Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-01-11 · Heft 2 (11.1.1839) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 2 (11.1.1839)
Date
1839-01-11
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133769--0019-3134114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Juden allein den vorhersehenden Blick in die Zukunft zuschreiben? sollen sie damals schon auf die Dankbarkeit des erst nach fast SO Jahren wieder in sein Reich zurückkehrenden - Prinzen gerechnet haben? Und doch widerstrebten sie den Grundsätzen des Freistaates, sahen mit Schrecken auf die Menschenrechte; erbaten es sich als eine Gnade, ihre Synagoge durch das öffentliche Vorlesen derselben nicht verunreinigen zu muffen, und hielten sich fern von allen Bestrebungen zu Gunsten der Emancipation! , Nein, es war der Grundsatz der Stabilität; es war noch mehr! Sie merkten wohl, daß das Paladium des Thalmuds eben in der Abgeschiedenheit und Trennung von allen übrigen Glaubensbekenntnissen gelegen sei; daß nur dann die Masse von Vorschriften keine Jnconvenicnzen mir sich führe, wenn der Jude nur mit Juden verkehrte; wie sollten sie also ein Streben begünstigen, welches nur Sicherung und Verbindung der verschiedenen Confcssioncn zum Ziele hatte? Endlich trug noch ein drittes Motiv, so sehr man es auch damals von einer gewissen Seite, die wir sehr bald näher werden kennen lernen, läugnete, und läugnen konnte, weil man das Motiv in falscher Weise vorgetragen hatte, das Seinige zu dem Widerwillen der großen Masse der Juden gegen die Emancipation bei. Durch die langen Leiden gewöhnt unter der verwundenden Hand des Christen die Zuchtruthe seines Gottes zu " erblicken, und in diesem Bewußtsein den beseligenden Trost für seine Schmerzen zu finden, war das Elend den Juden lieb und der Schmerz ihnen werth geworden; im strafenden Arme des ewigen Richters, von dessen Gerechtigkeit die Liebe unzertrennlich ist, glaubten sie die Zeichen des gütig zurechtführenden Vaters zu erkennen, und wenn sie von allen vergessen waren, so gedachte doch Jehova noch ihrer, um ihrer Väter willen. Wie sollte der Mensch die Strafgerichte des Herrn hemmen, seinen erhobenen Arm aufhalten, seiner allmächtigen Hand den Blitz entwinden, ehe der Allmächtige selbst durch seine Zeichen seinen Willen, den Zustand Israels zu verändern, kund gegeben hatte? war ihnen doch eine solche Zeit verheißen, und sollte ihnen doch diese Zeit der Freiheit durch ausserordentliche Erscheinungen voraus angezeigt werden? — Also nicht die Hoffnung auf einen Messias, auf einen irdischen Fürsten, machte den Juden feindlich gegen jede andere Staatsorganisation; sondern sie machte ihn nur gleichgültig gegen dieselbe hinsichtlich seines eigenen Vortheils; ja noch mehr, während ihm geboten war, die Regierung, unter der er lebte, mit aller Macht zu unterstützen, schien ihm jeder Nutzen, der Genuß jedes von ihr verliehenen Glückes untersagt; er schien durch seine eigenen Vorurtheile zum Märryrerthum Hingetrieben. Wenn dennoch in späterer Zeit auch alrfromme Juden von dem Rechte einer beglückenden Freiheit für sich Gebrauch machten , so war es allerdings eine Inkonsequenz, welche entweder dem Siege ihres Eigennutzes über ihre Glaubensanfechter, oder dem unbemerkten Triumphe eines bessern nach Entfesselung von allen, nicht aus dem Menschen selbst durch seine sittliche Natur herrührenden Banden sich sehnenden Gefühles über die ererbten Vorurtheile, zugeschrieben werden muß. Doch hatte das Rad der Zeit damals schon seinen rascheren Umlauf begonnen; eine Periode von 8 Jahren hatte bei Manchen mächtige Reformen in religiöser, und somit auch in politischer Beziehung hervorgebracht, und die Juden, welche noch 1787 ohne Ausnahme für alles Freiheitsgefühl stumpf geblieben waren, zählten doch eine tüchtige Schaar begeisterter Anhänger der batavischen Republik im Jahre 1795. Betrachten wir aber die allgemeine Geschichte der Juden Hollands, oder Amsterdams, welches auch in dieser Hinsicht den Ton angibt, von nun an, in der Geschichte eines einzelnen unter ihnen hervorragenden Mannes, der an ihren Schmerzen und ihren Freuden einen sehr großen Antheil genommen, in der Person Carl Asser's, an dessen Leben wir Gelegenheit haben werden, die wichtigsten Begebenheiten der Israeliten Hollands in den letzten 40 Jahren anzuknüpfen. (Forts, f.) Historische Berichte. Aufnahme der ersten Juden in Hamburg, von Dr. S. Eine soeben unter diesem Titel herausgekommene kleine Schrift mit dem Motto: „In der Vergangenheit ruhen die Wurzeln der Gegenwart", ertheilr uns eine im Ganzen einfache, klare, und unsrer Ansicht nach, sehr interessante Auskunft über die Art, wie die Juden vor mehr denn zweihundert Jahren in Hamburg Aufnahme fanden. Ein merkwürdiger Contrast fällt hier zunächst auf, wenn man den gleichzeitigen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.