, nur den äußern Schein zu retten? Wozu vielleicht heute unter tausend Juden kaum Einer und auf kurze Zeit sich entschließen möchte, nämlich sich zum Scheine geradezu der Kirche einzuverleiben, um als Christ zu gelten, das thaten damals, dem schmähli¬ Die Gewissenszweifel über die Zulässigkeit der Juden in einem Christlichen Staate (seltsam genug, im I. 1611, wo fast in allen christlichen Staaten Jüdengemeinden waren) bewog indeß den Senat, .sich an die theologischen Facultäten zu Jena und zu Frankfurt a. O. zu wenden, welche beide sich günstig aussprachen. (Die Gutachten befinden sich im M. Chr. Ziegra's Sammlung von Urkunden.) Unser Verfasser giebt einige Proben der damaligen Manier, solche Materien zu behandeln. Wir verweisen unsre Leser darauf, ohne jedoch die Art zu billigen, wie der Verfasser darüber sich ausläßt. — Freilich waren die Facultäten noch so befangen, daß sie den Juden alle gottesdienstlichen Zusammenkünfte nicht gestatten wollten; und die Frankfurter nur stillschweigend Conventikel zuließ. (1649 meinte jedoch schon dieselbe Facultät, daß man ihnen den Gottesdienst gestatten müsse.) Sie wollten ferner keine Beschneidung, keine Polygamie (!), keinen Wucher derselben geduldet wissen. Sie machte zur Bedingung, daß die Juden niemanden am Uebertritt zur Kirche hinderten, keine christliche Dienstboten hielten, kein Amt und liegendes Besitzthum erlangten und endlich, daß man sie

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